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Radfahren mal anders (mit Fotostrecke)

Schwetzinger bei Rennen mit Klapprad dabei: Kein Start ohne Bart

Der „World-Klapp“ am 25. Juni auf der Herxheimer Sandbahn mit Richard „Richie“ Kiene ist ganz auf Retro getrimmt. Der Werkstattleiter eines Schwetzinger Radgeschäfts gewährt Einblicke in sein Hobby.

Von 
Joachim Klaehn
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Richard Kiene dreht mit seinem Klapprad für unseren Fotografen eine flotte Runde vor dem Schloss. Mit dem gelben Flitzer ist er spritzig unterwegs. © Lenhardt, Zürker

Schwetzingen. Er ist besessen von seinem Sport, er liebt seinen Beruf als Zweiradmechaniker und ist mittlerweile zum Werkstattleiter aufgestiegen, er modelliert gemeinsam mit Kumpels den „Dirtpark“ in Plankstadt und er ist von kleinauf mit Mountainbikes groß geworden: Gemeint ist Richard „Richie“ Kiene aus Schwetzingen. Ein junger Mann, den man mit Fug und Recht als Fahrrad-Enthusiasten bezeichnen darf.

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Auf dem Klapprad lässt Richard „Richie“ Kiene sozusagen symbolisch „die Sau raus“: Er freut sich auf ein spektakuläres Rennen. © Lenhardt Norbert

Nunmehr erweitert das Radsport-Allroundtalent sein ohnehin enormes Spektrum, in dem sich der gelernte Heizungs-, Klimatechnik- und Anlagenmechaniker auf ein neues spannendes Abenteuer einlässt. „Richie“ Kiene von der Radsportgemeinschaft (RSG) Mannheim-Schwetzingen nimmt am „World-Klapp Herxe“ teil, der am 25. Juni auf der Herxheimer Sandbahn – auch Speedway genannt – ausgerichtet wird.

„Das ist das erste Rennen, das ich mitfahre. Klapprad auf einer Sandbahn ist eine geile Sache“, berichtet Kiene im Gespräch mit dieser Zeitung, „es kribbelt schon jetzt vor diesem besonderen Event. Und spitze finde ich die spezifischen Rennbedingungen.“

In der Tat: Der „World-Klapp“, der nach Ludwigshafen, Berlin, Schopp und Mannheim erstmals im südpfälzischen Herxheim Station machen wird, hat eine Menge mit Wagemut, Abenteuerlust und Pioniergeist zu tun. Wer die Klapprad-Helden genauer betrachtet, der denkt unwillkürlich an die Urzeiten der 1903 erstmalig ausgerichteten Tour de France mit ihren Rad-Malochern, den Oberkörper von Schläuchen umschlungen, dem Rotwein und anderen Aufputschmitteln nicht abgeneigt, die ultimative Herausforderung suchend.

Zur Person: Richard Kiene

  • Richard „Richie“ Kiene ist 30 Jahre alt und arbeitet als Werkstattleiter und Zweiradmechaniker im „Bike & Fun-Radshop“ in Schwetzingen. Eigentlich ist er gelernter Heizung-, Klimatechnik und Anlagenmechaniker.
  • Verein: RSG Mannheim-Schwetzingen.
  • „World-Klapp Herxe“: Samstag, 25. Juni; Vorprogramm ab 13 Uhr; Qualifying ab 17.15 Uhr; Finalrennen ab 19.15 Uhr; Siegerehrung mit König Bensah ab 20 Uhr (alles auf der Sandbahn in Herxheim). Weitere Informationen unter www.world-klapp.de.
  • „Kalmit-Klapprad-Cup 2022“: Samstag, 3. September; Startnummernausgabe ab 11 Uhr; Start in Maikammer um 15 Uhr, Ziel auf dem Kalmit-Parkplatz.
  • Weitere Informationen unter www.kalmit-klapprad-cup.de

Kurzum: Tollkühne Männer auf klapprigen Drahteseln strampelten einst durch Frankreich und trieben die Verkaufszahlen der Gazetten in schwindelerregende Höhen.

Auch wenn das rund 119 Jahre her ist, die Atmosphäre bei den aktuellen Klapprad-Rennen lässt die Herzen von Zweirad-Nostalgikern höher schlagen. „Hier ist alles auf Retro und Spaß getrimmt“, sagt „Richie“ Kiene und schmunzelt breit, „ich sehe das als Riesengaudi, aber eben auch als sportliche und fahrerische Herausforderung.“ Klar: Austragungsort ist der legendäre Duwak-Track, die Sandbahn von Herxheim, die sogenannte 1000 Meter Langbahn. Das erfordert wiederum Technik, Geschick und Kurvensicherheit auf körnigem Untergrund.

Schon die Teilnahmebedingungen sind der Hammer. Ein 20-Zoll-Klapprad ohne Schaltung ist Pflicht. Dass der eine oder andere Pedaleur an seinem möglichst alten Gefährt herumbastelt, versteht sich von selbst. Reifenprofile, Kettenblätter, Sattel, Sattelstange, Rennlenker verleihen dem Rennklapprad – meist Marke Eigenbau – die besondere Note und den Retrolook. „Meins ist ein original Peugeot-Klapprad, das mindestens 40, 50 Jahre auf dem Buckel hat“, sagt Detailliebhaber Kiene, „ich habe dieses Rad aus alten Teilen zusammengebastelt.“ Alles muss vor dem heißen „World-Klapp“ auf „Herz und Nieren“ überprüft werden. Die Kette, die Reifen und Felgen, der breitere Lenker, die Rücktrittbremse, Letzteres ist für einen gelernten Mountain- und Dirtbiker wie „Richie“ Kiene reichlich ungewohnt. So viel zum ulkig ausschauenden Gefährt.

„Ironbart“ und „Klappauterfrau“

Und jetzt zu den Helden. Grundvoraussetzung für die Teilnahme sind gutes Aussehen und ein „Moustache“ (Oberlippenbart), der nicht dicht, groß und breit genug sein kann. Das illustre Feld – kein Start ohne Bart – ist gespickt mit extravaganten Namen: „Clappy Ickx“, „Ironbart“, „Klapppollon“, „Klappjudant“, „Schnurrbert“, „Ritzel-Stritzel“ sind dabei, Richard Kiene trägt den Künstlernamen „Hardcore Hans“ und ist zugleich der einzige Starter aus der Spargelstadt. Bisher, denn es können sich noch Interessenten anmelden. Dem nicht genug: Auch Frauen wie „Klappröschen“, „Klapppauterfrau“ oder „Klappanett“ scheuen nicht das Ankleben eines heftig-deftigen Schnauzers. Ergo: Das größte Klapprad-Sandbahnrennen der Welt mit den verrücktesten Denkern und Lenkern aus der ganzen Kurpfalz wird für Furore sorgen, zumal König Cephas Bansah – der Regent von Hohoe Gbi Traditional Ghana, der in Ludwigshafen eine Werkstatt betreibt – wieder das Grußwort spricht und standesgemäß als Schirmherr mit dem Hubschrauber einschweben wird und vor Ort vom Rücksitz eines Trikes seinen Fahrern und Zuschauern zuwinkt.

Klapprad-Rennen waren schon immer emanzipiert. Damenteams sind vom ersten Rennen auf die Kalmit an mit dabei – hier beim Training auf der Sandbahn in Herxheim. © Peter Zürker

Nervosität vor Majestät? Ach was. „Richie“ Kiene, in Heidelberg geboren, in Schwetzingen aufgewachsen, freut sich einfach tierisch auf die Hatz. „Die Strecke ist wie ein langgezogener Donut. Man muss lernen, um die Kurven zu driften und mit dem dicken Sand klarzukommen“, sagt er voller Vorfreude, „schnell wird dieses Rennen bestimmt nicht.“ Stattdessen eher spektakulär – sowie unberechenbar und unterhaltsam.

Das zweite, irre bedeutende Rennen in der erweiterten Region wird übrigens der „Kalmit-Klapprad-Cup 2022“ am Samstag, 3. September, in Maikammer sein. Dort geht es für Klapprad-„Bergziegen“ nach dem Motto „Liberté, Egalité, Klapperité“ auf die mit 673 Metern höchste Erhebung an der Weinstraße. Der Gag dort, alle Fahrer sind verkleidet und gestalten ihre Räder entsprechend dem Motto. „Ich werde die Kalmit mal vorab begehen. Die Auffahrt und Abfahrt checken, damit ich weiß, wie das dort genau aussieht“, überlässt „Richie“ Kiene, der im „Bike & Fun-Radshop“ in der Karlsruher Straße arbeitet, nichts dem Zufall. Lennart Krayer (20) aus dem dortigen Rennstall wurde bekanntlich 2020 Mountainbike-Juniorenweltmeister und gehört zum aktuellen U23-Nationalkader.

Stolz auf Vater Rudolf Kiene

Einen Steinwurf vom Schloss entfernt befindet sich demnach eine Kreativwerkstatt und Talentschmiede, die ihresgleichen sucht. Dass der 30-jährige Kiene verschiedene Zweiräder beherrscht, kommt nicht von ungefähr. Sein Vater Rudolf schenkte ihm und seinen beiden Schwestern Elisabeth und Natalie früh Mountainbikes. Und sodann ging es auf Touren, in Norddeutschland, im Odenwald, ganz gleich wo, über Stock und Stein, durch Wälder und über Felder. Ach ja: Rudolf Kiene (79) aus dem Hirschacker bildete einst mit den Mannheimer Idolen Rudi und Willi Altig eine Freizeit-Trainingsgruppe. Und er baute auch schon mal eine historische Draisine nach. Eine echte Radfamilie.

Test für den Auftritt: König Bansah lässt sich zusammen mit Veranstalter Peter Zürker auf einem Trike in die Herxheimer Arena fahren, natürlich noch nicht im Königsornat. © Peter Zürker

„Richie“ Kiene ist stolz auf seinen älteren Herrn, der immer noch topfit ist. Vater, Lehrmeister, Mentor in einem – Rudolf ist das Vorbild für Richard. Deshalb bietet er jungen Mountain- und Dirtbikern gemeinsam mit seinen „Bodies“ Felix Ness und Thomas Böhme Training in Plankstadt und Schwetzingen an. „Ich möchte wilden Kerlen das Fahrradfahren vermitteln, wie sie springen, balancieren oder auch stürzen, ohne sich zu verletzen“, konstatiert er. Das Fahrradfahren so weiterzugeben, wie das Vater Rudolf bei ihm getan hat, ist für „Richie“ ein schönes, rundum erstrebenswertes Ziel.

Die Fangemeinde der RSG Mannheim-Schwetzingen wird Ende Juni ausflippen, wenn „Hardcore Hans“ den „World-Klapp Herxe“ und Anfang September den „Kalmit-Klapprad-Cup“ mit schneidigem Moustache bewältigen sollte. Unter den Augen von König Bansah ist laut des ausgewiesenen Radsport-Experten Udo Bölts („Quäl dich, du Sau!“) aus dem südwestpfälzischen Heltersberg alles zwischen Triumph und Tragik möglich. Wir wünschen allen Klappergesellen mit ihren Rennklapprädern „Hals- und Beinbruch“. Sagen Radhelden untereinander . . .

 

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Autor Seit Ewigkeiten im Mediengeschäft, seit Mai 2022 neuer Redakteur der Schwetzinger Zeitung. Reporter aus Passion - mit Allroundkompetenz. Bevorzugt menschliche Nähe sowie journalistische Distanz zur Sache.

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