Asylunterkunft - Die Flüchtlinge wollen wieder nach Schwetzingen / Post kommt noch an die alte Adresse / Hygienevorschriften werden in beiden Unterkünften gut beachtet Im September endlich zurück ins Atlanta

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Janina Hardung
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Sie vermissen Schwetzingen: Flimo (v. l.), Mohammed, Mohammed und Feroz (r.) sprechen mit Heinz Grünig (4. v. l.), Johanna Senn-Dietrich und Thomas Vobis über ihre aktuelle Situation in der Hockenheimer Unterkunft. © Hardung

Schwetzingen/Hockenheim. Die sozialen Kontakte sind immer noch eingeschränkt und das macht das Leben für die Schwetzinger Flüchtlinge aus dem Hotel Atlanta, die nach einem Brand in der Industriestraße 4 in Hockenheim untergekommen sind, noch ein bisschen einsamer und anstrengender. Das sagen zumindest Mohammed, der noch in der Unterkunft wohnt, und Feroz, der seit ein paar Monaten eine Wohnung in Schwetzingen gefunden hat. „Zu dieser Unterkunft gibt es nur eine ganz schlechte Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln“, sagt Mohammed, der 2015 nach Deutschland kam. Eine halbe Stunde braucht er zu Fuß, um zum Bahnhof zu kommen.

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Thomas Vobis, Johanna Senn-Dietrich und Heinz Grünig vom Schwetzinger „Café International“ sehen immer wieder nach den Flüchtlingen in Hockenheim und versuchen, sie so zu integrieren und ihnen besonders bei bürokratischen Fragen weiterzuhelfen. Die Stadt Schwetzingen hat inzwischen den Mietvertrag für das Hotel Atlanta für weitere fünf Jahre bis zum 30. Juni 2025 verlängert. Seit September 2017 nutzt sie das Gebäude in der Robert-Bosch-Straße zur Anschlussunterbringung von Asylbewerbern. Seit dem Brand im August 2019 ist das Hotel aber nicht mehr nutzbar (wir berichteten). Die Bewohner konnten zunächst kurzfristig im Ankunftszentrum im Patrick-Henry-Village in Heidelberg untergebracht werden. Von Oktober 2019 bis März 2020 wohnten sie übergangsweise in der als Erstaufnahmeeinrichtung genutzten Tompkins-Kaserne in Schwetzingen.

Die Stadt Schwetzingen kam mit der Lösung in Hockenheim auch der nachhaltigen Bitte des Landes nach, die Flüchtlinge wieder kommunal unterzubringen. „Doch trotzdem sind die Flüchtlinge noch in Schwetzingen gemeldet, dort kommt dann beispielsweise auch die Post an. Also müssen sie immer wieder ins Hotel Atlanta fahren – und das, obwohl die Anbindung so schlecht ist“, erklärt Vobis. In dieser Post sind immer wieder auch wichtige Unterlagen, die über ihren Aufenthaltsstaus in Deutschland informieren. „Fast alle haben eine Arbeit – allerdings oft in der Spät- oder Nachtschicht, deshalb ist es für sie schwierig, das alles unter einen Hut zu bringen. Sie haben in Hockenheim außerdem keinen Ansprechpartner und fühlen sich oft alleingelassen“, sagt er.

Auch der Stauraum in den Zimmern sei in Hockenheim etwas geringer. „Viele unserer Kleider haben wir deshalb noch in Schwetzingen gelagert“, erklärt Mohammed.

Seife verschwindet täglich

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Die Baufreigabe für das Hotel Atlanta ist erteilt und die Sanierung durch die Eigentümerfamilie hat begonnen, heißt es auf Nachfrage bei der Stadt. Ziel sei die Rückverlegung der Bewohner bis Mitte oder Ende September – so war es schon seit der Feststellung der enormen Schäden durch den Brand geplant.

Und wie läuft es in Sachen Sicherheitsvorkehrungen bezüglich Corona? „In Hockenheim wurden durch unser Ausländeramt mehrmals aktualisierte Informationen über den Schutz vor Corona in mehreren Sprachen im Haus ausgehängt“, schreibt Andrea Baisch, Pressesprecherin der Stadt Schwetzingen. „Zusätzlich wurden zunächst weitere Möglichkeiten zur Handdesinfektion, beziehungsweise Seife zum Händewaschen bereitgestellt. Diese verschwanden jedoch täglich, weshalb wir dann auf eine Neubeschaffung verzichtet haben“, schreibt sie weiter. Die Zimmer in Hockenheim sind „locker belegt“. Das bedeutet, im Doppelzimmer wohnt nur eine Person und im Drei- oder Vier-Bett-Zimmer zwei Personen.

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Natürlich werde auch auf die Hygienebestimmungen wegen Corona bei einem Wiederbezug des Hotels Atlanta geachtet. Auch über die Post-Problematik hat sich die Stadt Gedanken gemacht: „Dafür konnte aber keine Lösung gefunden werden: Ein Nachsendeauftrag nach Hockenheim für 80 Personen wäre finanziell nicht darstellbar und eine Verteilung durch unsere Mitarbeiter ist aufgrund der Thematik Briefgeheimnis auch nicht möglich.“

Redaktion Redakteurin für Print und Online in Schwetzingen.