Schwetzinger Schüler handeln im Zeichen der Umwelt

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Gastbeitrag von Bettina Niederberger
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Die Schüler zeigen, welche nachhaltigen Produkte sie entweder zu Hause nutzen oder gebastelt haben. So werden – wie unten links – zum Beispiel Klopapierrollen als Aufbewahrungsgefäße genutzt. © Privatgymnasium/Niederberger

Schwetzingen. Dafür, dass ein seit Monaten geplantes Großprojekt anstand, war es ganz schön ruhig im Schulhaus des Privatgymnasiums Schwetzingen. Der „Tag der Umwelt und Ernährung“ wurde Corona-bedingt aufwändig in eine digitale Veranstaltung umgewandelt. „Es ist beeindruckend, was unsere Schüler hier auf die Beine gestellt haben“, ist Schulträger Uwe Rahn begeistert.

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In den ersten vier Stunden standen für alle Klassen Vorträge und Workshops auf dem Programm. Die über 40 landes- und bundesweit bekannten Experten aus verschiedensten Branchen, darunter Universitätsprofessoren, Wissenschaftler, Journalisten und Unternehmer, hatten kreative Möglichkeiten gefunden, digital einen praktischen Bezug herzustellen. So verlegte beispielsweise der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Born als Referent zu den Themen Nachhaltigkeit und fair gehandelte Produkte das gemeinsame Zubereiten eines gesunden Frühstücks per Videokonferenz in seine Küche.

Ein Schwerpunkt der Vorträge lag beim Thema Plastikmüll. Die Meeresbiologin Mareike Huhn berichtete von ihrem Müllbeseitigungsprojekt in Indonesien, Dr. Mark Lenz vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung referierte über Entstehung und Folgen von Mikroplastik im Meer. Ganz konkret zeigte sich dieses Problem auch im Vortag des Biologen Jonas Custers, der interessante Einblicke in seine Forschung mit Delfinen in Kroatien gab und er-klärte, wie deren Population durch den Plastikmüll im Meer beeinträchtigt wird. Wie man gänzlich ohne Abfall zu produzieren leben kann, erläuterte Dr. Lena Boneva, die selbst seit vielen Jahren einen Zero-Waste-Lebensstil führt.

Dass Nachhaltigkeit in Deutschland von immenser Bedeutung ist, hob Dr. Michael Stöhr, Senior Consultant bei einer nachhaltigen Unternehmensberatung, hervor, der über erneuerbare Energien sprach. Christopher Schierk vom Kreisforstamt Rhein-Neckar unterstrich zudem die Bedeutung lokaler Wälder für den Klimaschutz.

Experten aus vielen Bereichen

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Nachhaltigkeit, so erklärten Referenten, sei auch eine Frage der Gerechtigkeit. Theresa Voss stellte in einem theoretisch-philosophischen Vortrag das Konzept Klimagerechtigkeit vor und der Autor Matthias Medert ging der Frage nach, ob es weltweit genug Lebensmittel für alle gibt und warum diese nicht immer dort ankommen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Eine mögliche Lösung zeigte Aida Jukas von der GLS Bank auf, indem sie Möglichkeiten des nachhaltigen Investments erklärte.

Der Journalist Florian Müller verdeutlichte am Beispiel des Diesel-Skandals die Bedeutung von investigativem Journalismus, Marc Kückmann, Abteilungsleiter in der Schienenverkehrsplanung, ging auf nachhaltige Möglichkeiten in den Bereichen Mobilität und Großbauprojekte ein und Dr. Lukas Annesser vom Max Planck Institute for Brain Research sprach über Tierwohl und Tierversuche in der Forschung.

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Trotz der vermeintlichen Distanz bedingt durch die Online-Veranstaltung wurden in den Workshops ver-schiedene interaktive Arbeitsphasen eingefügt sowie bei den Vorträgen den Fragen und Diskussionsbeiträgen den Schülern viel Raum gegeben.

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Schließlich stand das aktive Umsetzen des Gelernten im Mittelpunkt. Die Angebote unterschieden sich dabei je nach Altersstufe von Upcycle-Kunst-Projekten aus Plastikmüll in Klasse 5 bis hin zu selbst erstellten TED-Talks in der Kursstufe. Das Hauptziel war der Spaß an der gemeinsamen Umsetzung und die Vertiefung der individuellen Interessen.

Geplant, organisiert und durchgeführt wurde der Projekttag zum größten Teil von der betreuenden Lehrkraft Angelika Rüger sowie den Schülern selbst. Die SMV setzt seit Jahren Umweltthemen wie eine nachhaltige Mensa auf ihre Wunsch- und Projektliste. Nach der Gründung eines eigenen Umweltteams konnten dann auch ein schuleigener Umweltshop und verschiedene waldpädagogische Aktionen in Angriff genommen werden. „Wir wollen die Schüler für Themen im Bereich Klimawandel und Umwelt-schutz sensibilisieren und begeistern, indem wir zukunftsrelevante Themen anschaulich und interessant vermitteln“, erklärte der Schülersprecher Lennart Laqua.

Frühzeitiges Konzept erstellt

Im Umweltteam hatten sich die Schüler lange und intensiv um Experten bemüht, um die Vielfalt des Themas Nachhaltigkeit abzubilden. Besonders wichtig war ihnen dabei, eine möglichst große Bandbreite an Branchen, Lebensstilen und Arbeitsfeldern abzudecken. „Diese vielfältigen Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder sollen unseren Schülern auch bei der beruflichen Orientierung helfen. Das Thema Nachhaltigkeit ist omnipräsent und zukunftsweisend“, so Angelika Rüger.

Das Interesse für Nachhaltigkeits-Themen ist kein Zufall. Eine zentrale Säule des Schulkonzepts des Privatgymnasium Schwetzingen ist ein Sozialcurriculum, in dem in allen Klassenstufen Unterrichtszeit für die Förderung von sozialer Verantwortung fest verankert ist. So werden die Schüler beispielsweise im Unterrichtsfach Glück bereits in Klasse 5 über kindgerechte Spiele für die Auswirkungen ihres Kaufverhaltens auf globale Zusammenhänge sensibilisiert.

Auch die Moderation der Vorträge übernahmen Schüler. Gemeinsam mit einigen betreuenden Lehrkräften waren sie als einzige vor Ort im Schulhaus. Alles andere lief, wie schon der ganze Unterricht seit Mitte Dezember, digital ab. „Da wir schon frühzeitig ein umfassendes Digitalisierungskonzept entwickelt haben, sind nicht nur digitaler Liveunterricht, sondern auch Großprojekte wie der Umwelttag umsetzbar“, so der pädagogische Schulleiter Jörg Bader, der den Tag vor Ort begleitete und die Mitwirkenden unterstützte.

Auch die Rückmeldungen der Schüler am Ende des Tages fielen positiv aus. „Der Umwelttag war ein wirklich schöner Ausgleich zum Homeoffice. Am besten gefallen hat mir, dass uns nicht nur Fakten erzählt wurden, sondern auch neue Sichtweisen auf alltägliche Situationen vorgestellt wurden, wodurch wir gelernt haben, in der Zukunft wahrscheinlich umweltfreundlichere Endscheidungen zu treffen“, so Anna Meena aus der achten Klasse.

Weiterführende Kooperationen

Der „Tag der Umwelt und Ernährung“ hatte nicht nur das Ziel, Anregungen zu geben, wie Nachhaltigkeit im Alltag gelebt werden kann, sondern auch den Grundstein für langfristig geplante Kooperationen zu legen. Mit dem Kreisforstamt sind beispielsweise regelmäßige waldpädagogische Maßnahmen geplant und aus den Blogbeiträgen der Neuntklässler soll eine Kooperationshomepage mit der kroatischen Delfinforschungsstation Vivamar entstehen.

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