Gefragt – gesagt - Dr. Andre Baumann und Weihua Wang möchten für die Grünen in den Landtag / Das sind ihre Ansichten zu Themen Für eine lokale Händler-Plattform

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nina/kaba/jüg
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Dr. Andre Baumann und Weihua Wang möchten in den Landtag für die Grünen. © Regenscheid/Schwarz

Dr. Andre Baumann und Weihua Wang aus Schwetzingen stellen sich an diesem Dienstag, 7. Juli, um 19 Uhr in der Ketscher Rheinhalle als Kandidaten für die Landtagswahlen 2021 den Parteimitgliedern von Bündnis 90/Die Grünen vor. Wir haben dem 47-jährigen Biologen und Bevollmächtigten des Landes beim Bund sowie der 26-jährigen Unternehmensberaterin zuvor vier gleiche Fragen gestellt – hier die Antworten.

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Was ist Ihre Linie für den Kiesabbau im Gewann Entenpfuhl?

Andre Baumann: Ich lehne eine Auskiesung im Gewann Entenpfuhl ab. Trinkwasser ist das Lebensmittel Nummer eins. Das Schwetzinger Wasserwerk versorgt uns mit sauberem Trinkwasser. Das soll auch so bleiben. Das Kieswerk würde in der zukünftigen Wasserschutzzone IIa liegen, wo Nassauskiesungen nicht zulässig sind. Der Wald soll dort erhalten werden: Wald ist der beste Grundwasserschutz. Gerade in Zeiten des Klimawandels müssen wir Wasserschutzgebiete schützen.

In den vergangenen Wochen ist der Klima- und Umweltschutz in unserer Region in den Hintergrund gerückt. Welche Probleme sollten Ihrer Meinung nach sofort angegangen werden?

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Baumann: Wir alle spüren auch bei uns den Klimawandel. Zugegeben, über ein paar sonnige Tage freuen wir uns. Aber es steigt die Zahl der Hitzetage gefährlich an. Hitzeperioden können für ältere und kranke Menschen gefährlich sein. Klimawandel hat auch eine soziale Komponente. Wir müssen unsere Kommunen für die Menschen klimawandelgerecht gestalten: mehr öffentliche Trinkwasserstellen und mehr schattenspendende Bäumen. Kommunen sollten ambitionierte Klimaschutzpläne erstellen und kraftvoll umsetzen. Spätestens 2050 müssen wir CO2-neutral leben. Strom und Wärme müssen eingespart werden. Sehr gut wäre, in allen neuen Bebauungsplänen eine Pflicht für Photovoltaik-Anlagen für neue Wohngebäude festzusetzen. Im neuen Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg wird jetzt eine Solarpflicht für neue Nicht-Wohngebäude verankert. Solar-Anlagen sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch für den Geldbeutel der Häuslesbauer. Die neueste Generation der Solar-Anlagen amortisiert sich schnell.

Die Wirtschaft ist geschwächt. Haben Sie Ideen, wie Sie die Geschäfte in Schwetzingen und Hockenheim nun unterstützen können?

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Baumann: Die Corona-Maßnahmen sind für viele Ladenbesitzer und deren Beschäftigte eine Katastrophe. Die Landesregierung und die Bundesregierung haben in den letzten Wochen umfangreiche Rettungs- und Konjunkturprogramme aufgelegt. Die brauchen wir – schnell, wirkungsvoll und unbürokratisch. Viele Geschäftsinhaber hatten aber schon vor Corona mit Gewerbegebieten auf der grünen Wiese und Umsatzrekorden bei Amazon und Co. zu kämpfen. Wie können wir eine lebendige Ladenvielfalt unserer Innenstädte in den nächsten Jahren befördern? Keine weiteren Discounter auf der grünen Wiese, die den Läden in der Innenstadt das Wasser abgraben! Stattdessen lebendige Städte der kurzen Wege: Wohnen, Geschäfte und Arbeiten gehören zusammen. Wir sollten auch Amazon etwas entgegensetzen. Während der Corona-Krise konnte ich bei meiner Schwetzinger Buchhandlung Bücher bestellen – mittags bestellt und abends konnte ich schon lesen. Das schafft Amazon nicht. Ich kann mir gut eine Online-Plattform für Geschäfte aus dem Kreis vorstellen. Hier können Kunden Produkte suchen, sie gleich abholen oder am selben Tag liefern lassen. Am Ende sind wir dann alle gefragt: Kaufe ich das neue Haushaltsgerät im Laden um die Ecke oder im Internet?

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Von welchen Menschen wollen Sie gewählt werden?

Baumann: Es geht doch nicht darum, was ich will. Es geht darum, was die Menschen wollen. Ich biete eine gute Politik für eine zukunftsfähige Kurpfalz an: für Jung und Alt, für Familien, für diejenigen, die sich um die Bewahrung unserer Heimat sorgen, für die, die ab Mitte des Monats bangen, wie sie Rechnungen bezahlen können, genauso wie für die sogenannte Mittelschicht. Ich möchte sie alle überzeugen. Natürlich freue ich mich bei der Wahl über viele Stimmen.

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Was ist Ihre Linie für den Kiesabbau im Gewann Entenpfuhl?

Weihua Wang: In der Abwägung zwischen Trinkwasserschutz und somit auch der Gesundheit von rund 300 000 Menschen sowie dem Erhalt von über 40 Hektar Waldfläche versus Kiesabbau zur Rohstoffgewinnung hat Erstgenanntes für mich klaren Vorrang. Aber auch für die Rohstoffsicherung in unserer Region müssen wir eine Lösung finden. Denn sonst werden die Immobilienpreise weiter ansteigen und das trifft am Ende wieder Familien und sozial Schwächere in unserer Gesellschaft. Recycling-Beton und alternative Baustoffe sind hier gute Ansätze, die weiterverfolgt werden müssen. Mittelfristig ist jedoch weiterhin mit einem hohen Versorgungsbedarf zu rechnen und das sollten wir auch im Sinne des Klimaschutzes versuchen, regional abzudecken. Diesbezüglich sehe ich vor allem Klärungsbedarf beim aktuellen Regionalplan vom Verband Region Rhein-Neckar (VRRN). Wie ist damals genau die Entscheidung für den Entenpfuhl als Vorrangfläche gefallen? Gibt es hier einen definierten Prozess und klare Auswahlkriterien, die auch Umwelt- und Naturschutzaspekte berücksichtigen? Komplett unvermittelbar ist zudem die Tatsache, dass es 13 Jahre gedauert hat, bis ein Gutachten zum Antrag auf Erweiterung des Wasserschutzgebietes erstellt und diese Information nicht dem VRRN weitergegeben wurde. Dieser Fall zeigt eindrücklich, dass wir Verwaltungsprozesse auf den Prüfstand stellen müssen. E-Government lautet der Lösungsansatz, bei dem wir noch viel zu tun haben.

In den vergangenen Wochen ist der Klima- und Umweltschutz in unserer Region in den Hintergrund gerückt. Welche Probleme sollten Ihrer Meinung nach sofort angegangen werden?

Wang: Hier kommt den Kommunen eine wichtige Rolle zu. Ein effektives Instrument für Klima- und Umweltschutz vor Ort ist ein kommunales Klimaschutzkonzept, in dem sich eine Gemeinde verbindliche Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen setzt und diese Ambitionen mit konkreten Maßnahmen hinterlegt. In Schwetzingen haben wir 2018, als ich noch im Gemeinderat saß, sogar ein integriertes Klimaschutzkonzept auf den Weg gebracht, das heißt mit Bürgerbeteiligung und Handlungsfeldern für alle Akteure – Kommune, Unternehmen und private Haushalte. In vielen Gemeinden unserer Region gibt es leider noch gar kein Klimaschutzkonzept oder die Ziele sind vage und unverbindlich formuliert. Eine Art verbindliche Messbarkeit ist aber sehr wichtig für den Erfolg von Klimaschutzprojekten. Konkret bedeutet es zum Beispiel, öffentlichen Nahverkehr und Radwege auszubauen, nachhaltige Beschaffung zu fördern, Energieverbrauch zu reduzieren und ökologische Landwirtschaft zu stärken. Wichtig ist aber auch, die Maßnahmen zu erklären und im Bereich Klimaschutz noch besser zu bilden.

Die Wirtschaft ist geschwächt. Haben Sie Ideen, wie Sie die Geschäfte in Schwetzingen und Hockenheim nun unterstützen können?

Wang: Gerade hat die Landesregierung neue Soforthilfen in Höhe von 6,2 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Das ist eine wichtige Maßnahme für den Anfang, aber keine langfristige Lösung. Ich finde, die Politik muss den Einzelhandel zusätzlich mit Qualifizierung, Beratung und Vernetzungsmaßnahmen unterstützen. Vereinzelt haben Einzelhändler angefangen, ihr Geschäft zu digitalisieren. Für einen Einzelnen ist das jedoch häufig unrentabel oder es fehlt an notwendiger Digitalkompetenz. Ich könnte mir deshalb zum Beispiel eine gebündelte Plattform für alle Einzelhändler aus der Region vorstellen. Auch für die Verbraucher wäre das eine praktische Angelegenheit. Und wir sollten dazu aufrufen, bewusster und noch mehr regional einzukaufen. Das würde auch dem Klima zugutekommen.

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Von welchen Menschen wollen Sie gewählt werden?

Wang: Mein Anspruch ist es, Politik zu machen, die die Interessen von allen Bürgern im Blick hat und freue mich über jede Stimme des Vertrauens und der Unterstützung. nina/kaba/jüg

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