Evangelische Kirche - Bei Andacht nimmt Gospelchor nach fast fünf Jahren Abschied von seinem Leiter Philipp Schädel / Gerhard Müller rockt an der Kirchenorgel Zeitreise durch die Jahre des Dirigenten

Von
Katrin Dietrich
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Ein letztes Mal begleitet Chorleiter Philipp Schädel am E-Piano seine Sänger, die mit ihren Gospels ordentlich Schwung in die Kirche bringen.

© Dietrich

Reilingen. Fast fünf Jahre hatte Philipp Schädel als Dirigent die Leitung des Reilinger Gospelchors inne. In dieser Zeit hatte er sich nicht nur in die Herzen der Zuhörer, sondern auch ganz tief in die Seelen seiner Sänger gesungen. So waren diese den Tränen nah und bei manchen kullerten auch ein paar über die Wangen, als mit der Gospelandacht in der evangelischen Kirche sein Abschied nahte.

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In einer musikalischen Zeitreise durch die Jahre mit dem beliebten Dirigenten begeisterte der Chor die Besucher. Mit gewohntem Elan gab er an diesem Abend nochmals die Einsätze und begleitete an seinem E-Piano. "Rock my Soul" und "When Israel was in Egypt's Land" waren die ersten Titel, die Philipp Schädel damals, als er neuer Chorleiter wurde, einstudierte - und diese durften natürlich nicht fehlen.

Getragen von den Klängen

Mit Gospel wird im deutschen Sprachgebrauch die afroamerikanische christliche Musik bezeichnet, die schwungvolle Rhythmen in sich trägt. Mal gleich zu Beginn, mal nach einem ruhigen besinnlichen Anfang. Dazu gehören auch klatschen und Bewegungen im Takt dazu. Die Sänger in ihrer schwarz-roten Robe wirkten beim Singen wie getragen von den Klängen. "Hear me praying Lord" war einer der Titel, die geprägt waren von Besinnung und Schwung und der genau wie "Sinner you know" zu den neuesten Liedern des Repertoires gehören.

Auch Pfarrerin Stefanie Nuß war bei der Gospelandacht mit vollem Herzen dabei und begleitete den Abend passend mit Geschichten und Erfahrungen rund um die Themen "Zeit", "Leben" und "Tod". Unterstützt wurde sie hierbei von Chormitgliedern. So las sie gemeinsam mit Helge Hoffmann, Elise Dommer und Philipp Schädel eine Geschichte über einen Baum und eine Eintagsfliege. Margarete Hopf fasste die wichtigen Dinge des Lebens in Worte, die gewiss viele zum Nachdenken brachten: "Man soll seine Zeit nutzen und genießen und sein Leben bewusst leben."

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Dieter Hopf brachte die Anwesenden mit einer kleinen Statistik zum Schmunzeln. In dieser ging es darum, wie viel Zeit der Mensch in seinem gesamten Leben für bestimmte Tätigkeiten aufbringt. "So haben wir seit Gründung unseres Chores schon 18 000 Minuten gegospelt", sagte er zum Schluss.

Eine Premiere lieferte auch Gerhard Müller an der Orgel. Nach "Can you feel the Love tonight" spielte er den absoluten Klassiker von Led Zeppelin. Das "Stairway to Heaven" mit den Klängen einer Kirchenorgel sorgte nicht nur für einen ganz neuen Eindruck des Stückes, sondern auch für Gänsehaut unter dem Kirchendach. Weiter wurde deutlich, dass die Botschaft der Musik nicht von ihren Instrumenten abhängig ist, sondern von den Menschen, die sie leben und in ihre Herzen lassen.

Berührende Schlussszene

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In der evangelischen Kirche war die Musik willkommen und der Dank an den Dirigenten zeigte, dass er seit seiner ersten Chorprobe am 12. Januar 2011 eng mit den Menschen verwurzelt ist. Obwohl alle seine Entscheidung verstehen und akzeptieren, hätten sie ihn doch gerne behalten und der Abschied fiel demnach schwer. Neben Pfarrerin Nuß dankte auch Elise Dommer im Namen des Chores. Schädel erwiderte darauf: "Mein lieber Chor, danke für die tolle Zeit. Ich werde die Mittwochabende mit euch vermissen."

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Mit dem Lied "Oh happy Day" näherte sich die Andacht langsam dem Ende. Doch als Schlusslied spielte Gerhard Müller auf der Orgel "Thank you for the Music" - Philipp Schädel gewidmet - und spontan stimmte der Chor mit ein.