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Zum Vermächtnis - Josef Walch und Jessen Oestergaard komponieren Erinnerungen an den Schwetzinger Universalgelehrten zu einem Bild und stellen seinen Totenschädel in den Mittelpunkt

Schimper – mal für junge Leute

Von 
Jürgen Gruler
Lesedauer: 
Ein tolles Arrangement in Sachen Karl Friedrich Schimper: Bilder, Utensilien, Veröffentlichungen und in der Mitte sein Schädel. © Jessen Oestergaard

Der Schwetzinger Künstler, Publizist und Stadtrat Prof. Josef Walch beschäftigt sich schon längere Zeit mit Karl Friedrich Schimper, diesem Genie und bedeutenden Naturforscher, der von 1849 bis zu seinem Tod 1867 sein Leben in Schwetzingen verbrachte. Bisher sind dazu auch schon drei Beiträge in unserer Zeitung erschienen, die Schlaglichter auf dieses im wahrsten Sinne des Wortes verrückte Leben geworfen haben.

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Josef Walchs Expertise schlägt sich jetzt auch bei der Schimper-Gemeinschaftschule nieder. Gemeinsam mit dem bekannten Fotografen Jessen Oestergaard hat er im Auftrag der Stadt an einer Multimediapräsentation zum Leben Schimpers gearbeitet, die für junge Menschen gedacht ist und zur offiziellen Einweihung der Schimper-Schule präsentiert wird.

Walch bewegte dabei besonders, dass die Mannheimer Eiszeit-Ausstellung im REM Schimper zwar in aller Munde gebracht hat, bei einer Zeitungsumfrage aber klar wurde, wie unbekannt dessen Wirken noch immer ist. Man hat mit diesem kulturellen Kapital in Schwetzingen bisher zu wenig gemacht, junge Leute wissen nur sehr wenig mit diesem Namen anzufangen, außer, dass er Namensgeber besagter Schule ist, so Walch.

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Walch und Oestergaard haben sich überlegt, wie man Schimper „ins Bild setzen könnte“? Da der Schädel Schimpers erhalten ist, entstand die Idee, mit Objekten und Gegenständen, die auf Schimper verweisen, ein Vanitas-Stillleben mit dem Titel „Das andere Porträt – Hommage à Karl Friedrich Schimper“ zu inszenieren. Vanitas-Stillleben sind im 16. Jahrhundert in den Niederlanden entstanden. Es sind Darstellungen lebloser Gegenstände, Sinnbilder der Vergänglichkeit, die oft durch die Kombination der Gegenstände und ihre Bedeutung auf bestimmte Personen hinweisen.

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So beschreibt Josef Walch das Bild: Im Mittelpunkt steht natürlich der Schädel Schimpers, so wie er heute in der Sammlung der Stadt erhalten ist. Die Pflanze, auf die sich diese Forschungen beziehen und die er als Hommage an seinen Förderer und Freund, den Gartenbaudirektor Zeyher so nannte – auch als Beinwell bekannt – steht daneben. Ein aufgeschlagener, großer Pflanzenatlas liegt darunter – als Symbol des Lebens, hier auch für Schimpers Leistungen als Botaniker. Hinter dem Totenkopf ist eine Zeichnung von Schimper aus seinem Buch „Symphytum Zeyheri“, in dem er die Blattstellungslehre erklärt, ein herausragendes botanisches Forschungsergebnis Schimpers, das 1835 in Heidelberg veröffentlicht wurde.

Dieses Buch steht aufgeschlagen unter dem Schädel, daneben ein Porträt von Galileo Galilei, den Schimper verehrte. Beide wurden am gleichen Tag geboren. Er nannte sich auch eine Zeit lang „Schimper-Galilei“. Das rote Büchlein im Vordergrund ist die „Flora Mannheimiensis“, die 1821 erschien und an an dem Schimper als junger Schüler mitarbeitete.

Daneben liegen Gegenstände, die Schimper gesammelt hat, Wurzeln und Steine, Geräte zum Botanisieren von Pflanzen, ein Vergrößerungsglas, Spargel, eine Sanduhr (Vergänglichkeit), eine Flasche Absinth, den er im Café Kessler genoss, eine Laute (er spielte Laute und Geige), Feder, Tinte, auf einem Schimper-Manuskript, ein umgefallenes, ausgelaufenes Glas (Vergänglichkeit, Ende des Lebens). An der Wand eine zeitgenössische Abbildung eines Alpengletschers, den Schimper erforschte, Postkarten der Städte, die in seinem Leben eine Rolle spielten (Heidelberg, München, Schwetzingen), Schimpers berühmtes Gedicht über die Eiszeit.

Am linken, oberen Bildrand sieht man eine aquarellierte Zeichnung Schimpers, die seine Theorie der Auffaltung der Alpen zeigt. Vanitas-Stillleben sind auch immer „Fünf-Sinne-Bilder“, die werden auch hier angesprochen, Spargel für den Geschmack, die Laute für das Hören, die Blätter der Pflanze für das Fühlen, der Absinth für den Geruch und die Brille, die der junge Schimper im Hintergrund trägt für den Sehsinn.

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Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.

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