Kritische Betrachtung - Nach dem Christopher Street Day wird eine junge Frau am Bahnhof in Schwetzingen beleidigt und bespuckt / Freunde reagieren bestürzt Hass ist krass, aber Liebe ist krasser!

Von 
Janina Hardung
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Anfeindungen nach einer schönen Feier: Beim Christopher Street Day ist die Stimmung ausgelassen. Doch Diskriminierung und Ausgrenzung gibt es überall – auch in Schwetzingen. © Ruffler

Schwetzingen/Plankstadt. Beleidigt und bespuckt – und das nach einem Fest, wo Menschen zusammenkommen, um gegen Ausgrenzung und Diskriminierung zu demonstrieren. Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen hissen beim Christopher Street Day (CSD) in Mannheim die Regenbogenflagge, um für ihre Rechte einzutreten.

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Mittendrin ist eine 24-Jährige, ihr Namen ist der Redaktion bekannt, wird aber nicht genannt – „weil es egal ist, wem so etwas passiert“, sagt sie. Weil es so vielen passiert. Michaela könnte also auch der 24-jährige Michael sein oder ein 55 Jahre alter Mann, eine 50 Jahre alte Frau. Es ist egal. Die Anfeindungen, die am Bahnhof nach der Rückkehr vom CSD passiert sind, gehen tiefer. Als sie ihr Fahrrad aufschließen will, kommt ein etwa 15 Jahre alter Junge auf sie zu – mit „blonden Engelslocken“. Michaela hat noch einen Aufkleber von der Feier, den sie an den Fahrradständer klebt, euphorisiert vom CSD. Dann will sie zu ihren Eltern nach Plankstadt fahren.

„Hässliches Lesbenpack. Den Button werde ich abmachen und verbrennen. Ihr Bastarde. Es gibt nur Frauen und Männer und nichts anderes.“ Mit diesen Worten beschimpft er sie. Spuckt auf den Boden. Baut sich vor ihr auf. „Ich war sprachlos, weil es beim CSD so schön war“, sagt sie. „Wieso sagst du so etwas? Wir leben doch beide hier, habe ich zu ihm gesagt.“ Dann sieht sie drei junge Mädchen, will zu ihnen gehen, um sich zu solidarisieren. Immer noch geschockt, immer noch erschüttert. Der Junge kommt zurück. „Er wolle mir noch etwas sagen“, erinnert sie sich. In ihre Stimme legt sich Ekel. „Dann hat er mir ins Gesicht gespuckt.“

Auf Wesen und Werte besinnt

Mit seinem Fahrrad sei er weggefahren – sie ihm hinterher. Gefangen in ihren aufbrausenden Emotionen. Dann stoppte sie. „Ich hab’ mich auf mein Wesen und meine Werte besinnt und war einfach nur fassungslos. Wieso hat ein junger Mensch so viel Hass in sich?“

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Eigentlich wollte sie sich nur ein Wasser im Supermarkt kaufen, jetzt steht sie an der Wand. Versucht sich abzureagieren. Zittert. Weint. „Ich stand vollkommen neben mir“, sagt sie. Ein Mann mit Migrationshintergrund sieht sie aufgelöst dort stehen. „Er ist etwa im Alter meines Vaters – und er hat mich angesprochen. Hat gefragt, was passiert ist. Wie es mir geht. Der Himmel hat mir in diesem Moment diesen Mann geschickt“, sagt sie. Ihre Geschichte teilt sie in den sozialen Medien. „Meine Würde und meine Gedanken sind frei. Sie sind stark und laut und überlegen. Er und ich – beide sind wir Teil unserer Gesellschaft. Wo befinde ich mich und wo er? Wo befinden wir uns? Wo befindest du dich?“ Diese Fragen schreibt sie dazu. Etliche Reaktionen erhält sie auf ihre Worte. „Fassungslos. Unglaublich. Ich verstehe es nicht. Ich bin geschockt. Du bist klasse“, steht in den Kommentaren.

Manche erzählen ihre eigene Geschichten. Von Anfeindungen, Beleidigung, Ausgrenzung. Die 24-Jährige aus Plankstadt hat sich nicht einschüchtern lassen, den Mund aufgemacht. Viele andere schaffen das nicht. Wollen das nicht. Sie gehen der Konfrontation aus dem Weg. Verschweigen diese furchtbaren Szenen. Aus Angst, aus Scham. Sie will ein Zeichen setzen, deshalb hat sie diese Geschichte mit uns geteilt. „Hass ist krass – Liebe ist krasser“, schreibt sie am Ende ihres Facebookposts. Und damit hat sie recht.

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In der Kritischen Betrachtung verbindet der Autor seine Meinung mit Fakten.

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Redaktion Redakteurin für Print und Online in Schwetzingen.

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