Offener Brief - Ärztenetz und Ze:ro-Praxen schreiben Jens Spahn „Hausärzte in erster Gruppe impfen“

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zg
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Deutschland wird seit einigen Wochen gegen das Coronavirus geimpft: Dafür hat sich die Bundesregierung eine Staffelung überlegt. Menschen aus der Risikogruppe stehen an erster Stelle. Die Hausärzte sind erst in der nächsten Welle vorgesehen. Das Ärztenetze Schwetzingen und Hockenheim sowie die Ze:ro-Praxen haben deshalb einen Offenen Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn geschrieben.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll Impfstrategie überdenken. © dpa
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„Mit dem Beginn der Impfungen gegen das Covid-19-Virus besteht Hoffnung auf eine Beendigung der Corona-Pandemie. In Ihrer Impfstrategie gegen das Coronavirus haben Sie die Hausärzte in Stufe 2 der Dringlichkeit für eine Impfung gegen Covid-19 eingeteilt. Die Unterzeichner dieses Briefes bitten Sie, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken: Hausärzte und deren Praxispersonal stehen bei den Patientenkontakten in vorderster Front und sind für die Bekämpfung der Pandemie und der Versorgung der Patienten erste Anlaufstelle. Sie sollten in der ersten Gruppe geimpft werden“, schreiben sie dort.

Risiko durch Infizierte

Dazu fügen sie hinzu: „Neun von zehn Covid-Patienten sind in ambulanter Behandlung. Dies spiegelt sowohl die wichtige Rolle in der Patientenversorgung, gerade auch der Covid-Patienten, ebenfalls auch die Gefährdung der Hausärzte sowie ihrer Mitarbeiter und weiterer Patienten.“ Außerdem lasse es sich nicht immer verhindern, dass infizierte Patienten in die Praxis kommen – auch wenn im Vorfeld eines Praxisbesuches versucht werde, eine mögliche Infektion mit dem Virus abzuklären und ihn dann in eine Corona-Schwerpunktpraxis umzuleiten. Zudem können auch asymptomatische Patienten infiziert sein und ein Ansteckungsrisiko in die Praxis tragen. Viele Hausarzt-Praxen nehmen auch selbst Corona-Abstriche vor, was ein zusätzliches Risiko beinhaltet. Ein weiterer Punkt seien Hausärzte, die Haus- und Heimbesuche machen. Auch hier bestehen Gefahren, dass sich die Ärzte selbst infizieren beziehungsweise gerade bei Alten- und Pflegeheimen Infekte zu den Bewohnern bringen.

„Aus diesen Gründen halten wir es für sinnvoll und auch effektiv, wenn Hausärzte frühzeitig durch eine Impfung geschützt werden“, schreiben sie abschließend. Die Ärztenetze Schwetzingen und Hockenheim vertreten über 100 Haus- und Fachärzte in der Region. Gemeinsam mit den Ze:ro-Praxen betreiben sie seit vergangenen April eine Fieberambulanz in Schwetzingen. zg