Wirtschaft - Dehoga-Geschäftsführerin verlangt schnelle Hilfe Angst um Existenz

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ske
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Dass mit den Mitteln aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum, deren Bezug durch die Landesregierung gerade vereinfacht und von Minister Peter Hauk gefeiert wurde, hört sich gut an. Aber, so sagt die Geschäftsführerin vom Gaststättenverband Dehoga Baden-Württemberg, Melanie von Görtz, „es ist gerade die komplett falsche Zeit dafür.“ Die Zeichen deuteten derzeit eher auf Nothilfe im Ausnahmezustand und nicht auf Routineförderung hin. „Unsere Mitglieder sind derzeit mehr mit dem nackten Überleben, denn der Gestaltung der Zukunft beschäftigt.“ So erstrebenswert sie auch immer sei.

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Die von Mitte dieser Woche stammenden Presseerklärung aus dem Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz stößt bei der Dehoga denn auch etwas unangenehm auf. Natürlich sei das Programm, mit dem die dezentrale Struktur im Ländle erhalten werden soll, im Grundsatz gut. „Ja, sogar wichtig.“ Und dass über 100 Unternehmer für 2021 einen Förderantrag gestellt hätten, sei natürlich ebenfalls erfreulich. Doch am Ende gelte, die wenigsten Unternehmer hätten derzeit die Kraft oder überhaupt die Möglichkeit zu investieren. Bei einer Umfrage unter den rund 12 000 Mitgliedsunternehmen erklärten 75 Prozent, dass sie Existenzängste hätten und ein Viertel erwägt aktuell ganz konkret die Schließung.

Angesichts „dieser dramatischen Lage“ bräuchten die Unternehmer in Gastronomie und Hotellerie andere Hilfe. Von Görtz will nicht missverstanden werden. Mehrfach betonte sie den Sinn des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum. Auch in ihren Augen ein unverzichtbares Instrument, um lebendige Gemeinschaften jenseits der Metropolen zu erhalten. Doch für deren Erhalt bedarf es derzeit eher ein beschleunigtes Verfahren für die Auszahlung von November- und Dezemberhilfen.

„Kosten laufen davon“

Auch über Fördermöglichkeiten für Januar und wahrscheinlich Februar solle dringend nachgedacht werden. Aktuell stünde die Auszahlung der Novemberhilfen an und es sei schon Januar. „Die Kosten laufen nicht wenigen unserer Mitglieder davon.“ Ebenfalls wichtig sei die Herstellung von mehr Planbarkeit. Dieses Verschieben von Woche zu Woche und das öffentliche Spekulieren über einen Lockdown bis nach Ostern sei aus Unternehmersicht, höflich formuliert, kaum zielführend. „Die Lage ist alarmierend. Es hat noch nie so schlimm ausgesehen und viele brauchen wirklich Hilfe.“ Aber das scheint noch nicht überall in vollem Umfang angekommen zu sein. ske