Im Gespräch: Die Fitnessbranche ächzt unter dem Lockdown / Pfitzenmeier-Geschäftsleiter Bernhard Köllner hat nur einen Wunsch: Bald wieder die Studios öffnen Pfitzenmeier Schwetzingen ächzt unter dem Lockdown

Von 
Jürgen Gruler
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Pfitzenmeier-Geschäftsleiter Bernhard Köllner steht vor den neuen Hochleistungsluftfiltern. Sein Wunsch ist es, dass die Studios bald wieder öffnen können. © Pfitzenmeier

Schwetzingen. Bernhard Köllner weiß natürlich, dass es oberstes Ziel sein muss, die Pandemie in den Griff und die Infektionszahlen nach unten zu bekommen. Als einer der Geschäftsleiter der Unternehmensgruppe Pfitzenmeier, die vom Hauptsitz in Schwetzingen aus im Großraum 47 Studios aller Kategorien betreibt, sagt er auch: „Wir haben Abstand zwischen den Geräten geschaffen, alle Hygienevoraussetzungen geschaffen und zuletzt nochmals viel Geld in topmoderne Luftreinigungsgeräte investiert. Da dürfen wir nicht wieder die Letzten sein, die wieder öffnen dürfen. Denn unser Geschäft ist Fitness und Gesundheit, die wir gerade jetzt so dringend brauchen, wie nie.“

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Herr Köllner, der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen hat jetzt einen Brandbrief an die Landes- und Bundesministerien geschickt. Unterstützen Sie die Forderungen?

Köllner: Voll und ganz. Die Lage in der Branche hat sich zugespitzt und wird mit jedem weiteren Monat der Schließungen schwieriger. Aufgrund der erneuten Schließung der Fitness- und Gesundheitsanlagen im November sind unsere Betriebe insgesamt nun schon länger als fünf Monate geschlossen. Das bedeutet Mitglieder- und Umsatzverluste im zweistelligen Prozentbereich. Eine Aussicht auf Wiedereröffnung wurde bis dato von der Politik nicht gestellt.

Dabei sind ja die Wintermonate Ihre wichtigsten?

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Köllner: Sobald es draußen früher dunkel und morgens später hell wird beginnt die Hauptzeit der Fitnessstudios. Die guten Vorsätze für ein fitteres und gesünderes Leben tun ihr übriges. In den für die Branche wichtigen Wintermonaten werden in der Regel die meisten Neuverträge abgeschlossen. Es handelt sich somit um die umsatzstärksten Monate. Aufgrund des erneuten Lockdowns und der wiederum damit verbundenen Schließung aller Fitness- und Gesundheitsanlagen ist dieses so wichtige Geschäft - das die natürliche Fluktuation ausgleicht, die das Jahr über bei den Mitgliedern entsteht, nicht möglich. Das wirkt sich noch Monate und Jahre aus.

Sind bei Ihnen jetzt alle Mitarbeiter in Kurzarbeit?

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Köllner: Das operative Team in den Studios bis auf ganz wenige Ausnahmen. Wir bieten ja weiterhin Online-Streaming-Kurse an und haben eine Telefonbesetzung in den Clubs für Fragen unserer Mitglieder. Natürlich müssen die Studios auch weiterhin haustechnisch unterhalten werden. Da kann man nicht einfach das Wasser aus dem Schwimmbecken ablassen und die Heizung abstellen, da würde sofort ein riesiger Schaden entstehen. Außerdem ist natürlich weiterhin die Verwaltung an Bord, um Fragen der Mitglieder zu beantworten, den Jahresabschluss zu machen und Abrechnungen zu tätigen. Auch an den Zukunftsprojekten wird ja weitergearbeitet. Wenn ich mit Leuten spreche, dann höre ich bisweilen, ihr werdet es doch verkraften, weil ihr groß seid. Ob ein Einzelstudio oder eine Studiokette, es bleiben die gleichen Probleme. Da sitzen wir alle im selben Boot.

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Haben Sie denn schon die versprochenen Hilfszahlungen erhalten?

Köllner: Bei uns sind bisher keinerlei Hilfszahlungen eingegangen. Mehr noch, man konnte sie aufgrund von Softwareproblemen noch nicht einmal beantragen. Die Rede war von „schnellen und unbürokratischen Hilfen“. Die Wahrheit ist: Es gibt ständig Regeländerungen, es ist ein bürokratischer Husarenritt. Am Ende ist das bei weiter laufenden Mieten und Nebenkosten sehr belastend.

Was wünschen Sie sich von der Politik für Ihr Unternehmen?

Köllner: Bei beiden Lockdowns waren immer die gleichen Branchen betroffen. Während sich in den Supermärkten die Menschen ohne Abstand fast über den Haufen rennen, müssen Fitnesseinrichtungen, Gastronomie und kleinere Geschäfte immer als Erste schließen. Und das, obwohl sich viele mit großem Aufwand und mit Investitionen auf die Pandemiebedingungen eingerichtet und alles für die Sicherheit des Personals und der Kunden getan haben. Ich wünsche mir nur, dass wir dann, wenn es Lockerungen gibt, nicht wieder ganz hinten an gestellt werden. In dem Moment, wo Baumärkte, Möbelhäuser und Einkaufszentren wieder öffnen dürfen, dann fordere ich das auch für die Fitnessstudios. Wir sind vorbereitet, haben die besten Hygienekonzepte und können einen kontrollierten Zugang in die Clubs problemlos regeln. Und bundesweit sind von den Schließungen der Fitnessstudios elf Millionen Menschen betroffen, die möglichst schnell wieder zu uns kommen wollen, um ihre Gesundheit zu fördern. Gemeinsam mit unseren treuen Mitgliedern und Mitarbeitern werden wir das schaffen. Wir sind und bleiben relevant!

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.