S-Bahn-Haltepunkt Hirschacker - Rodungsarbeiten sind der erste Schritt zum Anschluss / Zwei Bahnsteige, eine Unterführung und die Stadt spendiert einen Aufzug Ab Dezember 2022 sollen im Schwetzinger Hirschacker Züge halten

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Jürgen Gruler
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Im Hirschacker wird entlang der Schienen das Baufeld für den neuen S-Bahn-Haltepunkt gerodet. Das Geäst kommt direkt vor Ort in die Häckselmaschine. © Lenhardt

Was lange währt, wird (hoffentlich) endlich gut: 2004 hieß es, der S-Bahn-Haltepunkt Hirschacker werde sich wohl bis 2006 verzögern. Dann wurde auf 2008 verschoben und so ging es immer weiter. Und nun, 17 Jahre später, soll er wirklich kommen, der Bahnanschluss für die Menschen im Stadtteil Hirschacker und damit verbunden eine Querung der Schienen Richtung Waldgebiet. Die Rodungsarbeiten sind schon im Gang und im Dezember 2022 will die Bahn alles fertig haben. Eigentlich wollte die Stadt ja zusammen mit der Bevölkerung den Spatenstich gebührend feiern, aber das geht in Corona-Zeiten leider nicht. Bürgermeister Matthias Steffan verhandelt aber noch, ob nicht ein symbolischer Akt im kleinen Kreis möglich ist. Er hat auch im Blick, dass es anschließend eine Anbindung in den Dossenwald gibt. Wir haben mit Sven Schäfer, dem Leiter der Bauausführung der Bahn in Karlsruhe, über das Projekt gesprochen.

Bauarbeiten Schwetzingen: Rodungsarbeiten für S-Bahn-Haltepunkt Hirschacker

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Norbert & Dorothea Lenhardt GbR
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Schwetzingen hat lange auf den Haltepunkt im Hirschacker gewartet, geht es jetzt wirklich los?

Sven Schäfer: Ja, nach der Planungsphase, welche insbesondere durch ein langes Planrechtsverfahren geprägt war, geht es jetzt tatsächlich richtig los mit dem Bau des neuen Haltepunktes.

Die Rodung hat begonnen, was muss da alles gemacht werden?

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Schäfer: Der neue Haltepunkt wird auf der Strecke zwischen Mannheim und Karlsruhe in Höhe von Bahnkilometer 10,452 gebaut. Die geplante neue Zuwegung führt von der Rheintalstraße im Stadtteil Hirschacker, östlich an der St. Josefskapelle vorbei, zum neuen Haltepunkt. Für die Herstellung dieses Weges ist es erforderlich, den Bewuchs in diesem Bereich zurückzuschneiden und einige Bäume zu fällen. Zudem muss auch östlich der Bahnstrecke für den geplanten Bahnsteig zwei auf einer Länge von etwa 210 Metern im Bereich der Böschung ein Vegetationsrückschnitt erfolgen.

Redet da der Naturschutz mit?

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Schäfer: Alle erforderlichen Vegetationsarbeiten wurden im Planrechtsverfahren mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. Zudem überwacht die ökologische Bauüberwachung die Arbeiten.

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In welchen Bauabschnitten geht es dann weiter?

Schäfer: Nach den Vegetationsarbeiten wird die Baustelle eingerichtet und die Baustraße hergestellt. Diese führt über die Straße am Marktplatz zum neuen Haltepunkt. Im Anschluss werden dann Signale und Oberleitungsmasten, die sich jetzt noch im Bereich des neuen Haltepunktes befinden, versetzt sowie die Personenunterführung neben dem Baufeld hergestellt, damit diese später im Rahmen der Sperrpause unter den Gleisen hindurchgeschoben werden kann. Dann wird zunächst ab Mitte Juni Bahnsteig eins (westlich der Bahnstrecke) und später ab August Bahnsteig zwei (östlich der Gleise) sowie die Aufzugs- und Treppenanlage hergestellt.

Wie wird der Haltepunkt dann aussehen?

Schäfer: Der neue Haltepunkt Schwetzingen-Hirschacker wird aus zwei Außenbahnsteigen, den Bahnsteigen eins und zwei, bestehen. Der Bahnsteig zwei wird über eine Personenunterführung erschlossen. Zum barrierefreien Erreichen von Bahnsteig zwei von der Personenunterführung aus wird ein Aufzug durch die Stadt Schwetzingen gebaut.

Welche Besonderheiten sind denn hier im Hirschacker zu beachten?

Schäfer: Bedingt durch die Nähe zum FFH-Schutzgebiet sowie durch das Vorkommen seltener Arten wie der Bechsteinfledermaus im Dossenwald waren bereits im Vorfeld und im Planrechtsverfahren enge Abstimmungen mit der unteren Naturschutzbehörde und anderen Umweltverbänden erforderlich. Im Rahmen dessen wurden verschiedene Vermeidungs- und Ersatzmaßnahmen abgestimmt und im Vorfeld teilweise auch schon umgesetzt.

Wann ist mit einer Fertigstellung zu rechnen?

Schäfer: Die bauliche Fertigstellung ist im Sommer 2022 vorgesehen. Dann müssen noch aufwendige Arbeiten an der sogenannten „Leit- und Sicherungstechnik“ erbracht werden, damit eine Inbetriebnahme zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 erfolgen kann.

Welche Kosten entstehen und wer bezahlt dabei wie viel?

Schäfer: Die Kosten für die Planung und den Bau des neuen Haltepunktes Schwetzingen-Hirschacker belaufen sich auf rund 6,5 Millionen Euro, wobei 60 Prozent der Baukosten vom Bund, 20 Prozent vom Land und 20 Prozent von der Stadt Schwetzingen getragen werden. Die Planungskosten sowie der Bau der neuen Aufzugsanlage werden von der Stadt Schwetzingen finanziert.

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Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.