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Gedenken

Novemberpogrom in Schwetzingen

Von 
zg
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Schwetzingen. Der 9./10. November 1938 war ein überdeutliches Zeichen des national-sozialistischen Judenhasses, der sich in dieser Nacht mit der Plünderung und Zerstörung von jüdischen Häusern und Synagogenräumen entlud. Am frühen Morgen des 10. November 1938 erging an die SA-Gruppen im Bezirk Kurpfalz folgende Meldung: „Auf Befehl des Gruppenführers sind sofort sämtliche jüdischen Synagogen zu sprengen oder in Brand zu setzen. Nebenhäuser, die von arischer Bevölkerung bewohnt werden, dürfen nicht beschädigt werden. Die Aktion ist in Zivil auszuführen. Meutereien und Plünderungen sind zu unterbinden. Vollzugsmeldung bis 8.30 Uhr.“ Das schreibt die Stadt Schwetzingen in einer Pressemitteilung.

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Erstes Ziel war wahrscheinlich der Synagogenraum im Privathaus der Mathilde Springer, Heidelberger Straße 12. Ihr Sohn Max wurde verhaftet (kam ins KZ Dachau und floh später nach Argentinien), Mobiliar, die Torarolle, Gebetbücher und andere Kultgegenstände wurden zerschlagen, aus dem Fenster geworfen und auf der Kreuzung Heidelberger Straße/ Mühlenstraße aufgeschichtet und angezündet. Ein letzter Rest, der das Feuer überlebte, ist in der Vitrine zu sehen.

Gleichzeitig verwüsteten Männer der SA das jüdische Haus der Familie Lorch am Schlossplatz 3, nahmen Fanny Lorch und ihre Tochter fest und erzwangen die Übergabe des Hauses. Ein erhaltener Brief berichtet darüber (s. Hörstation gegenüber).

Auch die Wohnung des Lehrers Heinrich Blochs (Bruchhäuserstraße 4) wurde gewaltsam gestürmt. Er selbst wurde mit einem Stuhlbeim am Kopf verletzt und konnte in letzter Minute seinen französichen Pass (war gebürtiger Elsässer) zeigen, was ihm und seiner Familie das Leben und seinen Besitz rettete. Floh danach über das unbesetzte Frankreich in die Schweiz.

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Das Ehepaar Leopold und Sophie Springer (Bruchhäuserstraße 11) traf es viel härter. Die ganze Wohnung wurde verwüstet, alles auf die Straße geworfen und angezündet. Leopold Springer wurde verhaftet, kam ins KZ nach Dachau und floh in die USA. Ebenso verfuhren die SA-Schargen bei den Familien Bermann, Metzger und Wallerstein. Als die Männer schließlich noch zum jüdischen Friedhof wollten, wehrte einer der Männer dies ab. Motive hierfür sind nicht bekannt. Der Friedhof wurde in der ganzen NS-Zeit nicht zerstört.

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