Reporter unterwegs - Wie funktioniert die zentrale Fieberambulanz? / Nur ein Patient darf sich in den Räumen aufhalten / Doppelter Schutz – für Mitarbeiter und Erkrankte Alle Tests auf Covid-19 bislang negativ

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Vanessa Schwierz
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Dr. Christian Kuhn im Behandlungsraum: Geräte wie Thermometer oder Pulsoxymeter liegen für die Untersuchung bereit. © Dorothea Lenhardt

Trockener Husten, Fieber und Atembeschwerden – wer in diesen Zeiten solche Symptome hat, kann nicht wie gewöhnlich zu seinem Hausarzt gehen. Die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus ist groß. In Kooperation mit den Ärztenetzen Schwetzingen und Hockenheim haben die „ze:ro Praxen“ am Neuen Messplatz eine Fieberambulanz eingerichtet. Nur mit einer Überweisung des Hausarztes können Patienten einen Termin in der Fieberambulanz bekommen. Wir haben uns den Ablauf vor Ort in der Markgrafenstraße 2/9 genau angeschaut und erklären lassen.

Eine erste Bilanz

Die Fieberambulanz ist eine Kooperation der „ze:ro Praxen“ mit den Ärztenetzen Schwetzingen und Hockenheim.

Am 8. April wurde sie am Neuen Messplatz eröffnet.

Seit Eröffnung sind weitgehend alle angebotenen Sprechzeiten belegt, aufgrund der hohen Nachfrage wurden diese erweitert.

Aktuell teilen sich 17 Ärzte aus der Region, zusätzlich zu ihrer Sprechstunde in der eigenen Praxis, die Dienste.

84 Patienten wurden untersucht und behandelt. 55 Testungen auf Covid-19 wurden durchgeführt – alle waren negativ (Stand: 28. April). vas

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Alles ist genau koordiniert und folgt bestimmten Regelungen und Abläufen. So darf sich maximal ein Patient in den Räumlichkeiten in der Markgrafenstraße 2/9 aufhalten. Mit dem Klingeln bekommt er Zutritt in den ersten Raum – einer Art Schleuse. Dort wird der Patient von einer Medizinischen Fachangestellten (MFA) empfangen. Sabrina Zielbauer, Praxismanagerin „ze:ro Praxen“, sitzt hinter einer Durchreiche, die mit einer Schutzscheibe versehen ist. Darunter liegt ein Fragebogen. „Dieser richtet sich nach den Angaben des Robert-Koch-Instituts“, erklärt Dr. Christian Kuhn, Internist, Hämatologe und Onkologe, beim Vor-Ort-Termin in der Fieberambulanz. Auf diesem sind unter anderem Vorerkrankungen und Allergien zu vermerken, genauso wie die Angabe, ob es Kontakt zu einem „Covid-19 bestätigten Fall“ gab.

Schwetzingen Schwetzingen: Einblick in die Fieberambulanz

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Nach dem Einlesen der der Krankenkassenkarte und der Abgabe des Bogens öffnet sich die Tür, um die Schleuse zu verlassen. Für den Patienten geht es dann direkt – ohne Umwege – in den Behandlungsraum. Ein Spender mit Desinfektionsmittel für die Hände hängt an der Wand. Kuhn und Zielbauer erklären, dass auf diese Art und Weise ein doppelter Schutz vorhanden ist – für den Patienten und die Mitarbeiterin, die die bürokratischen Aufgaben am Eingang erledigt.

Untersucht und behandelt

Der zuständige Arzt bekommt den Bogen überreicht, der Patient nimmt Platz im Behandlungszimmer. „Das ist der Unterschied zum Abstrichzentrum. Bei uns werden die Menschen untersucht und behandelt. Wir hören die Lunge ab, messen Fieber, prüfen den Sauerstoffgehalt im Blut, schauen uns den Rachen an“, erklärt Kuhn, welche Aufgaben in der Fieberambulanz auf Arzt und Patient warten. Die Menschen, die in die Einrichtungen am Neuen Messplatz kommen, wollen eigentlich einen Termin bei ihrem Hausarzt, erläutert Kuhn bei der Führung durch die Räume. Mit typischen Symptomen des Coronavirus – Fieber und Husten, der zum Teil schon Wochen andauert – bekommen sie dort aber keinen, sondern werden an die Fieberambulanz vermittelt, „daher sind wir eine gute Alternative“.

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Wenn die Behandlung abgeschlossen ist, entscheidet der Arzt, ob ein Abstrich gemacht werden muss oder nicht, also ob die Symptome auf Covid-19 hinweisen. Doch es gibt auch andere Fälle, in denen der behandelnde eine Computertomographie veranlasst. Diese kann innerhalb kurzer Zeit durchgeführt werden – dies liegt an der guten Kooperation mit der Schwetzinger GRN-Klinik. „Der Patient wird in das Krankenhaus geschickt und kommt direkt dran. Wenn er sich nach der Untersuchung auf den Rückweg zu uns macht, haben wir dann auch das Ergebnis vorliegen“, erklärt Kuhn den Prozess.

Auch beim Verlassen des Gebäudes, nach der Untersuchung, gibt es Regeln. Den Weg zum Hinterausgang zeigen die schwarz-gelben Pfeile und Striche am Boden. „So haben die Patienten keinerlei Kontakt zueinander“, macht er weiter deutlich. Beim Gang Richtung Ausgang kommt man am Lager vorbei. In diesem separaten Raum liegen die Utensilien, wie die Kleidung für den Arzt und die MFA bereit. „Links haben wir die reine und rechts die unreine Seite“, erklärt Zielbauer. Denn aus dem Lager werden die Materialien lediglich geholt. Der Arzt zieht sich im Behandlungszimmer an. Der hellblaue Kittel über der dunkelblauen Kleidung wird nach jedem Patienten gewechselt.

Sauberkeit mit Wischdesinfektion

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Damit die Behandlungen korrekt und schnell durchgeführt werden können, ist Hygiene besonders wichtig. Nach der Behandlung eines Patienten ist der Arzt auch die Reinigungskraft. „Mit einer Wischdesinfektion sorgen wir für die Sauberkeit. Das geht auch recht schnell“, sagt Zielbauer. So wird während der Aufnahme des nächsten Patienten in der Schleuse der Behandlungsraum gesäubert und für diesen wieder vorbereitet.

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Das Ergebnis des Abstriches erfahren die Patienten im Normalfall am nächsten Tag. 55 Tests wurden seit der Inbetriebnahme der Fieberambulanz durchgeführt, 85 Patienten insgesamt untersucht. Menschen, die positiv getestet wurden? Die gibt es in der Einrichtung bisher nicht. „Es ist gut, dass niemand positiv getestet wurde. Für die Patienten bedeutet das auch, dass sie wieder normal zum Hausarzt gehen können“, sagt Kuhn.

Entwicklung im Blick behalten

Dr. Lutz Hager, stellvertretender Geschäftsführer „ze:ro Praxen“, zeigt sich zufrieden, dass die Fieberambulanz so gut angenommen wird, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. 30 Hausärzte in der Region schicken ihre Patienten in die Einrichtung. Wie lange die Fieberambulanz bestehen bleibt, lässt sich aber noch nicht sagen. „Wir müssen schauen, wie sich die Lage entwickelt. Wir haben für den gesamten Mai noch einen Dienstplan erstellt. Wenn Corona noch länger bleibt, bleibt auch die Fieberambulanz länger“, sagt Hager über das mögliche Ende des Angebots.

Info: Mehr Fotos zur Fieberambulanz gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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Autor Redakteurin für Print und Online in Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen