Hospizgemeinschaft - Birgit Strittmatter ist die neue Koordinatorin der Ehrenamtlichen / Palliative Begleitung fordert Kreativität in der Krise / Kontakt auch durch Videoanrufe Angehörige in schwieriger Zeit entlasten

Von 
Janina Hardung
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So hilft die Hospizgemeinschaft: Koordinatorin Birgit Strittmatter (2. v. l.) und Vorsitzender Franz Hauns erzählen Redakteurin Janina Hardung im Gespräch von den Aufgaben und Herausforderungen in der Corona-Krise. © Zelt

Birgit Strittmatter ist bereit: In das neue Jahr geht sie mit einer neuen Herausforderung. Nun koordiniert die 59-Jährige die Ehrenamtlichen in der Hospizgemeinschaft. Sie ist nicht nur Krankenschwester, sondern hat auch in einigen Hospizen gearbeitet und selbst einen Pflegedienst in Neulußheim betrieben. „Ich habe die Ehrenamtlichen in dieser Zeit sehr zu schätzen gelernt. Ohne sie würde es nicht gehen.“

So werden Betroffene in der Corona-Krise beraten und unterstützt

Die Hospizgemeinschaft ist in der Markgrafenstraße 2/9 vorläufig nur dienstags von 9 bis 12 Uhr persönlich erreichbar.

Palliative Begleitung: Seit 1996 betreut und begleitet die Hospizgemeinschaft Menschen in ihrer letzten Lebensphase und deren Angehörige durch Gespräche, Beratung oder einfach durch ihre Anwesenheit zu Hause, im Krankenhaus, sowie in Alten- und Pflegeheimen. Das ist zurzeit wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr durch das Corona Virus nur eingeschränkt und mit Schutzmaßnahmen möglich. Die Hospizgemeinschaft bietet daher zusätzlich die Möglichkeit einer telefonischen Betreuung und Begleitung.

Trauertreff: Trauernde, die mit dem Verlust eines vertrauten Menschen leben müssen, konnten bisher einmal im Monat miteinander ins Gespräch kommen. Aufgrund der aktuellen Situation findet der Trauertreff telefonisch statt. Betroffene melden sich bei Ingrid Gottfried unter Telefon 06205/53 09.

Vorsorgemappe: Diese Mappe kann telefonisch, per E-Mail oder auch vor Ort bestellt werden. Infos und Beratung – auch zu den einzelnen Formularen – werden in einem separaten Raum nach Terminvereinbarung angeboten.

Neues Gebäude: Die Verantwortlichen der Hospizgemeinschaften freuen sich über Tipps für neue Räumlichkeiten per Telefon oder E-Mail.

Kontakt: Die Hospizgemeinschaft ist online per E-Mail unter Hospizgemeinschaft@web.de oder telefonisch über 0171/858 19 87 und 06202/4 09 10 09 erreichbar. nina

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Eine palliative Begleitung findet sie wichtig „und die Qualität steigert sich immens, wenn die Ehrenamtlichen der Hospizgemeinschaft mithelfen“, sagt sie. Pflegekräfte hätten beispielsweise nicht die zeitlichen Möglichkeiten, lange bei einem Patienten zu sitzen oder sogar mit ihm spazieren zu gehen.

Leichte Entscheidung

Vorsitzender Franz Hauns habe nicht lange überlegt. „Ihre Erfahrung hat uns die Entscheidung leicht gemacht. Durch ihre Arbeit im Hospiz hatte sie bereits den Schwerpunkt auf dieser Tätigkeit – und auch mit der ehrenamtlichen Arbeit kennt sie sich aus“, erklärt er. Strittmatter wohnt in Altlußheim, ist aber schon seit Jahren mit Schwetzingen verbunden.

Als Koordinatorin folgt sie auf Claudia Dieter – und ein großer Teil ihrer Arbeit sieht so aus: Ein Angehöriger, der eine palliative Begleitung wünscht, ruft bei der Hospizgemeinschaft an. „Wir hatten letztens einen Fall, da ist der Patient freitags aus dem Krankenhaus entlassen worden und befand sich am Wochenende im freien Fall“, sagt sie.

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Dann muss Strittmatter schnell handeln. „Ich prüfe die Verfügbarkeit und welcher Ehrenamtliche passen könnte. Dann besuchen wir den Angehörigen noch mal zusammen und besprechen, wie und wann er entlastet werden kann“, erklärt sie. Beispielsweise habe eine Frau nur so ihren Physiotermin wahrnehmen können – andernfalls hätte sie ihn absagen müssen. „Wir unterstützen die Angehörigen dabei, sich und ihre Bedürfnisse nicht zu vergessen.“

Allerdings erschwert die Corona-Krise auch die Arbeit der Hospizgemeinschaft. „Viele Menschen sind nun skeptisch. Wir arbeiten natürlich viel mit Nähe. Das war ein Schuss vor den Bug für uns. Allerdings kamen viele Anfragen an Pflegeheimen auf. Dort konnten wir unter der Einhaltung des Hygienekonzepts unterstützen“, sagt Franz Hauns. Der Schwiegersohn eines nun Verstorbenen habe sich sogar extra bei der Hospizgemeinschaft gemeldet, weil sie ihn und seine Frau zum Jahresende mit der Begleitung sehr unterstützt hatten.

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„Besonders in der aktuellen Situation entscheidet jede Pflegeeinrichtung selbst, ob das bei ihnen möglich ist. Es hängt aber auch von den Infiziertenzahlen vor Ort ab“, sagt Strittmatter. Nun findet die Hospizgemeinschaft aber auch andere Wege, um für die Betroffenen da zu sein. Sie schreiben Briefe, halten Kontakt über Videoanrufe. „Eine Ehrenamtliche schickt jede Woche Blumen. Kreativität ist gerade gefragt, bis alle wieder sicher sind“

Impfung als Lichtblick

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Ein Lichtblick gebe den beiden nun die Impfung. „Hoffentlich entspannt sich dadurch bald die Lage. Viele Ehrenamtliche sind selbst in der Risikogruppe und pausieren deshalb momentan. Wir wollen Ende des Jahres auch einen neuen Kurs für Interessierte anbieten, die sich so für dieses Amt qualifizieren können“, erklärt Hauns. Dafür sei grundsätzlich jeder Mensch geeignet. Ein eigener Trauerfall sollte schon etwas zurückliegen, „sonst wird man ständig an den Schmerz erinnert und kann möglicherweise auch nicht gut für den Betroffenen da sein“, erklärt Hauns. Ansonsten sei Alter, Bildung und natürlich auch Geschlecht vollkommen gleichgültig. „Jedes Töpfchen findet sein Deckelchen“, sagt Strittmatter dazu.

Zehnmal im Jahr findet normalerweise eine Supervision statt, in der sich die Ehrenamtlichen austauschen können. Aktuell setzen diese Treffen vor Ort aus – telefonisch ist es noch möglich. Auch der Trauertreff ist momentan nur telefonisch möglich. Trotzdem sollen Betroffene keine Scheu haben, sich dort zu melden. Und auch „Hospiz macht Schule“, wo die Heranwachsenden an das Thema herangeführt werden, steht still.

„Ich hoffe, dass wir damit im viertel Quartal wieder starten können“, zeigt sich Hauns optimistisch. Viele Menschen nutzen das Angebot der Vorsorgemappe. „Das Coronavirus hat für das Thema Sterben sensibilisiert. Viele machen sich Gedanken um ihr Ende. Für diese Mappe ist auch eine Beratung vor Ort möglich – es kommt ja dann nur eine, maximal zwei Personen“, sagt er.

Nicht nur die körperliche Nähe zu den Sterbenden fehlt aktuell, auch die nur spärlich vorhandenen Räumlichkeiten erschweren die Arbeit der Hospizgemeinschaft. „Wir teilen uns gerade die Büroräume mit den Zero-Praxen, weil bei uns die Fieberambulanz im April eingezogen ist“, sagt Hauns. Er sei schon mit der Stadt in Kontakt und habe auch die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden angesprochen.

„Wir brauchen einen festen Standort, wo auch Ehrenamtliche hinkommen können. Ich arbeite gerade viel im Home Office, aber optimal ist das natürlich nicht“, erklärt auch die neue Koordinatorin Strittmatter.

Besonders mit der Hoffnung, dass das Coronavirus bald verschwindet und dann Treffen und Beratungen wieder wie gewohnt stattfinden können.

Redaktion Redakteurin für Print und Online in Schwetzingen.