Geothermiekraftwerk: Arbeiten für Bohrplatzherrichtung laufen Meilenstein wird die erste Bohrung sein

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Walter Pitz

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Brühl. Es tut sich was am Brühler Ortsausgang Richtung Ketsch, Bewegung ist auf das Gelände hinter Realschule, Turn- und Schäferhundeverein gekommen. In dieser Woche begannen die Arbeiten zur Herrichtung des Bauplatzes, auf dem im Frühjahr ein Bohrturm errichtet wird. Mit diesem wird dann die Karlsruher Firma "GeoEnergy" die tiefschürfende Frage klären, ob das von ihr projektierte Geothermiekraftwerk in Brühl tatsächlich gebaut werden wird. "Ein wichtiger Meilenstein ist die erste Bohrung", erklärt Diplom-Ingenieur Andreas Reble, Bereichsleiter für Kraftwerke und Bautechnik bei "GeoEnergy".

"Die Gegebenheiten sind grundsätzlich günstig", wie Reble zufolge sehr fundierte Analysen ergeben haben. Bohrungen müssen dies, sprich die in der Tiefe prognostizierten Thermalwasservorkommen, aber erst noch bestätigen. Wenn sie das erwartete Ergebnis bringen, kann zur umweltfreundlichen Erzeugung erneuerbarer Energien das erste Geothermiekraftwerk im Rhein-Neckar-Kreis bis zum Jahreswechsel 2010/11 stehen - "wenn nichts dazwischenkommt", so Reble.

Bislang befindet sich das Projekt noch im Stadium der reinen Erdarbeiten. Mutterboden wurde abgetragen (er wird an anderer Stelle verbaut) und Schüttgut angeliefert, eine Baugrube wird ausgekoffert. Ziel dieser Arbeiten ist eine solide Tragschicht für die Betonplatte, auf der dann ein 60 Meter hoher Bohrturm mit hoher Flächenlast installiert werden kann.

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Vorher wird noch in einem Teil der Bodenplatte ein Bohrkeller eingelassen, damit man zwischen Bohrgerät und Oberkante des Bohrlochs noch ausreichend Platz für den Einbau von bohrtechnischen Sicherheitseinrichtungen hat. Die Betonarbeiten sind ab nächster Woche vorgesehen. Bis Mitte/Ende Mai sollen die geeigneten Bedingungen für die Aufnahme des Bohrgeräts geschaffen sein.

3700 Meter tief in die Erde

Frühestens ab Ende Mai kann dann die Tiefenbohrung vorgenommen werden, sagt unser Gesprächspartner. "Wir kommen mit der ersten Bohrung ungefähr 3700 Meter tief in die Erde", so Andreas Reble, "und werden dann hoffentlich unser Wasserreservoir gefunden haben." Auf jeden Fall weiß man danach Näheres, woraus sich alle weiteren Schritte bis letztlich zum Kraftwerksbau ergeben würden.

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Voraussetzung für das Geothermiekraftwerk ist ein ausreichend großes Wasserreservoir im Erdinnern, dem in einem Kreislaufsystem die Wärme entzogen wird. Das etwa 160 Grad heiße Wasser wird mit Pumpen gefördert, mittels Kraftwerk ausgekühlt und reinjeziert, das heißt es wird an einen Sekundärkreislauf abgegeben, in dem aus warmem Wasser Strom erzeugt wird. "GeoEnergy" erwartet laut Reble eine Kraftwerksgröße mit vier bis fünf Megawatt elektrischer Leistung. Bezogen auf die gleiche Stromproduktion in einem Kohlekraftwerk, liegt die CO2-Einsparung pro Jahr "in der Größenordnung von 30 000 bis 50 000 Tonnen". Das dafür konzipierte Kraftwerk würde etwa die halbe Fläche des rund 10 000 Quadratmeter großen Grundstücks einnehmen und eine maximale Bauhöhe von etwa acht Metern erreichen.

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Zusätzlich nützlich macht sich das Kraftwerk, indem es die Wärmeauskopplung ermöglicht. "Wir sind in Gesprächen mit Interessenten", so Reble. Wärme abgegeben werden könnte zum Beispiel an eine Adresse gerade vis-à-vis, das Klärwerk des Zweckverbands Bezirk Schwetzingen, für die Trocknung des Klärschlamms.

Lärmschutz und Sonden

Eine Belastung über Gebühr durch die Bauarbeiten brauchen die Brühler nicht zu befürchten, sagt Reble. Die Firma sei auch in Abstimmung mit der Realschule und mit dem Rathaus. Für die spätere Betriebsphase eines Kraftwerks verweist Bürgermeister Ralf Göck vor allem auf vertraglich festgelegte Lärmschutzmaßnahmen auf dem verpachteten Gemeindegelände. Das Bohrgerät wird für die Dauer seines Einsatzes von einer sechs Meter hohen Lärmschutzwand umgeben und die lauteren Arbeitsgänge sollen aus Rücksicht auf den Schulbetrieb nach Möglichkeit nachmittags laufen.

Eine fundamentalere Befürchtung möchte Dr. Göck ebenfalls zerstreuen: "Auch wenn gemäß Beurteilung von Experten nicht mit Schäden zu rechnen ist, wird die Firma Sonden zur Messung von Erschütterungen installieren, um nachprüfen zu können, ob mögliche Schäden von den Arbeiten ausgegangen sind." Noch keine größere Erschütterung zu erwarten ist jedenfalls am kommenden Dienstag bei dem symbolischen Spatenstich anlässlich des Beginns der Bauarbeiten.