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Grundwasser

Schadstofffahne in Reilingen wird vermessen: Bohrungen in die Tiefe

Schadstofffahne wird vermessen

Von 
jd
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Gutachter Diplom-Geoökologe Dr. Arno Nothstein (v.l), Karlheinz Nikolaus von der Bohrgesellschaft Hettmannsperger und Referatsleiter Christian Svenson vom Wasser-rechtsamt Heidelberg begutachten die Kernkisten, in denen die erbohrten Gesteins-schichten sichtbar sind. © Dufrin

Reilingen. Im Nordwesten der Gemarkung sind im Grundwasser per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) vorhanden. Sie wurden durch den Einsatz von PFAS-haltigen Löschschäumen bei der Bekämpfung eines verheerenden Großbrands im Gewerbegebiet eingetragen. Ausbreitungsgrad der Kontamination und Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt lässt das kreiseigene Wasserrechtsamt derzeit in einem aufwendigen und komplexen Verfahren erkunden (wir berichteten).

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Nach etwa einem Jahr sind zwei von drei Untersuchungsstufen der sogenannten Detailuntersuchung erfolgreich abgewickelt. Aktuell werden in einem letzten Arbeitsschritt flache und tiefe Grundwasser-Messstellen im Abstrombereich des Schadensherds angelegt. Damit soll die PFAS-Fahne im Grundwasserkörper vertikal abgegrenzt werden.

Die Feldarbeiten der letzten Erkundungsstufe sind am nördlich vom Reilinger See angelaufen und werden am östlichen Böschungsfuß der verlängerten Wilhelmstraße, nahe dem Vereinsgelände des Sportschützenvereins fortgesetzt. Insgesamt sind acht neue Grundwasser-Messstellen geplant, davon werden vier bis zehn Meter Tiefe (flach verfiltert) und vier bis 25 Meter Tiefe (tief verfiltert) abgeteuft.

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Von
Volker Widdrat
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„Die ergänzenden, neuen Grundwasser-Messstellen liegen durchweg im Bereich der zentralen PFAS-Fahne, die wir in der vorangegangenen Untersuchungsstufe lateral abgegrenzt haben“, erklärt Diplom-Geoökologe Dr. Arno Nothstein. Er ist als Gutachter der Firma Arcadis Germany tätig, die das Wasserrechtsamt des Rhein-Neckar-Kreises mit der Detailuntersuchung und Gefährdungsabschätzung beauftragt hat.

Zum Start der neuerlichen Rammsondierungen war mit Christian Svenson auch ein Vertreter der zuständigen Fachbehörde, dem Wasserrechtsamt, dabei. Gemeinsam mit dem Gutachter und den Experten der auf derartige Arbeiten spezialisierten Firma Hettmannsperger aus Ötigheim begutachtete er die erbohrten Erd- und Gesteinsschichten, hier größtenteils kiesig-sandige Lockersedimente. „Von Interesse ist insbesondere die Verteilung der Korngrößen, da von dieser maßgeblich die hydraulische Durchlässigkeit abhängt“, führte Dr. Nothstein aus.

Alle Parameter ermitteln

Der Einbau von Filterrohren mache nur in durchlässigen Schichten, also vornehmlich Kiesen und gröberen Sanden, Sinn. In nicht oder nur gering durchlässigen Schichten würden dagegen wasserundurchlässige Vollrohre verbaut. Die nicht verfilterten Bereiche werden im sogenannten Ringraum (Raum zwischen Bohrgestänge und Rohrlochwand) mit Ton verfüllt, sodass den Messstellen nur aus den verfilterten Bereichen Wasser zuströmen kann.

Sind die neuen Grundwasser-Messstellen angelegt, werden diese zunächst klargespült. Dann können qualifiziert Grundwasserproben entnommen und auf die PFAS-Leitparameter hin im Labor analysiert werden.

„Unser Ziel ist es, die PFAS-Belastung des lokalen Grundwasserkörpers auch vertikal zur Tiefe hin abzugrenzen“, fasst Dr. Nothstein die Intention des aufwendigen Vorgehens zusammen. Bis eine abschließende Gefährdungsabschätzung auf Basis aller Parameter möglich sei, brauche noch etwas Zeit. Mit konkreten Ergebnissen sei aber noch im Jahresverlauf zu rechnen. jd

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