Karsten Huffstadt diskutiert mit Lehrern Die positiven Seiten des digitalen Lernens im Blick

Von 
Birgitt Schillinger
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„Das Glas ist halb voll – der Fernunterricht ist nicht nur schlecht, sondern hat auch Vorteile“, sagt Prof. Karsten Huffstadt und sprüht vor Optimismus, Ideen und einer positiven Einstellung zum Online-Lernen. Der Plankstadter Vater von vier Kindern ist Professor für Wirtschaftsinformatik in Würzburg. Seine Spezialgebiete sind mobile Systeme (Apps und App-Design), Wissenschaftstheorie und Philosophie. In der Forschung beschäftigt er sich mit der Interaktion zwischen Mensch und Maschine.

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Da er nun fast ein Jahr lang Erfahrungen in der Online-Lehre sammeln konnte, hatte er dem Kollegium des Hebel-Gymnasiums einen Gedankenaustausch angeboten. Drei seiner Kinder sind am Hebel: „Da sehe ich, dass es erstaunlich gut läuft!“ In einer Online-Sitzung mit den Lehrkräften berichtete der Experte aus seiner Lehre. Die Vorbereitung für den Fernunterricht sei deutlich aufwendiger: „Das muss perfekt durchgetaktet sein. Aber es lohnt sich!“ Das Feedback sei in vielen Aspekten positiv. Studierende, die vorher gut selbstorganisiert waren, kämen mit der Distanzlehre besser zurecht. Der Professor ist begeistert, wie effektiv das Arbeiten sein könne. Sein Seminarunterricht nutzt die Idee des „Inverted Classroom“: Die Studierenden eignen sich das reine Wissen zunächst selbstständig an, dann wird in Kleingruppen von vier bis fünf Personen eine Frage vertieft. Huffstadt besucht virtuell die „Räume“, lässt sich Zwischenergebnisse präsentieren, statt vor einer großen Gruppe zu dozieren. „Die Studierenden leisten teils mehr als bei einem Präsenzseminar.“

Um das digitale Lernen als Chance zu sehen, sollen die Rahmenbedingungen stimmen. Huffstadt hat Anregungen und Tipps, die auch für Gymnasialschüler gelten: „Investiere in ein Headset, das kannst du auch später gebrauchen.“ Und er empfiehlt: „Gestalte zu Hause deine Lernumgebung passend, dann kannst du dich auf den Unterricht fokussieren, sogar besser als bei Präsenzlehre.“

Natürlich fehlen die sozialen Kontakte, Flur- und Pausengespräche. Als kleinen Ausgleich bietet der Professor „offene“ digitale Räume zum Austausch an. Hier können sich Studierende abends treffen. Anstelle von Klausuren werden bei ihm Portfolios benotet. Manch einen Vorteil des digitalen Lernens werden die Universitäten auch in Zukunft übernehmen.