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Aufbruch 2016 - Dr. Hans-Peter Schwöbel stellt Essayband vor

Gestaltung als politische Aufgabe

Von 
zg
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„Alles hängt mit allem zusammen“, so begann Professor Dr. Hans-Peter Schwöbel auf der Mitgliederversammlung der Initiative Aufbruch 2016 seinen Vortrag, in dem er seinen Essayband „Fluchtkulturen“ vorstellte. Ein Aspekt dieses natürlichen Zusammenhangs sei der „Schmetterlingseffekt“. Dieser veranschauliche die Tatsache, dass kleinste Veränderungen im Mikrobereich riesige Transformationen auslösen könnten. Gerade im politischen und kulturellen Handeln werde die Wirkung minimaler Verwandlungen permanent unterschätzt, so dass Krisensituationen wie die Flüchtlingskrise überraschten, heißt es in einer Mitteilung der Initiative.

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Allerdings gestand Schwöbel zu, dass die Komplexität dynamischer Systeme jeden Menschen überfordere. Der Homo sapiens sei daher zur Gestaltung als Lebensaufgabe gezwungen. Allein durch Gestaltung sei Erkennen und produktives Handeln möglich, was für den Aufbau menschlicher Gemeinschaft unerlässlich sei.

Das Vermögen, Bilder zu erkennen

Eine Gestalt, so der Referent, sei nicht einfach ein Gegenstand. Vielmehr sei sie charakterisiert durch Beziehungen, die der Mensch in Objekten und Prozessen erkenne. Wie Schwöbel an „sprechenden Foto-Vorlagen“ demonstrierte, sei der Homo sapiens fähig, in Bäumen, Steinen und Hölzern Bilder zu entdecken, die niemand angefertigt habe. Auf einer höheren Ebene erkenne auch ein Bildhauer im Marmorblock die Figur, die er erschaffen wolle. Jeder Mensch sei „von Natur aus“ Gestalter.

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In der Begegnung mit der objektiven Realität bilde der Mensch durch kollektive Traditionen einerseits und individuelle, subjektive Wahrnehmung andererseits eine Gestalt, die ihm Grundlage des Denkens, Fühlens und Handelns sei. Aus dieser Gestalt könnten nicht einzelne Aspekte herausgelöst werden, da sie nur in ihrer Gesamtheit begriffen werden könne. Diese grundsätzlichen Überlegungen seien der Gestalt-Theorie zu verdanken, die vor allem durch den deutsch-jüdischen Psychologen Max Wertheimer (1880 - 1943) entwickelt wurde.

Verdienst dieser Theorie sei die Erkenntnis der Bedeutung der subjektiven Einstellung beim Erkenntnisvorgang. Das wurde in der Diskussion über die „Bekämpfung der Fluchtursachen“ deutlich. In dieser Frage, deren Relevanz für das Migrationsproblem offensichtlich sei, standen sich Positionen gegenüber. Einige Teilnehmer vertraten die Ansicht, es sei Aufgabe des Westens, Europas, der Bundesrepublik, die Verhältnisse im Nahen Osten und in Afrika so zu verändern, dass die dort lebenden Menschen sich nicht zur Auswanderung entschließen müssten. Von der Gestalt-Theorie her gedacht liegt dieser Überzeugung die Gestalt „Verantwortung für die ganze Welt“ zugrunde.

Andere Teilnehmer erklärten, für die Veränderung der Verhältnisse im Nahen Osten und in Afrika seien die Regierungen und Bewohner der dortigen Länder zuständig. Die sinnvollste Strategie, dies klar zu machen, sei die Errichtung stabiler und fester Grenzen, die die „illegale Flucht nach Europa“ unmöglich machten. „Verantwortung vor allem für uns selbst“ ist die Gestalt, die diese Einstellung umfasst.

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Schwöbel versuchte den Kompromiss, indem er auf die Bedeutung des Exemplarischen hinwies. Sofern in der Welt südlich des Mittelmeers ein erfolgreiches Beispiel gelingender Entwicklung sichtbar werde, läge es im Interesse der Europäer, dieses Modell zu fördern. Dies betrachte er als Chance, die für Herkunfts-, Transit- und Empfängerländer problematische und schädliche Massenmigration zu verhindern, so die Mitteilung. zg

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