CDU-Stadtverband

Riesige Herausforderungen

Dr. Albrecht Schütte prognostiziert schwere Zeiten in Sachen Energie

Von 
Stefan Kern
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Die gute Nachricht stellte der Physiker und CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Albrecht Schütte bei einem kleinen Forum des Schwetzinger Stadtverbandes der Christdemokraten in der Gaststätte „Blaues Loch“ zu Fragen der Energie ganz oben hin. „Die Lichter und die Heizungen werden in diesem Winter in Deutschland wohl nicht ausgehen.“ Doch schon mittelfristig würde sich das Bild zur Energieversorgung des Landes spürbar eintrüben.

Für Schütte, der auch Kreisvorsitzender der CDU Rhein-Neckar ist, sieht das Land in Sachen sicherer und bezahlbarer Energieversorgung vor der größten nur denkbaren Herausforderung. Der Umstieg von fossil auf regenerativ mit all seinen Transformationsprozessen, die zugleich wachsende Elektrifizierung aller Lebensbereichen und der Krieg Russlands gegen die Ukraine lösten einen enormen Stresstest aus. Und diesem Test, so viel Parteipolitik war dann doch, werde die Ampelregierung in Berlin bis dato auf kaum einer Ebene gerecht. Was sehr gefährlich sei. Gehe es hier doch um politische Glaubwürdigkeit, Legitimation, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und, ja, letztlich um die Demokratie.

Vor dem Hintergrund der sicheren und bezahlbaren Energieversorgung zeigte Schütte wenig Verständnis für die AKW-Entscheidung der Bundesregierung. Wie könne man in einer so unübersichtlichen Situation Trümpfe aus der Hand geben. Die Frage der Energieversorgung sei keine Frage, die bis April nächsten Jahres beantwortet sei. Ganz im Gegenteil, die schwierigen Zeiten kämen erst noch. Vor allem für die Wirtschaft befürchtet der CDU-Mann mittelfristig schwerste Kollateralschäden. Die Sorge von einer weitgehenden Deindustrialisierung ist in seinen Augen nicht von der Hand zu weisen. Und so müsse das Nachdenken und Handeln für eine sichere Energieversorgung auch weit über Sonne und Wind hinausgehen.

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Photovoltaik und Windenergie seien zentrale Fundamente für die Energieversorgung Deutschlands. Aber die beiden Pfeiler reichten bei weitem nicht aus. Schütte ist beispielsweise davon überzeugt, dass dem Konzept „Carbon Capture and Storage“ (CCS) auf dem Weg zur CO2-Neutralität des Landes große Bedeutung zukomme. Bei dieser Technik wird das entstehende CO2 abgeschieden und anschließend unterirdisch gespeichert. Laut Umweltbundesamt könnten hierbei 65 bis 80 Prozent des CO2, das bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen entsteht, dauerhaft von der Atmosphäre ferngehalten werden. Problematisch ist aber, dass der Einsatz der Technik den Wirkungsgrad deutlich verringere. Bis dato wird von einem Plus beim Verbrauch von fossilen Brennstoffen von bis zu 40 Prozent ausgegangen.

Ebenfalls ganz sicher ist sich Schütte, dass Deutschland auf Energie-Importe angewiesen bleibe. Gerade bei grünem Wasserstoff, (das ist Wasserstoff, der mittels regenerativer Energien hergestellt wird, Anm. der Red.) sei Deutschland kein geeigneter Produktionsstandort. Ganz wichtig sei aber, dass Deutschland bei der Entwicklung der Wasserstofftechnologie führend bleibe. Dies erfordere ein strategisches Vorgehen.

Doch leider sehe er diesbezüglich bei der Bundesregierung große Defizite. „Zu viel Aktionismus, zu viel Gießkanne, zu wenig Strategie.“ Und das sei ein Grund dafür, dass unnötig viel Geld ausgegeben werde. Zielorientiertere Hilfe wäre auch besser dazu geeignet, die Energiepreise im Zaum zu halten. Nicht jede Stadtwerke bräuchten Hilfe, aber die, die Hilfe bräuchten, müsste schnell geholfen werden. Es waren Worte, die der erste Vorsitzende des Stadtverbandes Nils Melkus und die elf weiteren Zuhörer fast dankbar aufgenommen haben. Auch dieses ziellose, mit Scheuklappen behaftet und manchmal nur schwer nachvollziehbare politische Gezerre innerhalb der Ampel koste öffentliche Akzeptanz.

Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.