Im Interview Brokowski-Shekete arbeitet an Fortsetzung ihres Bestsellers

Die frühere Hildaschulrektorin Florence Brokowski-Shekete hat mit ihrer Biografie großen Erfolg. Im Interview  erzählt sie von ihren nächsten Plänen.

Von 
Jürgen Gruler
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Die frühere Rektorin der Schwetzinger Hildaschule Florence Brokowski-Shekete in der NDR Talkshow im Gespräch mit Moderatorin Barbara Schöneberger. © NDR/Uwe Ernst

Schwetzingen/Mannheim.. Mit einem Interview und einer Buchbesprechung in der Schwetzinger Zeitung hat die mediale Präsenz angefangen. Ein Podcast beim Mannheimer Morgen, der Auftritt in der Landesschau beim SWR, danach dann Auftritte bei der Talkshow des NDR und inzwischen Interviews in zahlreichen Zeitschriften und großen Tageszeitungen folgten auf den Fuß. Inzwischen ist Florence Brokowski-Shekete bundesweit bekannt und ihr Buch „Mist, die versteht mich ja! Aus dem Leben einer Schwarzen Deutschen“ aus dem Orlanda-Verlag in der Bestsellerliste des Spiegels im Bereich Sachbuch Paperback auf Platz vier gelandet.

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Die frühere Rektorin der Schwetzinger Hildaschule erzählt vor allem über die Zerrissenheit der Kindheit eines dunkelhäutigen Mädchens in der spießbürgerlichen bundesdeutschen Gesellschaft der 1970er Jahre, aber auch von großen Differenzen, die es bei einer Rückkehr der Eltern in deren Heimatland Nigeria erlebt hat und welche eigenen Befreiungsschläge sie brauchte, um heute ein selbstbewusstes und freies Leben in der Metropolregion führen und als Oberschulrätin arbeiten zu können.

Zur Person und zum Buch

Florence Brokowski-Shekete ist in Hamburg als Kind nigerianischer Eltern geboren und wächst bei einer deutschen Frau auf.

1992 schließt sie ihr Studium an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg mit dem ersten Staatsexamen ab, macht am Studienseminar Heppenheim das zweite Staatsexamen.

Nach Lehrer- und Beratertätigkeiten wird sie 2007 Rektorin der Hilda-Werkrealschule in Schwetzingen. Seit 2013 ist sie Schulrätin in Mannheim, im April 2020 erfolgt die Ernennung zur Schulamtsdirektorin.

1997 gründete sie die Agentur FBS intercultural communication, in der sie als freie Beraterin und Trainerin Kommunikation, Führungskräfteentwicklung und kulturelle Sensibilisierung als Themenschwerpunkte hat. 2018 wurde das Angebot um ehrenamtliche Projekte für Kinder und Jugendliche ergänzt.

Das Buch „Mist, die versteht mich ja!“ ist im Orlanda-Verlag erschienen, hat 240 Seiten, ist mit Kinderbildern angereichert, kostet 22 Euro. jüg

Wir haben mit Florence Brokowski-Shekete über den großen Erfolg ihres Buches und ihre neuen Erlebnisse im Fokus der Medien gesprochen. Und wir haben mal nachgefragt, ob sie schon eine Fortsetzung in Arbeit hat.

Ihr Buch verkauft sich wie geschnitten Brot. Wie viele Exemplare sind schon weg?

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Florence Brokowski-Shekete: Dankeschön! Die genaue Anzahl kann ich gar nicht sagen. Jedoch wurde gerade die fünfte Auflage in den Druck gegeben.

Haben Sie das vorher geglaubt?

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Brokowski-Shekete: Natürlich hatte ich gehofft, dass mein Buch auf eine breite interessierte und geneigte Leserschaft trifft. Damit, dass es auf die Spiegel Bestsellerliste kommt, hätte ich wirklich nicht gerechnet und das freut mich riesig. Von dieser Wertschätzung bin ich ganz überwältigt.

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Welche positiven Reaktionen haben Sie auf das Buch bekommen?

Brokowski-Shekete: Ich erhalte sehr viele Zuschriften per E-Mail, aber auch handschriftliche Briefe, manche Leute rufen sogar an. Die Leserinnen und Leser schreiben mir, dass sie das Buch berührt, sie den Humor zwischen den Zeilen lieben, sie die positive Lebenseinstellung und Leichtigkeit trotz der Lebensgeschichte anspricht und diese ihnen viel Mut macht. Sie mögen es, dass das Buch neben meiner Lebensgeschichte ein sehr verbindendes Element hat, in Bezug auf das Thema Diversität und Alltagsrassismus.

Gab es auch negative Kommentare oder gar rassistische?

Brokowski-Shekete: Wie gesagt, ich erfreue mich einer interessierten und geneigten Leserschaft. Menschen, die die Thematik überhaupt nicht interessiert, werden mein Buch, so denke ich, gar nicht erst kaufen.

Sie waren ja bisher in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend. Wie war es da, plötzlich in Fernsehstudios zu sitzen?

Brokowski-Shekete: Naja, mein erster Fernsehauftritt war ja 1989, von daher ist es für mich nicht ganz neu. Es macht mir riesigen Spaß.

Was haben Sie denn bei den Talk-Shows und Landesschauen so erlebt?

Brokowski-Shekete: Die Gespräche vor und hinter der Kamera waren alle durchweg unglaublich interessant und offen. Gefreut hat mich auch der Austausch mit den anderen Gästen, sofern welche dabei waren. Fast hätte ich es zu meinen Auftritt bei der NDR Talkshow nicht geschafft, weil der ICE mitten auf der Strecke kurz vor Kassel eine Störung hatte und nicht weiterfuhr. Ich hatte mir schon ausgemalt, wie ich mich irgendwo umziehen würde und dann verspätet in die Sendung laufe, bevor ich dann erfuhr, dass kurzfristig ein anderer Zug zum Einsatz kam. Zum Glück hatte dann alles noch rechtzeitig geklappt. Besonders nett war der Austausch mit den Schauspielern Stephanie und Wolfgang Stumph, die ich an dem Abend kennenlernen durfte. Lampenfieber habe ich keines, nur eine gesunde Anspannung, gemischt mit sehr viel Vorfreude. Natürlich war es auch toll, die Moderatoren der unterschiedlichen Sender kennenzulernen. Besonders lustig war die Begegnung mit Thorsten Otto von Bayern 1 zur Sendung „Die blaue Couch“. Dass es lustig war, konnte man sogar in in der Radiosendung sehr gut hören.

Eigentlich müssten Sie ja längst auf einer ausgedehnten Lesereise sein. Kann man das digitalisieren?

Brokowski-Shekete: Ja, auf die Lese-reisen hatte ich mich auch sehr gefreut. Leider ist es derzeit aufgrund der Pandemie so nicht möglich. Im Moment laufen einige digitale Veranstaltungen, was eine gute Alternative, aber kein Ersatz ist. Ich freue mich sehr darauf, hoffentlich bald Lesereisen antreten und in den persönlichen Austausch mit der Leserschaft gehen zu können.

Was ist das Schönste an der neuen Bekanntheit? Was nervt?

Brokowski-Shekete: Also nerven tut mich nichts. Das Positive ist, dass ich durch meine Bekanntheit zu bestimmten Themen wie Diversität und Alltagsrassismus angefragt werde und hier unterstützend und beratend tätig sein kann. Viele Menschen fühlen sich empowert, was sehr schön ist.

Arbeiten Sie am zweiten Buch oder war das eine einmalige Sache?

Brokowski-Shekete: Wie heißt es so schön: „Nach dem Buch, ist vor dem Buch.“ Ja, ich arbeite derzeit an meinem nächsten Buchprojekt, freue mich auf den angelaufenen Entstehungsprozess und auf die wunderbare weitere Kooperation mit dem Orlanda-Verlag Berlin.

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Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.