Tierischer Begleiter - Schulhündin seit zehn Jahren im Dienst – und das wird zelebriert / Es gibt sogar eine Urkunde von der Schulleitung Dackel „Lilli“ ist jetzt ein Lama

Von 
Janina Hardung
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„Lilli“ flitzt aufgeregt durch das Klassenzimmer der beruflichen Orientierung in der Schule. Dabei fliegt der bunte Luftballon, der am Hals des Rauhaardackels befestigt ist, wild umher. Eine große Zehn ist darauf zu lesen – so lange ist „Lilli“ schon als Schulhündin im Dienst. „Ich habe unsere Schulleiterin von der Comenius-Schule, Eleonore Frölich, angesprochen, sie hat mich von vornherein unterstützt. Dann musste ich es auf verschiedenen Konferenzen vorstellen – und schon durfte ,Lilli‘ ihren Dienst mit acht Wochen hier antreten“, erklärt Lehrerin Stefanie Herzog den Anfang den mittlerweile berühmten Schulhundes in Schwetzingen.

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„Lilli“ habe zu vielen Lehrern und Schülern ein enges Verhältnis. „Wenn sie mal nicht da ist, dann fällt das auf“, sagt Frölich und Herzog fügt noch hinzu: „Dann muss sie übrigens auch eine Krankmeldung abgeben, die gibt’s vom Tierarzt. Allerdings war sie in den vergangenen Jahren seltener krank als ihr Frauchen.“

Zu ihrer Geburtstagsparty, die vor dem Corona-Lockdown gefeiert wurde, bereiteten die Schüler der beruflichen Orientierung ein Frühstück vor. Sogar der ehemalige Schüler Fabian ist zum Gratulieren gekommen. „Ich kenne sie seit der ersten Klasse und bin sogar Namensgeber. Das zweite ,i‘ hat sie nämlich durch mich“, erklärt er und zeigt sein persönliches Fotoalbum mit Erinnerungen an die Hündin. Auch Lia schätzt die Hundedame sehr. „Sie sorgt dafür, dass es im Klassenzimmer nicht zu laut ist“, sagt sie und Herzog ergänzt: „Wir haben eine Lärmampel. Wenn es mir zu laut ist, interessiert es die Schüler allerdings nicht so sehr, wie wenn es für ,Lilli‘ zu laut ist. Da sind sie dann schnell wieder ruhig.“

Zum Dienstjubiläum bekommt „Lilli“ nicht nur Leckerlis, Kauknochen und Krauleinheiten geschenkt, auch ein Mausebär – „Lillis“ Spitzname vom Frauchen – wird von der Lehrerin Carina Wittmann überreicht. Wittmann hat „Lilli“ während einer Hundestunde kennengelernt. „Stefanie Herzog ist zu uns in den Unterricht gekommen und hat erklärt, wie man mit einem Hund umgeht“, sagt sie. Bei ihrer Hochzeit war sie dann schließlich auch eingeladen. Die Rauhaardackel-Dame hat übrigens nicht nur eine Haftpflichtversicherung, sondern sich in ihrer Dienstzeit auch fortgebildet. „Schulhunde müssen ein spezielles Wesen haben. Und sie erträgt einen sehr hohen Stresspegel“, erklärt Herzog.

Sie liebt Aufmerksamkeit

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Comenius-Schulleiterin Eleonore Frölich geht sogar noch weiter: „Beim Adventskreis im Winter saßen etwa 70 Schüler zusammen. Da hat ,Lilli‘ jedes Kind und jeden Jugendlichen einzeln begrüßt. Ich habe das Gefühl, umso mehr Menschen um sie herum sind, umso besser geht es ihr.“ Das macht sich auch bei ihrer Feier bemerkbar. Die Aufmerksamkeit von ihren Gästen kostet sie die ganze Zeit aus.

Eine spezielle Rasse habe Herzog für die Arbeit an der Schule nicht ausgesucht. „Das Gute an ihr ist aber, dass sie nie größer ist, als ein Schüler. Selbst die Erstklässler fühlen sich deshalb wohl bei ihr“, sagt Herzog. Die Schüler schätzen „Lilli“ so sehr, dass sie jetzt sogar im Werkunterricht eine Hundehütte bauen. „Meine Freundin, die in einer Bank arbeitet, hat übrigens gesagt: ,Bei uns wäre ,Lilli‘ zum ,Lama‘ (langjährige Mitarbeiterin) ernannt worden.‘ Das finde ich super – und die Schüler auch. Der erste Schulhund, der zum Lama wird“, sagt Herzog.

Redaktion Redakteurin für Print und Online in Schwetzingen.