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Im Gespräch

Prälat Traugott Schächtele spricht über das Treffen der Weltkirchen

Der Weltkirchenrat in Karlsruhe ist zu Ende. Mehr als 4000 Teilnehmende aus 120 Ländern und 350 Mitgliedskirchen trafen sich, um über theologische und politische Themen zu debattieren.

Von 
Jürgen Gruler
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„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“ – so steht es auf dem Plakat, hinter dem sich die Teilnehmer eines Workshops der Vollver-sammlung des Ökumenischen Rats versammeln. Dabei ist auch der Schwetzinger Prälat Traugott Schächtele (6. v. l.). © ekiba

Schwetzingen/Karlsruhe. Der Weltkirchenrat in Karlsruhe ist zu Ende. Mehr als 4000 Teilnehmende aus 120 Ländern und 350 Mitgliedskirchen trafen sich, um über theologische und politische Themen zu debattieren. Neun Tage lang haben 800 Delegierte aus orthodoxen, protestantischen und anglikanischen Kirchen aus aller Welt diskutiert und gebetet. Die katholische Kirche und auch jüdische sowie muslimische Geistliche waren als Gäste geladen. Zum Abschluss haben die Delegierten den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf verurteilt. Den Ukraine-Krieg verurteilte die Vollversammlung als „illegal und nicht zu rechtfertigen“. Mit dabei war auch der in Schwetzingen lebende Prälat Traugott Schächtele, mit dem wir über das Treffen sprechen.

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Wie kam es zu Ihrer Teilnahme an dem bedeutenden Ereignis?

Schächtele: Die Ökumene ist ja schon lange ein sehr wichtiges Thema für mich persönlich. Und die Vollversammlungen der Kirchen aus aller Welt sind gelebte Ökumene. Ich durfte schon mal 1983 bei einer ÖRK-Vollversammlung in Vancouver (Kanada) reinschnuppern. Jetzt war ja die Evangelische Landeskirche Baden Gastgeberin, da war es für mich und viele Mitarbeiter der Kirche klar, dass wir vor Ort sein wollen. Es war ja damals schon eine kleine Sensation als Karlsruhe gegen Kapstadt den Zuschlag bekommen hat. Seit zwei Jahren bereitet nun die Landeskirche die Tagung in vielen Arbeitskreisen und Gremien vor. Und vor Ort hat alles prima geklappt.

Hat man denn in der Stadt gemerkt, dass der Ökumenische Rat (ÖRK) tagt?

Schächtele: Schon am Bahnhof, wo ja die Delegierten aus aller Welt eingetroffen sind, gab es einen Infopunkt und hingen Plakate. Und neben der Vollversammlung unter dem großen Zeltdach auf dem Festplatz gab es ja in der ganzen Stadt Workshops, Gottesdienste, Vorträge und Foren zu verschiedensten Themen. Und natürlich fällt es auf, wenn beispielsweise orthodoxe Priester in ihrem Ornat in der Stadt unterwegs sind. Ein Kirchentag ist sicherlich noch mal was anderes, aber diese Vollversammlung fiel doch auf und hat große Resonanz gehabt.

Welches Thema haben Sie als besonders präsent empfunden?

Schächtele: Den Klimaschutz, also die Bewahrung der Schöpfung. Mich hat es schon sehr beeindruckt, als hier ein Vertreter aus Polynesien berichtet hat, wie das Wasser steigt und wie er uns geschildert hat, wie man sich fühlt, wenn man nicht weiß, ob es die eigene Heimat in 50 oder 100 Jahren überhaupt noch gibt. Aber auch das Verhältnis zwischen Israel und Palästina hat mich sehr interessiert.

Welche Rolle spielte der Krieg in der Ukraine?

Schächtele: Er überschattete viele Diskussionen. Es war mutig und gut, dass Bundespräsident Steinmeier gleich bei der Eröffnung das Verhalten der russisch-orthodoxen Kirche, die die Kriegshandlungen bis heute gutheißt, als Blasphemie geißelte. Die russisch-orthodoxe Kirche stellte ja die größte Delegiertenzahl im Ökumenischen Rat. Auch wenn es kein offizielles Treffen mit Delegierten aus der Ukraine gab, so hat es doch bestimmt einen Austausch zwischen Delegierten gegeben. 1948 wurde bei der allerersten Vollversammlung der Grundsatz beschlossen: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Deshalb kann eine Mitgliedskirche nie Krieg gutheißen.

Was hat Sie in diesen Tagen am meisten beeindruckt?

Schächtele: Mit so vielen Menschen aus verschiedenen Ländern und Kontexten ins Gespräch zu kommen – sei es beim Anstehen zum Essen holen oder bei einer Tasse Kaffee. Und natürlich der Abschlussgottesdienst, bei dem man merkte, wie der Funke auf alle übergesprungen ist.

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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