Gemeinnützige Plattform - Schüler und Studenten kreieren Internetseite, um lokale Händler und Betriebe zu unterstützen Hilfe mit wenigen Klicks

Von 
Janina Hardung
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Region. „Rette deinen Lieblingsort.“ Die weißen Buchstaben auf hellblauem Grund bringen es auf der Internetseite https://lokal.help auf den Punkt. Vor etwa drei Wochen haben die yumeda Digitalagentur, Christian Riesenberger, Markus Laux, Felix Anstädt und Nils Franke diese gemeinnützige Seite aus dem Boden gestampft. In einem interdisziplinären Team wurde mit lokal.help innerhalb kürzester Zeit eine Non-Profit-Plattform entwickelt, auf welcher man heute Gutscheine kaufen kann, um diese dann nach der Corona-Krise wieder in seinem Lieblingsgeschäft einzulösen.

So sieht die Videokonferenz bei Lokal.help aus. Alle Ehrenamtlichen arbeiten von zu Hause, sind aber auch digital ständig im Kontakt. © Lokal.help
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40 Gebiete und 915 Unternehmen sind auf dieser digitalen Plattform zu finden. Dazu zählen auch Schwetzingen und Ketsch. 33 Studenten und Schüler – davon sogar drei Abiturienten – arbeiten gemeinsam daran, die lokalen Händler zu unterstützen. „Wir haben uns überlegt, was wir gerade tun können. Ich komme aus Weinheim und auch dort gibt es viele kleine Händler, die jetzt leiden“, erklärt Franke aus dem Gründerteam.

Videokonferenz am Abend

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind in den vier Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Social Media, Händlerkontakt und IT aufgeteilt. „Jeder macht das, was er kann oder worauf er Lust hat“, sagt Franke. Abends gebe es eine große Videokonferenz, ansonsten laufe die Kommunikation über Discord – „das benutzen viele Gamer, aber es hat alles, was wir brauchen, um uns auf dem Laufenden zu halten. Wir arbeiten natürlich alle von zu Hause aus. Zwei Helfer sind sogar im Auslandssemester in Australien.“

Und wie geht’s nach der Pandemie weiter? „Wir machen uns Gedanken, aber wir warten jetzt erstmal das weitere Vorgehen der Politik ab. Viele Betriebe haben durch die vergangenen Wochen massive Umsatzeinbußen. Den Aspekt, lokal und regionalen Betrieben zu helfen, wollen wir auch nach dieser Krise beibehalten.“ Die Aktion der jungen Ehrenamtlichen hat sich schnell herumgesprochen. Etwa 50 bis 60 neue Betriebe oder Händler kommen täglich dazu. „Wenn Städte mitarbeiten, dann bekommt das eine ganz andere Dynamik“, sagt Franke. Wie beispielsweise in Schwetzingen. Dort sind 17 Händler aufgelistet, die man mit Gutscheinen bequem von zu Hause unterstützen kann. Der lokale Initiator sind die Stadtverwaltung Schwetzingen in Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing vor Ort.

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Das Prinzip ist einfach: Bürger, die ihren Unternehmen vor Ort helfen wollen, finden auf lokal.help ihre Lieblingsgeschäfte. Auf der Internetseite können dann über einen Online-Bezahldienst oder durch einen Anruf Gutscheine für deren Leistungen erworben, und nach der Krise eingelöst werden. Wer also vor Ort kleine Geschäfte unterstützen möchte, muss nur eine ohnehin geplante Anschaffung, einen Haarschnitt oder ein gutes Essen, ein paar Wochen im Voraus bezahlen – ohne versteckte Gebühren.

Wie dabei Solidarität schon in der Entstehungsphase gelebt wurde, bringt Riesenberger mit den Worten „die beiden schönsten Erfahrungen in diesem Projekt sind zum einen die vielen positiven, herzlichen Rückmeldung seitens der Betriebe und zum anderen der unglaubliche Spirit eines komplett neuen Teams, das in den letzten Tagen enger zusammengewachsen ist, als manches Unternehmen in vielen Jahren“ auf den Punkt.

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Die Abläufe für Unternehmen und interessierte Unterstützer sind einfach. Sobald sich in einer Stadt ein sogenannter Initiator gefunden hat, können sich Unternehmen auf der Internetseite eintragen lassen. Dazu reichen wenige Klicks im entsprechenden Bereich der Website. Als Initiatoren können Privatleute, Unternehmen oder auch Institutionen wie lokale Wirtschaftsförderungen oder Marketing-Vereinigungen agieren. Die Initialkosten von wenigen Euro werden von einem lokalen Unterstützer getragen.

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Danach können sich betroffene Betriebe kostenlos auf der Internetseite auflisten lassen. Wichtig war es den Initiatoren auch keine „digitalen Hürden“ aufzubauen. Zwar ist die Abwicklung über einen Online-Bezahldienst einfacher, aber wer möchte, kann in den Geschäften auch einfach anrufen.

Kleinere Orte im Fokus

Wichtig ist den Initiatoren auch die Tatsache, dass sich die Initiative nicht nur an große Städte richtet. Ganz bewusst stehen auch kleinere Orte im Fokus. „Denn gerade dort wird die Unterstützung dringend gebraucht“, sagt Riesenberger. Stadt- oder Gemeindegrenzen hingegen sind für lokal.help keine Hindernisse. Auch für Partnerschaften mit bereits bestehenden Netzwerken sind die Initiatoren offen: diese können problemlos integriert werden.

„Wir sind uns sicher, dass wir mit unserer Initiative einen wichtigen Beitrag zum Überleben von etlichen kleinen Betrieben leisten können, aber es muss schnell gehen – vielen steht das Wasser schon jetzt bis zum Hals“, fasst Anstädt die Dringlichkeit des Anliegens zusammen. In der Tat geht es für das Projekt nun darum, schnell an Flughöhe zu gewinnen und möglichst viele Unternehmen und natürlich ganz besonders deren Unterstützer vor Ort zu mobilisieren.

Info: Gemeinnützige Plattform unter https://lokal.help

Redaktion Redakteurin für Print und Online in Schwetzingen.