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Fluthilfe für Sinzig

In der Hochwasserregion: Es gibt noch so viel zum Anpacken

Die „Ahrschipper“ aus der Kurpfalz waren in Sinzig aktiv. Flutopfer in sechs Wohnungen freuen sich über tatkräftige Unterstützung der Kurpfälzer. Und in Sinzig gibt es noch - wie im gesamten Ahrtal - eine Menge zu tun. Ein Zwischenstand.

Von 
Katja Bauroth
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Die „Ahrschipper“ sind wieder im Einsatz – diesmal in Sinzig. Für die Stadt sammelt diese Zeitung mit den Kommunen ihres Einzugsgebiets Spenden. Hier stehen die Kurpfälzer im Grünen Weg, links ist das Stadiongelände. © Herrmann

Sinzig/Plankstadt/Region. Joe und Sabine Herrmann aus Plankstadt sind mittlerweile über die Grenzen der Kurpfalz hinaus bekannt. Nicht nur unsere Berichte sowie verschiedene Radio- und Fernsehbeiträge sorgen hierfür, sondern vor allem sie selbst. Seit der Flutkatastrophe Mitte Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen fahren sie jeden Samstag mit einem Trupp freiwilliger Helfer ins Ahrtal und packen an.

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Als „Ahrschipper“ sind sie im Internet zu finden – und auch in Sinzig kennt man die unermüdliche Gruppe nun. Für die Barbarossastadt hat unsere Zeitung mit den Kommunen in ihrem Einzugsgebiet eine Spendenaktion gestartet. Wie wichtig dieses Geld ist, um die vom Hochwasser schwer getroffene Region mit ihren Menschen zu unterstützen, davon berichten wir immer wieder und fahren dafür auch vor Ort. Übrigens: Stand Dienstag, 24. August, sind 255 500 Euro auf das Konto eingegangen von rund 1300 Spendern. Einfach großartig! 200 000 Euro wurden bereits an die Stadt Sinzig weitergeleitet und an Flutopfer verteilt (wir berichteten).

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Geld ist das eine, das weiß Joe Herrmann. „Auch 38 Tage nach der Flut kommt man in Häuser, wo keinerlei Hilfe bisher ankam. Man trifft auf Einwohner, die tränenüberströmt auf einen zukommen, weil sie einfach Hilfe brauchen“, fasst er nach dem Einsatz am Samstag in Sinzig zusammen. Und das gilt nicht nur für einen Ort – es zieht sich über 40 Kilometer die Ahr auf- und abwärts.

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Hans Birkenbeil hat keinen leichten Job. Der Architekt wurde damit beauftragt, die Realschule von Sinzig so verkehrssicher zu machen, das dort in der nächsten Woche wieder Schüler unterrichtet werden können. Das wirkt bei einem Vor-Ort-Besuch für mich wie ein schier aussichtsloses Unterfangen! Wie soll das gehen? Im Keller liegt noch Schlamm, das Erdgeschoss des Schulhauses stand unter Wasser, Fachräume sind nicht mehr nutzbar, Fenster zerborsten. Ein Gros der Schäden ist schon aufgeräumt und durch Schwermetalle und Öl belastete Böden sowie Mauerwerk beseitigt worden, etwa im Eingangsbereich der Schule. Der dort vorhandene Fahrstuhl kann nicht mehr genutzt werden, er ist regelrecht abgesoffen. An der Wand ist zu erkennen, wie hoch das Wasser stand – locker über zwei Meter. In der neuen Mensa, die erst für 1,3 Millionen Euro gebaut wurde, stehen die zerbeulten Wagen für die Essentablet-Rückgabe und Stühle. Hier kann man nichts mehr machen. Das Gebäude ist abrissreif.

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Das gilt nicht für die Sporthalle, die den Namen des bekannten Radrennsportlers Rudi Altig (1937 – 2016) trägt, der in Mannheim geboren wurde und in Remagen (fünf Kilometer von Sinzig entfernt) starb. Auch wenn man das beim Anblick der darin noch liegenden und mittlerweile angetrockneten Schlammmassen nicht glauben möchte: Doch Architekt Birkenbeil sieht hier eine gute Substanz im Mauerwerk. Interieur und Teile der Wände müssen freilich weichen. Und obwohl der Schlamm noch drinliegt, bringen schon jetzt Sinziger Stadträte in Sitzungen Überlegungen ein, dass man da ja nun etwa eine Rollschuhbahn mit einbauen könnte . . . Barren, Bänke, Bälle, Böcke – alles hat das Wasser angegriffen und liegt nun vor der Halle. Ein trauriges Bild.

Anhand eines Stahlfensterrahmens im Untergeschoss verdeutlicht der Architekt, welche Kraft das Wasser hatte – ein Kubikmeter drückt wie ein Gewicht von einer Tonne gegen die Fassade. Die nicht zerstörten Fenster müssen gewechselt werden, da der kontaminierte Schlamm in die Ritzen gekrochen ist und sich hier gesundheitsschädliche Keime bilden können. Froh ist er, dass davon die Wandschichten oberhalb der Erdgeschossfenster verschont geblieben sind. Sinzigs Bürgermeister Andreas Geron ist wichtig, dass die Kinder wieder einen Schulalltag haben, mussten sie doch Corona-bedingt mit Homeschooling in den zurückliegenden Monaten viele Entbehrungen hinnehmen. Architekt Birkenbeil ist zuversichtlich, dass er die Verkehrssicherheit für den Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien hinbekommt, weitere Arbeiten müssen dann im laufenden Schulbetrieb vorgenommen werden.

Nächster Einsatz am Samstag

Es gibt noch eine Menge zu tun. Das weiß auch Joe Herrmann, der mit den „Ahrschippern“ am Samstag in sechs Wohnungen schaufelte, bohrte, stemmte, schleppte und kehrte. Er gibt weiter, was er auch in Sinzig gehört hat: „Schaut nicht weg und vergesst um Gottes Willen das Ahrtal nicht!“ Deshalb fährt er am Samstag, 28. August, wieder hin. 6 Uhr ist Start an der Mehrzweckhalle Plankstadt. Wer mithelfen möchte – Infos zum Prozedere unter 0173/8300458.

Die Stadt Sinzig initiiert am Samstag, 28. August, ab 17 Uhr auch ein Helferfest auf dem Kirchplatz vor dem Rathaus – nicht nur die „Ahrschipper“ sind dort willkommen!

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Spenden für Sinzig

Unsere Zeitung hat gemeinsam mit den Städten und Gemeinden unseres Einzugsgebietes eine Hilfsaktion für Sinzig gestartet. Ein Dankeschön an alle Spender!

Spenden können auf diese Konten (oder via QR-Code) überwiesen werden: Stichwort „Fluthilfe 2021“: Sparkasse Heidelberg, DE08 6725 0020 0025 0104 42 oder Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz, DE78 5479 0000 0005 0650 03.

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Ressortleitung Katja Bauroth ist Redaktionsleiterin der Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung.

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