Romandebüt: Der gebürtige Schwetzinger Herbert Kollenz präsentiert Erstling "Marmotta" Der Professor und die junge Studentin

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Ralph Adameit

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Einen prominenten Fan hat Herbert Kollenz bereits. "Ingrid Noll hat mir gesagt, dass ich besser schreibe als sie", berichtet der Heidelberger stolz. Ihr Wort hat Gewicht, schließlich gilt die spätberufene Schriftstellerin als als eine der erfolgreichsten zeitgenössischen deutschen Krimiautoren. Auch Herbert Kollenz (59) hat erst in reiferen Jahren zum Schreiben gefunden. Der gebürtige Schwetzinger präsentiert am morgigen Donnerstag auf der Buchmesse Leipzig seinen Erstling "Marmotta".

Der Roman erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen einer jungen Italienerin und ihrem Hochschullehrer. Er ist 30 Jahre älter als sie, doch beide verlieben sich schon bald nach dem ersten Kontakt ineinander. Warum, weiß die männliche Hauptfigur selbst nicht so genau. "Er will nur verstehen, warum diese junge Frau diesen alten Mann will", schreibt Kollenz. Namen tauchen nicht auf, stets ist von "er" und "sie" die Rede. Die Idee zum Plot kam Kollenz, der in Eppelheim seine Jugend verbracht und in Heidelberg Abitur gemacht hat, durch die Geschichte eines Heidelberger Musikers, der mit einer ehemaligen Studentin zusammen ist. Sagt er zumindest.

Autobiografische Züge

Doch der Roman trägt auch autobiografische Züge. Der Autor ist selbst mit einer deutlich jüngeren Frau verheiratet, die wie die Romanfigur aus Italien stammt. Kollenz lebt heute in Heidelberg und ist Lehrbeauftragter am Internationalen Studienzentrum der Universität. In seinem Romandebüt präsentiert er sich als exzellenter Beobachter mit Beschreibungen im Stile eines Siegfried Lenz. Freilich mit anderen Mitteln und einem gänzlich anderen Sujet. Kollenz schreibt über die Liebe eines Paares, das im normalen Leben ob des großen Altersunterschieds auf Skepsis stoßen dürfte. Dass sie kein Altersliebespaar sein können, wissen beide. "Mir ist egal, wie alt du bist. Doch manchmal, wenn du aus dem Hause bist und ich an dich denke, werde ich traurig; denn ich werde viele Jahre noch leben müssen ohne dich", sagt "Marmotta" (Murmeltier) zu ihrem Schatz.

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Kollenz will aufzeigen, dass Liebe keine Frage des Altersunterschieds ist. Es gelingt ihm dank seiner Beschreibungsgabe und nicht zuletzt auch wegen des natürlichen Einbindens der Sexualität. Eingepackt in die Handlung sind immer wieder lesenswerte kleine philosophische Exkurse. Störend für den Lesefluss wirken dagegen die vielen in den Dialogen eingestreuten italienischen Vokabeln, die wohl die kleine Sprachbarriere symbolisieren sollen.

Das große Problem des Liebespaares ist der kulturelle Hintergrund von "Marmotta", die aus Sizilien stammt. Sie hat ihrer Familie noch nichts von der Liebesbeziehung erzählt - Eltern können nur schwer einen mit ihnen gleich alten Partner der Tochter akzeptieren. "Er ist eine zu große Bedrohung für ihre Elternmacht", erklärt er ihr. Im zweiten Teil des Romans ("Der Egoismus des Schlafs") fliegen beide in ihre Heimat. Als sie ihm die Orte ihrer Jugend zeigt, "verbrennt" er jedoch, da er die Hitze der Insel und ihre Jugend nicht erträgt - es kommt zur Trennung . . . "In der Liebe kann der Mensch so einsam wie im Tod sein", sagt Kollenz über sein Romanmotiv.

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Ende 2006 fing er mit dem Verfassen von "Marmotta" an, im April 2008 begann die Suche nach einem Verlag. Beim Leipziger Erata-Verlag (Kollenz: "Das ist kein Autorenselbstverlag, ich habe einen normalen Schriftstellervertrag.") wurde sein Manuskript angenommen. Morgen stellt er auf der Leipziger Buchmesse sein Romandebüt vor.