Kinderbetreuung - Es gibt nur wenige Plätze über die Notbetreuung hinaus / Unser Artikel löst „Run“ aus Einige Familien werden auf der Strecke bleiben

Von 
Stefan Kern
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Die Plätze für die Kinderbetreuung sind limitiert. Nicht für alle Kinder wird es hier eine Lösung geben. Symolbild: dpa © Jens Büttner

Die Zahl der Kinder, die bei der erweiterten Betreuung in Krippen und Kindergärten ab Montag zum Zuge kommen, wird sehr klein sein. Davon ist Roland Strieker, Leiter des Amtes für Familien, Senioren, Kultur und Sport, überzeugt. Die Informationen zu den Plänen für die erweiterte Betreuung bis zu 50 Prozent der eigentlichen Kapazitäten (wir berichteten) lösten einen kleinen „Run“ auf diese Notplätze aus. Viele Eltern, die die Kriterien für die Notbetreuung erfüllten und damit ein Anrecht auf einen Platz hätten, würden ihren Bedarf anmelden, womit sie unbeabsichtigt die Aussichten anderer Eltern und Kinder auf einen Betreuungsplatz schmälerten.

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Für Strieker im Rathaus, aber auch für die Beschäftigten in den Kindergärten ist dies eine äußerst unbefriedigende Situation. Gefesselt zwischen den Corona-Verordnungen des Landes und den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Eltern gebe es null Spielraum. Verzweiflung ist kein Wort, das dem Mann leicht über die Lippen kommt. Doch in diesem Dilemma sei Verzweiflung eine zumindest nachvollziehbare Reaktion. Aber dies führe nirgends hin und so arbeiteten Strieker sowie die Teams der zwölf Kindergärten unverdrossen an der bestmöglichen Lösung. Wobei es sich fast verbietet, von bestmöglich zu reden.

Hoffen auf Verständnis

In normalen Zeiten werden in den hiesigen Kindertagesstätten 169 Kinder unter drei Jahren und 663 über drei Jahren betreut. Dahinter, das weiß Strieker, verbergen sich viele Familien, die seit Wochen enorm unter Druck seien. Der Spagat zwischen Homeoffice und Betreuung sei ehrlicherweise kaum bis gar nicht zu schaffen, jedenfalls nicht über mehrere Wochen hinweg und dem Ziel, den Kindern wirklich gerecht zu werden. Es sind schwierige Zeiten, wobei man den dunkelsten Bereich bis dato kaum abschätzen könne. Denn wie sich diese Einschränkungen auf die häusliche Gewalt auswirke, sei noch unklar. Der Chef der Schwetzinger Polizei, Martin Scheel, erklärte, dass man bisher von einer Verschlimmerung nicht sprechen könne. Es habe große Befürchtungen gegeben, doch seien diese bislang nicht eingetreten. Wobei Scheel wie Strieker betonten, dass valide Aussagen schwierig seien, da das Dunkelfeld kaum einzuschätzen sei. Und beide wissen, dass das Risiko für Kinder in den vergangenen Wochen ganz sicher nicht kleiner geworden ist. Viele Kinder, so Strieker, würde man ja gerade nicht zu Gesicht bekommen.

Aber man muss gar nicht vom schlimmsten Fall ausgehen, um einen enormen Handlungsdruck zu spüren. Die beiden zentralen familienpolitischen Ziele, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie gute Kinderbetreuung, seien derzeit nicht vollumfänglich umsetzbar. Eine Situation, die zurecht Frust auslöse. Vor allem auch, weil es nach wie vor keine echte Perspektive gebe. Trotzdem hoffen Strieker und auch die Teams in den Kindertagesstätten auf Verständnis.

Losverfahren als Möglichkeit

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Strieker weiß auch, dass am Montag wohl noch nicht für alle Eltern Klarheit darüber bestehen wird, ob sie für ihr Kind einen Betreuungsplatz bekommen. Die sei – keine Frage – suboptimal. Es sei alles ziemlich auf Kante „genäht“ und das bei minimalstem Spielraum. Erst wenn die Zahl der Kinder in der Notbetreuung final feststehe, könnten die Plätze für die erweiterte Betreuung vergeben werden. Und auch das wird schwierig.

Die Entscheidung, welche Familien dann zum Zuge kämen, sei angemessen kaum zu treffen. Natürlich Kinder, die in die Grundschule wechselten und jene mit erhöhtem und definierten Förderbedarf. „Aber darüber hinaus gibt es keinen Leitfaden.“ Vielleicht müsse man sogar über ein Losverfahren nachdenken.

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Am liebsten wäre es Strieker freilich, allen Kindern wieder einen Betreuungsplatz anbieten zu können. Aber das gehe einfach nicht. Es ist die scheinbar simple und doch brutale Beschreibung einer Falle, aus der es kein Entrinnen gibt.

Freie Autorenschaft Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.