Quertreiber statt -denker

Gert Häusler über einen besonderen Etikettenschwindel

Von 
Gert Häusler
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Es hat ja schon was: Ausgerechnet Gruppen, die vor den Tragödien, die sich in Krankenhäusern, Arztpraxen und Familien mit Leid und Tod abspielen, die Augen verschließen – nennen sich „Denker“. Wenn in Stuttgart Tausende ohne Abstand und Maske demonstrieren, muss man schon fragen, was in diesen Köpfen vorgeht. Selbst wenn sie nur sich selbst bezüglich einer Infektion mit Covid-19 gefährden würden, sind sie eine Belastung für uns alle. Unser Sozialsystem mitsamt Ärzten und Pflegern am Limit fängt ja am Ende auch die Leugner auf. Jüngst zu beobachten bei einigen der politischen Quertreiber, die sich nach dem Verlassen der Intensivstation etwas weniger lautstark äußerten. Uns alle nervt ja das Hin und Her in den Entscheidungen, mangelhafte Organisation und Raffgier in vielen Bereichen. Dennoch sollte man niemanden von den Verantwortlichen unterstellen, dass sie bewusst schlecht arbeiten wollen. Das gilt für den Bund genauso wie fürs Land und im kommunalen Bereich.

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Neben den unbestreitbar sachlichen Problemen gibt es halt immer wieder aus allen möglichen Ecken Störfeuer. Eine der besonders absurden Behauptungen ist der Begriff „Impfdiktatur“. Es ist geradezu ein Hohn, wenn man sich die Schwetzinger Zahlen zur Impfsituation vor Augen führt. Als die Meldebögen der Stadt für die Impfung der 70-plus- Mitbürger versandt waren, fanden sich schon Samstag und Sonntag zirka 700 Rückmeldungen im Briefkasten und dem Maileingang – Einsendeschluss sollte der 6. April sein! Die Warteliste umfasst derzeit rund 700 Schwetzinger. Die Quertreiber „denken“ wahrscheinlich trotzdem über neue Aktionen nach.