Franz-Danzi-Saal

Bildung trägt in der Musikschule Schwetzingen wohlklingende Früchte

Die Musikschüler der Leistungsklassen gestalten im Franz-Danzi-Saal des Schwetzinger Kulturzentrums ein hochklassiges Konzert an verschiedenen Instrumenten.

Von 
Viktoria Linzer
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Su-Yeon Yang begleitet am Klavier Sebastian Conrad, der seinem Violoncello wunderbare Töne entlockt. © Linzer

Im Franz-Danzi-Saal des Kulturzentrums Schwetzingen durften die fleißigsten und begabtesten Musikschüler auftreten. Musikschulleiter Philipp Wolfart freute sich, dass das Konzert in dieser Form zum ersten Mal seit 2019 wieder stattfinden konnte und wünschte den Teilnehmenden viel Erfolg, gutes Gelingen, aber auch viel Spaß auf der Bühne.

Diese betrat als Erster Finlay Carey. Am Flügel bewegten sich seine Finger zum motorischen Stück von Louis-Claude Daquin „Le Coucou“ und wiederholten das immer wiederkehrende Motiv des Kuckucks in verschiedenen Facetten. Man blieb in der Epoche des Barock auch beim nächsten Auftritt und dem fein dargebotenen Allegro der Sonate F-Dur von Georg Friedrich Händel. Besonders überzeugend war der Auftritt durch die historische Besetzung mit Blockflöte und Cembalo, der im Duo mit Katharina Osberghaus und Elena Spitzner erklang. Spitzner war wie immer mehrmals als Klavierbegleitung zu hören und auch andere Lehrer wie Birgit Amail-Funk, Eunkyung Kim und Su-Yeon Yang taten ihr Bestes, um den Protagonisten des Abends einen gelungenen Auftritt zu ermöglichen.

Die Bühnenerfahrung ist ein wichtiger Teil der musikalischen Ausbildung wie Musikschulleiter Wolfart betont: „Die öffentlichen Musikschulen haben sich auf die Fahne geschrieben, von der Breite bis zur Spitze musikalische Bildung für alle anzubieten. Mit diesem Konzert wurde den musikalisch herausstechenden und sich mit ihrem Instrument und der Musik gründlich auseinandersetzenden Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit gegeben, sich in einem Konzert der Öffentlichkeit zu zeigen. Auftrittslernen ist ein wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzepts öffentlicher Musikschulen.“

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Die nächsten zwei Beiträge führten in die Epoche des Barock und zu Wolfgang Amadeus Mozart. Anouk Wessels sang mit klarer Stimme und viel Ausdruck das Stück mit dem ungewöhnlichen Titel „Als Louise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“, während Nalani Zippel sich an die berühmte Arie des Cherubino aus „Die Hochzeit des Figaro“ herantraute.

Miriam Kampmann hatte Gefallen am nasalen Klang der Oboe gefunden und überzeugte auch das Publikum von der Schönheit des Instruments mit dem Allegro aus dem Concerto F-Dur von Franz X. Richter. Ging es bisher sehr klassisch zu, präsentierte Yui Matsushita ein Klavierstück, das ohne Weiteres aus einem Film stammen könnte: Intermezzo No. 1 von Manuel Ponce ist ein Stück, das Spielerin und Publikum gleichermaßen Freude brachte.

Nach einer dramatischen Einleitung am Klavier durch Su-Yeon Yang setzte Sebastian Conrad mit tiefen, kraftvollen Tönen am Violoncello an. Das Cellokonzert d-Moll von Edouard Lalo schien dem jungen Künstler mit seinen technischen Herausforderungen nichts anzuhaben. Vielmehr konzentrierte sich Sebastian auf einen intensiven und schönen Celloklang, den es sonst nur bei erwachsenen Interpreten zu hören gibt, zu denen er sich nun sicherlich zählen darf. Technische Herausforderungen stellte auch der Komponist Franz Liszt stets an seine Spieler. So meisterte Fumiya Matsushita Sprünge und Läufe im hinreißenden „Liebestraum“. Gut artikuliert und zugleich rührend war der Gesang von David Burik, der sich mit Johannes Brahms an einen anderen großen Komponisten der Romantik herantraute. Janis und Laurin Stieger lieferten ein sehr harmonisches Bild auf der Bühne ab. Das ist der Vorteil, wenn in der Familie gemeinsam musiziert wird: Es kann jederzeit geprobt werden und jeder kann mit „seinem“ Instrument glänzen – so Janis mit der Geige und Laurin am Klavier im wunderschönen „Caprice Viennois“ von Fritz Kreisler.

Kenno Recker beeindruckt

Den Höhepunkt des Abends lieferte Kenno Recker mit einem Instrument, das dank seiner Darbietung viel Interesse beim Publikum hervorgerufen hat. Das Englischhorn gehört zur Familie der Oboeninstrumente, klingt aber tiefer, was in der Sonate f-Moll von Carlo Yvon seinen besonderen Charme entfaltete, bestimmt dank des Könnens von Kenno Recker.

Fragt man den neuen Musikschulleiter Philipp Wolfart, der seit Oktober das Amt innehat (wir berichteten), welcher Beitrag ihm am meisten gefallen hat, so zeigt er sich begeistert von jedem einzelnen: „Mir gefällt, dass sich die Jugendlichen trauen, auf einer Bühne fortgeschrittene Musik aufzuführen. Das erfordert schon etwas Mut, das Lampenfieber zu überwinden. In jedem Beitrag hat man hören können, wie die Schülerinnen und Schüler die Musik auf ihre Weise interpretieren und sich von den technischen Herausforderungen, ein Instrument zu spielen, lösen. Aus dieser Perspektive habe ich nicht darauf geachtet, welcher Beitrag mir am besten gefallen hat, mir gefällt einfach zu hören, wie musikalische Bildung Früchte trägt.“

Den Herausforderungen der Zukunft sieht Wolfart trotz Fachkräftemangels an Musikschulen optimistisch entgegen. Ein wichtiger Schritt dahin, den er sich für die Zukunft der Musikschulen wünscht, lautet: „Eine Landesförderung, die die öffentlichen Musikschulen bei ihrem Bildungsauftrag unterstützt, ist für die Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen ein sehr wichtiger Punkt. Für unsere Musikschule wünsche ich mir, der Nachfrage unserer Mitgliedsgemeinden gerecht zu werden und möglichst unablässige Motivation bei unserer Arbeit.“ Die Motivation der bisherigen Arbeit konnte beim Konzert der Leistungsklassen hörbar erfahren werden.