Die Schlossplatzimkerin: über ihr Hobby, die Herstellung von Honig und das Bienensterben / Was jeder Einzelne für Bienen tun k - Franca Brunnert erzähltann Bienenliebe vom Urgroßvater geerbt

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Marvin Rybienik
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Franca Brunnert präsentiert glücklich einen Rahmen mit Bienenwaben. Den Besen verwendet sie, um den Rahmen sanft von den Insekten zu befreien. © rybienik

„Mein Urgroßvater war Imker, ich habe ihm als Kind zugehört, wie er von seinen sechs Völkern erzählt hat, und war sofort begeistert davon. Diese Faszination spüre ich heute noch.“ Die Schwetzinger Schlossplatzimkerin Franca Brunnert erklärt stolz, wie ihr Interesse für dieses außergewöhnliche Hobby geweckt wurde. Die medizinisch-technische Assistentin wurde wieder auf Bienen aufmerksam, als ihre Tochter 2007 die fünfte Klasse der Freien Waldorfschule und die zugehörige Imker-AG besuchte, die dringend Hilfe der Eltern benötigte, woraufhin Franca Brunnert einsprang.

Schlossplatzimkerin Die Biene - mehr als nur Honig

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Ursprünglich galt es dort nur, den eigenen Wissensdurst zu stillen, der so lange in ihr geschlummert hatte, und dabei zu helfen, die kleinen Honigsammler der Schule zu hüten sowie den interessierten Nachwuchsimkern etwas über das Themengebiet beizubringen. Um ein Bienenvolk erfolgreich vermehren zu können, muss das neue Volk mindestens drei Kilometer vom alten Stand entfernt sein. Auf die Frage des Verantwortlichen für die Imker-AG hin, ob sie sich vorstellen könnte, die Völker bei sich zu Hause in der Carl-Theodor-Straße zu vermehren, sagte die werdende Imkerin sofort ja.

Das können Sie zu Hause für die Bienen tun

Bienenpate werden und Initiativen zur Bienenrettung wie das „Bienenretter Bildungsprojekt“ unterstützen: www.bienenretter.de/pate/

Bienenfreundliche Pflanzen setzen wie Löwenmäulchen, Phlox, Flockenblume, Malve, Schleifenblume und Vergissmeinnicht.

Kräuter für den Balkonkasten: Bohnenkraut, Borretsch, Minze, Salbei, Schnittlauch, Thymian, Ysop und Zitronenmelisse.

Ungenutzte Grünflächen in einheimische Wildblumenwiesen verwandeln: Hierfür eignen sich: Krokus, Winterling, Blaustern, Christrose und Märzenbecher aber auch Gehölze, wie zum Beispiel Kornelkirsche oder Liguster und Beerensträucher (Himbeere, Brombeere). Zudem sind Obstbäume, wie Linde, Ahorn, Kastanie oder Vogelbeere sehr beliebt.

Nistmöglichkeiten – Insektenhotels – schaffen und diese Richtung Südost ausrichten, sodass ein optimales Sonne-Schatten-Verhältnis entsteht.

Sollte man das Imkern doch mehr als eine Berufung betrachten, steht auch dem eigenen Bienenstock nichts mehr im Wege. Mit einigen Kursstunden kann man das Imkern erlernen, um nichts mehr falsch zu machen: www.stadtbienen.org/imkerkurse/mannheim/

Bienen kommen sogar auf Großstadtdächern oder dem Fensterbrett des 13. Stocks zurecht. Zum Beispiel die Initiative „Deutschland summt“ trägt zu dem Trend der Großstadtimker bei und immer mehr Leute legen sich ein „winziges Stück nachhaltige Entwicklung“ zu, um die Welt anhaltend zu verbessern. Kontakt, Telefon 030/39 40 64-310, E-Mail: info@deutschland-summt.de mav

„Anfangs hatte ich nur zwei Völker“, berichtet sie, „aber ich war immer mehr beeindruckt von den Leistungen der Bienen“. Daraufhin entschied sie sich, mehr Verantwortung zu übernehmen und ihre Stände zu vergrößern. Heute leben in ihrem Garten elf Bienenvölker der sogenannten „Mellifera“-Gattung. Sieben davon sind Arbeitsvölker, die bis zu 150 Kilogramm Honig produzieren und um die 60 000 Honigbienen pro Volk umfassen können.

Vier ihrer Stöcke dienen momentan der Vermehrung. Wenn sich die Bienen in der sogenannten Schwarmstimmung befinden, liefern sie noch so lange Honig, bis eine neue Königin aus ihrer Zelle schlüpft. Anschließend teilt sich das Volk auf, um auszuschwärmen und einen neuen Standort zu finden. „Mit all diesen Völkern bin ich aber am Rande meiner Kapazität, es ist phasenweise eine wirklich zeitaufwendige und anstrengende Arbeit“, fügt sie ergänzend hinzu. Aber trotzdem mache es viel Spaß und man bekomme so auch sehr viel zurück. „Leider muss ich mich schon bald schweren Herzens von meinen Bienen trennen“, erklärt die Imkerin im Gespräch. Einen Abnehmer habe sie schon. Auf dem Weihnachtsbasar des Waldorfkindergartens zwischen Mitte und Ende November wird sie ihren Honig aber noch einmal unter dem Namen „Schlossplatzimkerin“ verkaufen.

Verstummendes Summen

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„Die Honigbiene ist ein so unglaublich nachhaltiges Lebewesen, denn alles Notwendige produziert ihr Volk selbst. Sie schadet weder einem anderen Tier noch einer Pflanze. Nicht zu vergessen, dass sie nebenbei durch die Bestäubung der Nutzpflanzen auch einen enormen Beitrag zu den Nahrungsmittelbeständen der Menschen leistet“, sagt Franca Brunnert über die ökonomischen Bedeutung der Biene. Anhand von Studien des UN-Weltrats für Biologische Vielfalt könne man erkennen, dass die Menschen von den Bienen als Nutztier abhängig sind. Durch die bauliche Ausbreitung werden anhaltend Lebensräume zerstört, die Monokulturen auf den Feldern verhindern eine Variation an verschiedenen Blütensorten und somit auch ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot für alle Bestäuber. Ein zu geringes Nahrungsangebot für die Bienen bedeutet auch Konsequenzen für unsere Nahrungsmittelsicherheit, denn einige Pflanzenarten sind wiederum von der Bestäubung gewisser Bienenarten abhängig. Stirbt eine Bienenart aus, stirbt mit ihr auch die zugehörige Pflanzenart.

Als „die mit Abstand größte Tragödie“ bezeichnet Franca Brunnert aber „die Verwendung von Insektiziden, weil sie den Orientierungssinn und die Kommunikationsfähigkeit der Bienen beeinträchtigen“. Zweimal hat sie bisher erleben müssen, dass eines ihrer Völker (bis auf die Larven) vom einen auf den anderen Tag verschwunden und gestorben ist, weil es höchstwahrscheinlich mit den giftigen Pestiziden in Kontakt kam. Wenn eine einzige Person aus einer kleinen Gemeinde berichten kann, dass etwa 100 000 Bienen plötzlich „verschwunden“ sind, kann man nur vage erahnen, wie sich dieses Problem weltweit auswirkt: Das Summen auf unseren Wiesen verstummt allmählich.

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In Nordamerika existiert ein Phänomen mit dem Namen „Colony Collapse Disorde“ (Koloniekollapsstörung), bei dem das genannte „Verschwinden“ der Bienen festgestellt wurde. Es sollen ganze Landstriche bienenfrei sein. Das Schlimmste daran ist wohl, dass den Hauptverantwortlichen gar nicht bewusst ist, wie groß der entstandene Schaden tatsächlich ist. Fest steht jedenfalls, dass es höchste Zeit wird, kleine Schritte in eine nachhaltige Richtung zu gehen und die Güter des Planeten als endliche Ressourcen zu betrachten.

Nahrungsvorräte anlegen

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Der Arbeit der Schlossplatzimkerin und den zahlreichen, summenden Helfern ist sicher auch Schwetzingens Blütenpracht zu verdanken. Doch es sind einige Schritte notwendig, um aus dem Nektar einer Blume das süße Gold zu gewinnen. Der Imker trennt den Bienenstock durch Absperrgitter in zwei Teile auf, sodass man die Königin im unteren Teil – zum Brüten – einquartiert. Der obere Teil wird von den Arbeitern dann als Vorratslager, rein für den Honig, verwendet. Die Bienen tragen das Material, nachdem sie genug gesammelt haben, in ihrem Inneren – genauer gesagt in ihrer „Honigblase“ – wo dem Nektar Enzyme hinzugefügt und Flüssigkeit entzogen werden. Anschließend wird das Produkt in die Waben gefüllt und diese werden mit Wachs versiegelt.

Ungefähr bis Ende August werden die Rahmen mit den fertigen Waben vom Imker entnommen und durch neues Rohmaterial für den Bau ersetzt. Halb so schlimm für die Bienen, solange ihnen anschließend Zuckerwasser gegeben wird, um ihre Nahrungsvorräte für den Winter anzulegen. Für das Rohmaterial der Waben nimmt Brunnert übrigens immer das eigene Wachs, das nach der Trennung vom Honig übrig bleibt. „Es war uns immer sehr wichtig, dass es auch von uns ist, obwohl das mit mehr Kosten verbunden ist. Dafür aber nachhaltig!“, merkt die Schwetzingerin an, die bei der Arbeit mit den Bienen schon einige Male gestochen wurde. „So etwas nimmt man aber in Kauf“, meint sie lachend.

Das Trennen des Honigs von den Waben nennt man „Schleudern“, hierfür muss ein Imker zuerst Wabe für Wabe „entdeckeln“ – das heißt, ihr Verschluss wird geöffnet. Die nun zugänglichen Waben werden dann in eine Trommel mit Handkurbel (vergleichbar mit einer Trommel für Salat) gegeben. „Somit kann der Honig vom Wachs getrennt und abgefüllt werden“, erklärt Brunnert. Nach all dieser Zeit hat die Imkerin ihrem Urgroßvater mit diesem Hobby wohl alle Ehre gemacht und darf von sich selbst behaupten, dass sie ihren Wissensdurst zum Thema gestillt hat.

Info: Weitere Bilder gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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