Schimper-Gemeinschaftsschule - Jugendliche probieren in der Projektwoche Antriebsmöglichkeiten selbst aus Mausefalle wird zum Fahrzeug

Von 
Gastbeitrag von Jan Dorotik
Lesedauer: 
Kurz vor dem Start – noch vor der Corona-Verordnung: Die Schüler machen sich auf den Wettkampf ihrer selbstgebastelten Fahrzeuge bereit. © Dorotik

An einen schwerwiegenden Schädlingsbefall mag so mancher Lehrer gedacht haben, als sich drei Kollegen – kurz bevor die Corona-Krise auch den Schulbetrieb lahmlegte – mit mehr als 60 Mausefallen bewaffnet vom Lehrerzimmer auf den Weg in die Naturwissenschafts- und Technikräume ins Untergeschoss machten. Dieser Gedanke war jedoch weit gefehlt, denn diese (Achtung, Schülermund!) „mörderischen Tötungsmaschinen“ sollten das Kernstück der Projektwoche „Energie und Mobilität“ des Profilfachs Naturwissenschaft und Technik darstellen.

AdUnit urban-intext1

Dieses, an der KFS noch recht junge, Profilfach entstammt dem gymnasialen Bildungsplan, wo es die Vernetzung von naturwissenschaftlichen Kenntnissen mit Kompetenzen technischer Disziplinen fördern soll und interdisziplinäres Denken sowie Kreativität unter Nutzung aktueller Technologien in den Vordergrund rückt. Durch die Aufnahme der Profilfächer in die Gemeinschaftsschule erhalten die Schüler die Möglichkeit, die Themenbereiche differenziert auf ihrem Niveau zu bearbeiten und sie erleichtert leistungsstarken Schülern den Übergang auf das Gymnasium nach Klasse zehn.

Grundlagen der Mechanik

Die Schüler hatten nun eine Woche Zeit, mit Hilfe der Mausefalle ein Fahrzeug zu konstruieren, welches nur durch deren Schnappmechanismus angetrieben eine möglichst weite Strecke zurücklegt. Wie vor jeder praktischen Arbeit stand jedoch auch hier die theoretische Fundierung, um diese problemorientierte Aufgabenstellung sinnvoll und möglichst selbstständig bearbeiten zu können. So wurden zunächst Energieformen und Möglichkeiten der Energieübertragung, der grundlegende Aufbau von Fahrzeugen und Grundlagen der Mechanik thematisiert. Diese Kenntnisse konnten bei einer Exkursion zum Technoseum in Mannheim vertieft und erweitert werden, wo mechanische Prinzipien und die Umsetzung von Antriebsmöglichkeiten in Fahrzeugen hautnah erlebt und ausprobiert werden konnten.

Von Mittwoch an war nun geschäftiges Treiben aus allen Technikräumen der KFS zu vernehmen: Es wurde gesägt, gebohrt, geschliffen, geschraubt und nicht zuletzt viel diskutiert und optimiert. Die Schwerpunkte bei der Planung und Konstruktion der Fahrzeuge wurden hierbei durchaus unterschiedlich ausgelegt: Neben puristischen Modellen in Leichtbauweise mit ausgefeilter Technik entdeckte man auch tolle Gefährte, bei denen das Hauptaugenmerk mit viel Liebe zum Detail dem kreativen Design der Karosserie galt. Bei den meisten Konstruktionen wurden mechanische Prinzipien erfolgreich umgesetzt. So wurden zum Beispiel der Bügel der Mausefalle mit Hilfe eines Holzstabs verlängert, um die Energieübertragung zur Achse auf einen längeren Weg zu verteilen oder einfache Getriebe konstruiert.

Aufbau und Funktion vorgestellt

AdUnit urban-intext2

Den Höhepunkt bildete am Freitag das Rennen der Lerngruppensieger. In einem Vorentscheid präsentierten und demonstrierten die Schüler ihrer Lerngruppe Aufbau sowie Funktion ihrer „Mausefallenautos“. Im großen Finale traten im Anschluss daran jeweils die drei Lerngruppenbesten in der Sporthalle gegeneinander an. Unter den Anfeuerungsrufen der Mitschüler machten sich die Autos auf den Weg, die einen beschleunigten sportlich, die anderen eher gemächlich. Nichtsdestotrotz, am Ende war die zurückgelegte Strecke für den Erfolg ausschlaggebend. Eindeutige Siegerin war Lina Maecker, gefolgt von Luis Schopf und Rose AboAyas.

Nachdem die Sieger von ihren Mitschülern gebührend gefeiert wurden, zeigten die Schüler große Einigkeit in der Reflexion der Projektwoche: Die Abwechslung vom Schulalltag sei willkommen, man habe viel Spaß gehabt, einiges gelernt und freue sich auf die nächste Projektwoche im kommenden Schuljahr.

AdUnit urban-intext3

Jan Dorotik ist Lehrer an der Schimperschule und betreut das Projekt des Profilunterrichts NWT.