Interview - Pianistin, Pädagogin und Unternehmerin Tatjana Worm-Sawosskaja gestaltet Klavierunterricht online / Vorfreude auf Konzerte Klassik für das Seelenheil

Von 
Viktoria Linzer
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Schüler John Najba (11 Jahre alt) spielt Klavier, seine Lehrerin ist auf dem Laptop (links) zugeschaltet. © privat, Worm-Sawosskaja

Wie geht es Tatjana Worm-Sawosskaja in der Corona-Krise? Die umtriebige Konzertpianistin, die viele kulturelle Veranstaltungen in der Stadt initiiert, um ihre Liebe für klassische Musik zu teilen und gleichermaßen dafür zu begeistern, betreibt seit Jahren erfolgreich ihr eigenes Klavierstudio in Schwetzingen. Dieses ist bundesweit eine der ersten Einrichtungen zur Förderung von musisch begabten Kindern und Jugendlichen. Aber wie funktioniert das seit dem Kontaktverbot und der Schließung sämtlicher Einrichtungen? Unsere Zeitung sprach mit der Künstlerin, Pädagogin und Unternehmerin.

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Frau Worm-Sawosskaja, wie vermitteln Sie derzeit Klavierunterricht?

Tatjana Worm-Sawosskaja: Das Studio ist zwar räumlich geschlossen, der Unterricht läuft aber per Videoübertragung weiter. Für den Fall, dass es bei wenigen Schülern technisch nicht möglich ist, wird der Unterricht im Laufe des Sommer- oder Wintersemesters nachgeholt.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf das Klavierstudio?

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Worm-Sawosskaja: In jeder Krise gibt es immer ein Potenzial für Wachstum und Weiterentwicklung. Durch die momentane Situation sind wir in ein digitales Format mit vielen positiven Eindrücken und Erfahrungen eingetreten. Die Schüler werden per Videoübertragung unterrichtet. Die pädagogischen Konferenzen finden ebenfalls im Videoformat statt. Ich bin mir sicher, dass diese Form der Unterrichtsgestaltung und der pädagogischen Konferenzen zum Teil auch nach der Pandemie erhalten bleibt.

Wie läuft eine Stunde per Videocall ab?

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Worm-Sawosskaja: Der Videounterricht läuft über Skype oder Whats-app. Die Einstellung der Kamera vom Schüler und die vom Lehrer ist dabei sehr wichtig. Die Hände und das Gesicht von beiden Parteien sowie die komplette Tastatur müssen im Bild gut sichtbar sein. Natürlich geht bei der Videoübertragung ein Bruchteil der Klangqualität verloren, dennoch läuft die Arbeit an der Technik, Phrasierung und Handhaltung sowie am Fingersatz und den Lautstärken wie in einem normalen Unterricht weiter.

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Wie haben die Schüler das neue Angebot aufgefasst?

Worm-Sawosskaja: Sehr positiv, mit viel Neugier und Freude. Vor allem sind die Eltern beim Unterricht jetzt immer dabei und können den Prozess beobachten und dabei auch helfen. Ein Vorschlag vom Vater einer Schülerin beispielsweise war es, ein Onlinehausaufgabenheft zu führen, auf das die Schülerin und Dozentin in Echtzeit Zugriff haben. Die Schüler schicken gerne die Videos mit ihren Stücken an die Dozenten, um den Fortschritt beim Üben zu zeigen. Die Korrekturen und Vorschläge erfolgen noch vor dem nächten Unterricht.

Der Landeswettbewerb „Jugend musiziert“, für den sich vier SchülerInnen qualifiziert haben, wurde ersatzlos gestrichen. Wie gehen Sie mit der Enttäuschung der Kinder um? Kann man es trotz allem als positive Erfahrung sehen?

Worm-Sawosskaja: Ja, selbstverständlich! Bei „Jugend musiziert“ haben die Schüler des Klavierstudios wieder große Klasse gezeigt. Neun erste Preise, davon vier Weiterleitungen zum Landeswettbewerb und nur ein zweiter Preis waren das Ergebnis einer erfolgreichen Vorbereitung. Das Kapitel mit dem gestrichenen Landeswettbewerb muss man positiv abschließen. Persönlich finde ich, dass das Zeitfenster zwischen der Austragung des Regionalwettbewerbs Ende Januar und dem Landeswettbewerb Ende März viel zu groß ist. Sehr oft werden die Schüler davon müde, noch zwei weitere Monate am gleichen Programm zu arbeiten, mit dem sie noch vor den Sommerferien angefangen haben. Durch die Streichung des Landeswettbewerbs gewinnen die Schüler Zeit für das Einstudieren neuer Klavierwerke und werden damit ihr Repertoire noch schneller bereichern können.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Sie als Künstlerin und auf Ihr Kulturangebot in der Stadt?

Worm-Sawosskaja: Meine Konzerte hier im Lande und auch im Ausland wurden wegen des Coronavirus abgesagt beziehungsweise auf bessere Zeiten verschoben. Das dadurch entstandene freie Zeitfenster nutze ich unter anderem auch für den Ausbau der Onlinepräsenz meiner künstlerischen Tätigkeit. Ein Beispiel dafür ist die musikalische Mitwirkung bei dem Onlinegottesdienst von Pfarrer Marvel Demal von der evangelischen Kirchengemeinde Brühl Ende März. Anhand der bereits vorhandenen Videoaufnahmen mit der wunderschönen, beruhigenden Klaviermusik von Franz Liszt und Wolfgang Amadeus Mozart, aufgenommen im Palais Hirsch und im Tanzsaal des Schwetzinger Schlosses, entstand eine für den Onlinegottesdienst perfekt passende Umrahmung mit Musik für Herz und Seele. Die Nähe zu meinen Fans versuche ich durch das regelmäßige Posten meiner Interpretationen auf Facebook und mit meinem You-tube-Kanal zu erhalten und sie täglich mit klassischer Musik zu bereichern. Besonders in dieser schwierigen Zeit ist es so wichtig, die Menschen seelisch zu unterstützen. Dafür eignet sich die klassische Musik am besten. Nach wie vor bleibt das Hauptanliegen meiner künstler-ischen Tätigkeit, das kostbare Gut der klassischen Musik und ihre heilende Energie an möglichst viele Menschen zu vermitteln und damit ihre Herzen und Seelen zu erreichen.

Wie gestalten Sie Ihr alltägliches Leben in dieser für Sie ungewohnten Situation?

Worm-Sawosskaja: Diese Zeit der „Rückkehr zu sich selbst“ versuche ich produktiv, kreativ und erfüllt von neuen Ideen und Plänen zu gestalten. Um das zu erreichen, ist natürlich eine strenge Disziplin des Tages-ablaufs gefragt, was mir eigentlich seit dem Kindesalter gut gelingt. Mein Tag beginnt noch vor Sonnenaufgang mit den Gebeten für die Genesung aller kranken Menschen, für die Besinnung der Menschheit und ihre Rückkehr zu wahren Werten und vor allem für den Erhalt unseres wunderschönen Planeten Erde. Und danach, so wie bei den alten Griechen, folgt dem Geist der Körper in Form von Morgengymnastik, unterstützt von zahlreichen Fitnessübungen von Youtube. Dann kehre ich wieder zurück zu den geistigen Angelegenheiten: Ich verbringe mehrere Stunden am Flügel, erledige Büroarbeit, höre klassische Musik, Audiobücher und Vorträge zum Thema Lebensphilosophie. Dieses freie Zeitfenster erlaubt mir auch, in-tensiv an den neuen Konzertprogrammen für die kommende Kon-zertsaison zu arbeiten. Darauf freue ich mich schon.

Info: Ein Video gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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