Porträt - Der gebürtige Schwetzinger Erik Wekesser blickt aus Regensburg mit Spannung auf das Duell seiner beiden Ex-Klubs SV Waldhof und 1. FC Kaiserslautern Gespräche auf Kurpfälzisch fürs Heimatgefühl

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Andi Nowey und Andi Nowey
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Schwetzingen/Regensburg. Als Überläufer wurden in Zeiten des Kalten Krieges Mitarbeiter der Spionage oder des Nachrichtendienstes genannt, die sich physisch auf die Seite des Feindes geschlagen haben, um letztlich für diesen tätig zu sein. Für heutige Fußballfans ist die Kategorisierung in Hochverrat ähnlich hoch gewichtet, wenn ein Spieler direkt zum Erzrivalen wechselt. Für Erik Wekesser, 1997 in Schwetzingen geboren und 2007 aus der Waldhof-Jugend in das Nachwuchszentrum des 1. FC Kaiserslautern übergesiedelt, gilt das allerdings nur bedingt.

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„Es ist definitiv ein brisantes Derby, mit großer Tradition und vielen Fans auf beiden Seiten. Als ich im Alter von zehn Jahren von Mannheim nach Kaiserslautern gewechselt bin, habe ich die Rivalität aber noch nicht so wahrgenommen, weil ich noch etwas zu jung gewesen bin“, sagt der 23-Jährige, der heute in der 2. Liga beim SSV Jahn Regensburg heimisch geworden ist. An seine fußballerischen Erstlingsversuche am Alsenweg kann sich der ehemalige Junioren-Nationalspieler noch gut zu erinnern: „Ich denke sehr gerne an diese Zeit zurück. Wir hatten eine super Truppe und waren damals oft an den Wochenenden auf Turnieren unterwegs, das hat riesig Spaß gemacht. Einige aus der Mannschaft haben es ja heute auch bis in den Profibereich geschafft.“

Erik Wekesser von Regensburg (l.) kämpft mit Tim Skarke von Darmstadt um den Ball. © dpa

Beim 1.FC Kaiserslautern reifte er dann zum Junioren-Nationalspieler heran, bestritt sieben Spiele für die U18- und U19-DFB-Auswahlmannschaften und erzielte vier Tore. Wie ein Karriereknick erschien dann für Außenstehende die Tatsache, dass Wekesser nur in der U21 der Pfälzer zum Zuge kam, anschließend sogar den „Umweg“ über die TuS Koblenz und den FC Astoria Walldorf in der Regionalliga in Kauf nahm, um dann schlussendlich durchzustarten.

„Es war für mich ein guter Schritt, den ich gemeinsam mit meinem Berater so getroffen habe. Ich glaube, dass es die richtige Entscheidung war. Wichtig ist, dass man sein Ziel nie aus den Augen verliert“, wertet Wekesser seinen bisherigen Weg in Richtung Profifußball als richtig. Inzwischen ist Wekesser bei den Oberpfälzern etabliert und hat bereits 44 Zweitliga-Einsätze auf dem Buckel. „Schon in meiner Premierensaison beim SSV Jahn kam ich auf viele Einsätze, damit war ich sehr zufrieden“, betont der 23-Jährige. „In der laufenden Spielzeit ist es mir gelungen, einen Stammplatz im Team zu haben. Insgesamt bin ich sehr glücklich darüber, in Regensburg und beim SSV Jahn zu sein.“ Selbst die Tatsache, dass er vom Mittelstürmer zum Außenverteidiger umfunktioniert wurde, ist für den 1,86 Meter großen Fußballer kein Problem. Und gerade auf dieser Position ist er zum Stammspieler herangereift, kann durch das Kennenlernen der anderen Seite sein eigenes Offensivspiel verbessern und legt alles rein, um mit den Regensburgern den Klassenerhalt zu schaffen. Gegen den 1. FC Nürnberg (1:0) und den SV Darmstadt 98 (1:1) hat der SSV Jahn einen erfolgreichen Rückrundenstart hingelegt. „Wir wollen uns in der Rückrunde für den großen Aufwand belohnen, den wir Woche für Woche und Spiel für Spiel betreiben“, sagt Wekesser mit Blick auf das enge Tabellenbild und derzeit Rang elf.

Mannheimer vor Ort

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Dass er trotz des nicht immer einfach zu verstehenden Dialektes in Regensburg auch Heimatgefühle entwickeln kann, liegt an einem weiteren Kurpfälzer beim SSV. Der Mannheimer Markus Stegili ist Scout bei Jahn Regensburg. „Natürlich unterhalten wir uns immer wieder einmal, wir sprechen ja auch den gleichen Dialekt. Das ist für mich ein Stück Heimatgefühl. Dann muss ich nicht immer auf ,Bayerisch‘ reden“, sagt Wekesser lachend. „Wobei das auch durchaus Spaß macht. So habe ich von meinem Mannschaftskollegen schon viel gelernt, was den Dialekt angeht.“ Nicht entgehen lassen wird sich Wekesser das Derby seiner beiden Ex-Vereine SV Waldhof und 1. FC Kaiserslautern (Samstag, 6. Februar, 14 Uhr), hält sich aber als neutraler Beobachter. „Beide Mannschaften sind große Traditionsvereine und gehören aus meiner Sicht mindestens eine Liga höher. Ich hatte bei beiden Clubs eine sehr schöne Zeit. Schade natürlich, dass aktuell keine Zuschauer ins Stadion gehen können, weil es für mich eines der besten Derbys in Deutschland ist.“ Sicherlich werden sich Wekesser und Stegili anschließend auf Kurpfälzisch in der Oberpfalz darüber unterhalten.

Zur Person: Erik Wekesser

Erik Wekesser wurde am 3. Juli 1997 in Schwetzingen geboren.

In der Jugend spielte er beim MFC Phönix Mannheim, beim SV Waldhof Mannheim und beim 1. FC Kaiserslautern.

Mit dem FCK II bestritt er drei Spiele gegen den SVW, die er allesamt verlor.

Seine weiteren Stationen waren TuS Koblenz, FC Astoria Walldorf und jetzt Jahn Regensburg. wy

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Freie Autorenschaft Schwerpunkte: Mannheimer Kreisfußball, Kreisklassen A und B, Kreispokal, Waldhof-Legenden