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Kleine Kostbarkeiten

Von 
Uwe Lüttinger
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In diesem Jahr haben wir bei den Feiern der Erstkommunion in unserer Seelsorgeeinheit das Evangelium vom sogenannten ungläubigen Thomas als Grundlage verwendet und mit den Kindern in der Katechese darüber gesprochen, dass es Dinge gibt, die wir nicht sehen können und die dennoch da sind: Musik, Luft, Strom . . . Sicher können sie diese Liste fortsetzen und weitere Beispiele anfügen. Manchmal stehen auch äußere Zeichen für eine tiefe innere Wirklichkeit. Mitten in dieser Woche begeht die katholische Kirche ein Fest, das eine Wirklichkeit beschreibt, die äußerlich nicht sichtbar ist beziehungsweise sich an einem äußeren Zeichen festmacht und eine tiefe innere Wirklichkeit beschreibt: die Gegenwart Jesu in der Gestalt des Brotes – gefeiert und gedeutet am Fest Fronleichnam.

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Wir Menschen brauchen Dinge, an denen wir uns festmachen können. Dinge, die eine Wirklichkeit erfahrbar machen, die oft menschliches Verstehen übersteigen. Beim letzten Abendmahl hat Jesus Brot genommen und in eine neue Wirklichkeit hingesetzt: dein Leben und sein Sterben. Seine Hingabe und sein Aufbrechen menschlicher Grenzen bis in die Auferstehung hinein. All das legt er in ein Stück Brot hinein. Unbegreiflich. Und doch fassbar. Geheimnisvoll und doch kostbar. Kostbar im wahrsten Sinne des Wortes. Brot kann man kosten und verkosten. Wer hat nicht schon einmal so ein frisches Stück Brot einfach und ohne alles gegessen und fand es wunderbar?

Im wunderbaren Brot der Eucharistie ist mehr da, als wir auf den ersten Blick sehen und verstehen können. Jesu ganzes Leben ist da zusammengefasst und sein Wirken im Fürsein für die Menschen beschrieben. Er hat in seinem Leben so Viele genährt, indem er Ihnen neue Kraft gab. Dieses Wirken setzt sich nach katholischem Glauben in jeder Feier der Eucharistie fort. Auch heute werden Tag für Tag unzählige Menschen damit genährt und mit Kraft erfüllt, die von einem winzig kleinen Stück Brot ausgeht. Dieses Brot ist so kostbar, das es auch über die Feier der Eucharistie aufbewahrt und verehrt wird. Die bleibende Gegenwart Jesu zeigt sich in diesem Stück Brot.

So kommt es auch zur Tradition, dieses kostbare Brot in einer Monstranz auszustellen und die verborgene Gegenwart Jesu darin zu glauben. Es sind wieder einmal die kleinen und einfachen Dinge in dieser Welt, die für Gottes Gegenwart stehen. Mit diesem Kleinen gewandelten Brot gehen wir dann durch die Straßen. In früheren Zeiten sicher oft eine „katholische Demonstration“ – heute eher ein Zeichen, was uns bewegt und verbindet.

In der Prozession wahrhaftig bewegt: Menschen gehen mit Jesus durch die Straßen und bezeugen, was ihre Kraft und Nahrung ist. Im Mittelalter ist diese Schaufrömmigkeit gewachsen und wirkt sich bis in heute aus. Vielleicht für manche fremd oder befremdlich. Für andere ein Moment, den Glauben nährt: nicht alleine, sondern miteinander und mit Jesus unterwegs zu sein. Ein kleines Zeichen wird zu einer tieferen inneren Wirklichkeit. Etwas, das wir nicht sehen können, ist doch da und wird erfahrbar.

Vielleicht sind wir alle ein wenig wie dieser Thomas, den ich eingangs erwähnte. Wir brauchen etwas, woran wir uns festmachen. Glauben an Dinge, die nicht äußerlich gleich sichtbar sind und doch Leben ermöglichen. Fronleichnam ist für katholische Christen eine Ermutigung und Bestärkung im Glauben. Für andere fremd und befremdlich, aber vielleicht ein Fragezeichen, doch auch heute mehr auf innere Wirklichkeiten zu vertrauen, die Leben ermöglichen.

Ich wünsche Ihnen und uns allen einen gesegneten Feiertag, der an solche Momente erinnert!

Uwe Lüttinger, Dekan und Pfarrer der Seelsorgeeinheit Schwetzingen/Oftersheim/Plankstadt

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