Veranstaltungen - Olli Roth und Band sowie das Thomas Siffling Flow-Quintett treten vor der Kamera auf Luxus für die Seele

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Katja Bauroth und Stefan Kern
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Olli Roth, Patrick Metzger (Schlagzeug) und Rolf Bopp (Bass) bestreiten die Konzertpremiere bei „Live aus der Wollfabrik“. © Norbert Lenhardt

Alles ist momentan anders. Auch Konzerte. Da keine Veranstaltungen aufgrund der Verordnungen rund um die Corona-Pandemie ausgetragen werden dürfen, weichen Künstler auf Social-Media-Kanäle und per Livestream (Direktübertragung) auf Youtube aus. Unsere Redaktion brachte am Samstag den Schwetzinger Musiker Martin Orth in die heimischen Wohnzimmer – per Video auf unserer Internetseite.

Kanal und Spendenkonto

Unter www.alte-wollfabrik.de werden die Online-Veranstaltungen mit jeweils dem entsprechenden Link zum Youtube-Kanal vorgestellt.

Darüber hinaus gibt es ein Spendenkonto für „Live aus der Wollfabrik“ bei der Sparkasse: IBAN DE63 6725 0020 0009 3105 84, BIC SOLADES1HDB, Stichwort „Wollfabrik“. Das Geld soll Helfern in den Kliniken und der Pflege zukommen. ske

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Tags zuvor fand das erste Konzert in der Reihe „Live aus der Wollfabrik“ mit Olli Roth und Band statt. Gut 70 Minuten spielte das Trio Titel aus 30 Jahren Blues- und Rockgeschichte – richtig toll (wir berichteten im „Digitalen Sonntag“). In der Spitze klickten 190 Zuhörer auf den Youtube-Kanal und applaudierten im Chat mit Emojis. Die Musiker spielten auch ohne Publikum in Schwetzingens Kulturtempel voller Leidenschaft. Freilich alles ungewohnt – für sie, für die Zuhörer und auch für die Reporter. Statt an der Bar oder an einem Tisch auf der Empore in der Wollfabrik zu sitzen und zuzuschauen, klemmt man vor dem heimischen Laptop, bespaßt möglicherweise noch die Kinder oder kocht nebenher. Auch trifft man keine Kollegen, man ist isoliert, aber trotzdem irgendwie mit allen anderen, die zuhören, vereint.

Etwas Trost bot das Welde in der Hand, das auch in der Wollfabrik einfach dazugehört. Doch allein der Weg dorthin und die Begrüßung einiger Stammgäste entfiel. Rituale fehlen, müssen neu gesucht werden.

Sonntagabend. Das nächste Livekonzert aus der Wollfabrik. Warten am Bildschirm. Diesmal: Thomas Siffling und sein Flow-Quintett. Thomas Siffling an der Trompete und seine vier musikalischen Mitstreiter Heiko Duffner (Gitarre), Konrad Hinsken (Keyboard), Dirk Blümlein (Bass) und Christian Huber (Schlagzeug) spielten vor leeren Rängen. Dennoch: Der Atmosphärentransfer gelang weitgehend erstaunlich gut. Einfach die Augen schließen und sich auf den Schwingen des Jazz, die das Quintett grandios ausbreiteten, davontragen lassen. Siffling und sein Quintett verstanden es, die Zuhörenden mit der Musik einzunehmen und glücklich zu machen. Spielerisch leicht und technisch von einem anderen Stern zauberten sie in die Wohnzimmer Jazz zum Niederknien. Für die eine Stunde signalisierten die Musiker dem Corona-Alltag Auszeit – einfach nur Musik und Entspannung. In diesen Zeiten ziemlicher Luxus für die Seele.

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Info: „Live aus der Wollfabrik“ an diesem Dienstag, 31. März, um 18 Uhr mit den „Who2Ladies“.

Ressortleitung Katja Bauroth ist Redaktionsleiterin der Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung.

Freie Autorenschaft Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.