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Haare raufen

Gert Häusler über eine Redewendung im Sprachgebrauch

Von 
Gert Häusler
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Zugegeben: Das Haareraufen ist nicht ganz mein Bild. Wenn auch wörtlich wenig zu machen wäre, als Redewendung begleitet uns der Spruch ja alle.

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Redewendungen sind die Vorläufer der Emojis – also die Gesichter bei Smartphone-Nachrichten – und drücken Gefühle aus. Wer völlig verzweifelt oder ratlos ist, rauft sich im Redensarten-Sinn die Haare.

Die ursprüngliche Bedeutung liegt wohl in der Trauerbewältigung. In der mit dem Nibelungenlied entstandenen Nibelungenklage hieß es, dass sich „viele hochgeborene Jungfrauen vor Trauer über Verstorbene die Haare vom Kopf rissen“. Zwar ist diese Form des Zeigens von Trauer nicht mehr üblich, als verzweifelte Redewendung ist sie aktueller denn je.

Wir haben trotz aller Hoffnungen ein weltweites Durcheinander mit mehr Rück- als Fortschritten. Die Situationen, in denen man sich die Haare raufen möchte, werden nicht weniger.

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Das beginnt schon im Kleinen, wie etwa dem jahrelangen Hickhack um die Schlaglöcher auf den Schwetzinger Straßen. Auch zu den großen Krisen unserer Zeit hören wir stets neue Versprechungen. Meist sind es Absichtserklärungen mit vielen Hintertürchen. So spitzt sich etwa die Situation der Flüchtlinge an Europas Grenzen dramatisch zu. Realistische Lösungsansätze bleiben hier aus, geht es doch eher um politische Positionskämpfe. Auch die zuletzt 20 000 Teilnehmer einer Klima-Konferenz werden wahrscheinlich weniger bewirken, als es die Zahl suggeriert – Entscheidungen werden ebenfalls vorwiegend (macht)-taktisch getroffen. Dumm nur, dass sich unser Klima währenddessen nicht von allein verbessert.

Die Wucht einer neuen Corona-Welle hatten scheinbar weder die vorige Regierung noch die Ende letzten Jahres diskret tagenden Ampelkoalitionäre so richtig auf dem Schirm. Hoffen wir, dass es ihnen – jetzt in der Verantwortung – gelingen wird, widersprüchliche oder unverständliche Entscheidungen zu vermeiden. Damit mehr Überzeugung zu erreichen ist sicher nicht bei allen möglich.

Es werden uns sicher weiter Themen bleiben, bei denen wir „die Haare raufen“ könnten. Obwohl ich mit „Schwamm drüber“ auch leben könnte.

Freier Autor Gert Häusler schreibt gern Kolumnen über Alltägliches.

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