Pro und Kontra: Sollten wir den Wasserhahn zudrehen?

Von 
Janina Hardung und Catharina Zelt
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Spülmaschine, Dusche oder Zähneputzen: Wasser wird täglich gebraucht. Wir trinken es nicht nur, es wird auch bei anderen Aufgaben benötigt. Würde dieses kostbare Gut knapp werden, könnte Panik ausbrechen. Deshalb wollen viele Menschen mehr davon sparen. Doch wie sinnvoll ist das? Muss der Wasserhahn wirklich schnellstmöglich zugedreht werden?

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Pro von Janina Hardung

Wie lange braucht es, bis eine Badewanne voll mit heißem Wasser ist? Im Schnitt strömt 15 Minuten Wasser aus dem Hahn. Und mindestens 36 bis 38 Grad Celsius sollte das Wasser darin schon haben. Erst dann fühlen wir uns doch richtig wohl. Der Mensch hat es gerne gemütlich, kuschelig – und eben auch warm. Da machen viele im Bad keine Ausnahme.

Das ist allerdings weder gut fürs Klima noch für den Geldbeutel oder die Haut. Denn je weniger Wasser fürs Duschen und Baden erhitzt werden muss, desto weniger Energie wird verbraucht. Das schreibt das Umweltbundesamt. „In Zeiten der Klimaänderung tut Deutschland gut daran, beim Wassersparen nicht nachzulassen“, sagt Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes. Denn: In privaten Haushalten profitiert die Umwelt am meisten, wenn möglichst wenig Warmwasser aufbereitet wird. Das Umweltbundesamt schätzt, dass der Energiebedarf für Warmwasser im Schnitt zwölf Prozent des Gesamtendenergiebedarfs eines Haushalts ausmacht. Ein Vollbad in der Wanne (200 Liter) kostet übrigens im Schnitt zwischen 3 Euro und 3,70 Euro. Duschen ist deutlich billiger: Bei zehn Minuten duschen fließen im Schnitt 100 Liter durch die Leitung. Diese zu erhitzen kostet nur die Hälfte. Wer einen wassersparenden Duschkopf einbaut, kann 50 Cent pro Duschgang einsparen. Wer täglich einmal duscht, hat so im Jahr gut 180 Euro pro Person mehr auf dem Konto.

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Für das Klima ist also weniger tatsächlich mehr. Und wer den Verbrauch nicht einschränken will, der sollte zumindest beim Einshampoonieren das Wasser ausschalten – oder es nur so heiß machen, dass man sich selbst im Anschluss noch im Spiegel sehen kann.

Kontra von Catharina Zelt

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In Deutschland herrscht keine Wassernot. Hierzulande im Haushalt Wasser zu sparen ist längst nicht mehr zeitgemäß – im Gegenteil: Wer zu viel Wasser spart, kann sogar Schaden anrichten.

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Deutschland hat Wasser im Überfluss. Auf knapp 190 Milliarden Kubikmeter kann pro Jahr zurückgegriffen werden. Experten rufen dazu auf, wieder mehr zu verbrauchen, denn das Sparen am kostbaren Gut wirkt sich problematisch auf die Trinkwassernetze aus. Wenn die Leitungen nicht regelmäßig ausreichend durchgespült werden, können sich laut Bundesumweltamt unangenehm riechende Faulgase bilden. Versorger aus Bremen, Berlin und Hamburg bitten die Bevölkerung deshalb darum, Wasser sorgsam zu nutzen, statt daran zu sparen. Ein weiterer Faktor sind die Kosten. Die Trinkwasserversorgung und die Aufbereitung des Wassers in den Werken und Kläranlagen sind darauf ausgerichtet, dass der Verbrauch in Deutschland stetig ansteigt. Die Bevölkerung nutzt aber immer weniger Wasser. Die Folge: Das Leitungswasser wird teurer. Denn nur etwa ein Drittel des Preises, den die Konsumenten am Ende zahlen, spiegelt den tatsächlichen Verbrauch wider. Der Rest sind Fixkosten, die sich aus den Kosten für die Unterhaltung der Anlage, des Personals und der Aufbereitung zusammensetzen.

Die neuen Richtlinien versprechen mehr Qualität beim Trinkwasser. In unserer Region trinken die Menschen lieber aus dem Hahn, statt Wasser in Kisten zu schleppen. © dpa

Wer wirklich etwas für die Umwelt tun möchte, der sollte beim sogenannten virtuellen oder versteckten Wasser ansetzen. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden 15 000 Liter Wasser verbraucht, für eine Jeans ganze 8000 Liter. Wer bei der Ernährung oder seinem Konsumverhalten ansetzt, bewirkt letztendlich deutlich mehr, als jemand, der beim Händewaschen kurz den Wasserhahn abdreht.

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Redaktion Redakteurin für Print und Online in Schwetzingen.

Volontariat Volontärin der Schwetzinger Zeitung