Hometeaching - Eine Lehrerin erzählt, wie das funktioniert Es gibt richtigen Unterricht per Kamera

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Gastbeitrag von Regine Weingärtner
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Was tun, wenn auf einmal die Klassenzimmer leer sind und die Schule geschlossen? Unterrichten von zu Hause aus: „Guten Morgen liebe Klasse 8 d, sind alle da?“ – „Guten Morgen, Frau Weingärtner“, rufen mir 24 Schüler entgegen. Es ist unser erstes digitales Klassentreffen seit Schulschließung. Die Kamera haben die meisten Schüler deaktiviert – schließlich kann man endlich ungestylt ins Klassenzimmer. Nur ich sitze vor der Kamera und lächele aus meinem Arbeitszimmer meiner Klasse entgegen. Eigentlich hätten wir jetzt Deutsch und würden alle im Klassenzimmer der Karl-Friedrich-Schimper-Gemeinschaftsschule (KFS) sitzen. Dass besondere Zeiten besondere Lösungen brauchen, merken wir alle in unserem Alltag. Homeschooling ist für uns alle neu – und spannend!

Regine Weingärtner ist mit den Schülern online in Kontakt. © Weingärtner
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In einer ersten Maßnahme wurden alle Schüler der KFS mit einem Wochenplan für die erste Woche im Homeschooling nebst Material ausgestattet. Zudem erhielt jeder Schüler einen eigenen Zugang zur der Plattform Teams von Microsoft. Da das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen an der KFS ein wichtiges Thema ist, finden viele Schüler die Umstellung erst mal gar nicht so groß. Organisation der Lernaufgaben, Zeiteinteilung, eigenverantwortliches Lernen werden an der Gemeinschaftsschule von Beginn an thematisiert, im Coaching reflektiert und in den freien Lernzeiten und im Projektunterricht trainiert. Daher macht auch den Lehrern im Homeoffice das Verfassen schülergerechter Lernaufgaben zum eigenständigen Lernen keine Probleme. Neu ist allerdings die Form der individuellen Unterstützung.

Telefonate mit Schülern

Mein Arbeitstag beginnt wie bisher zwischen 7.30 und 8 Uhr. Es gibt viel mehr E-Mails zu lesen und zu beantworten als im normalen Schulalltag. Man steht im engen Kontakt mit Kollegen, Schülern und deren Eltern. Via Teams bin ich im ständigen Austausch mit meinem Klassenteam, konferiere mit den Referendaren und plane mit Kollegen Arbeitsgruppen zum Thema Schul- und Unterrichtsentwicklung. Es sind eigentlich ganz alltägliche Abläufe und Treffen, nur dass man sich jetzt im Netz trifft. Nebenher beantworte ich Schülerfragen zu den Aufgaben, gebe Tipps und stelle Links und Lösungen auf die Plattform. Die Ergebnisse der Schüler korrigiere ich, gebe Feedback und schicke sie wieder zurück.

„Frau Weingärtner, machen wir hier auch mal richtigen Unterricht“, fragt mich Josef in unserer Live-Besprechung. Ja, auch das ist machbar. Nach und nach tasten wir uns an die neuen Möglichkeiten des Lernens in Zeiten von Corona heran, richten Sprechstunden, Termine und Zeiten für Tutorials ein. Es entsteht eine Art Stundenplan: 10 Uhr: Video-Tutorial zum Thema Groß- und Kleinschreibung, 11 Uhr: Live-Chat mit dem Mathelehrer, 12 Uhr: Treffen zum Abfragen von Vokabeln.

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Wen ich digital nicht erreiche, rufe ich zu Hause an: „Wie geht es dir und deiner Familie?“ „Wie kommst du klar mit den Wochenaufgaben?“ „Brauchst du Unterstützung?“ Manche Fragen lassen sich in einem persönlichen Telefonat am besten klären und trotz der vielen digitalen Möglichkeiten ist mir eines klar: Ich freue mich wieder, meine Schüler im echten Klassenzimmer zu treffen. So lange haltet durch und bleibt gesund!

Regine Weingärtner ist Klassenlehrerin an der Karl-Friedrich-Schimper-Gemeinschaftsschule.