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Volkshochschule - Andreas Sturm referiert über den englischen Dramatiker und schlägt dabei die Brücke zu Europa und zum Brexit

Shakespeare und der europäische Geist

Von 
zg
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„Shakespeare und Europa“ lautete ein Vortrag des Anglisten Andreas Sturm in der Volkshochschule (VHS) Bezirk Schwetzingen, den VHS-Leiterin Gundula Sprenger ganz bewusst auf einen Tag in Nähe zum Tag der Deutschen Einheit gelegt hatte.

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Sturm, auch für die CDU im Landtag, ging in seinen Ausführungen auf die geistesgeschichtliche und kulturelle Entwicklung des Kontinents ein und stellte hierbei seine These vor, dass der englische Dramatiker William Shakespeare mit seinen Dramen die Literatur, Theaterlandschaft und die Kultur Europas maßgeblich geprägt habe, heißt es in einer Pressemitteilung. Sturm: „Kein anderer Autor des 16. Jahrhunderts hatte eine solche geografische Bandbreite über den gesamten Kontinent. Ein Viertel seiner 38 Dramen spielt in Italien, ansonsten sind zahlreiche Länder vertreten. Dabei haben Orte wie Wittenberg auch eine symbolische Dimension.“

William Shakespeare sei es gelungen, auch den europäischen Geist in seinen Werken abzubilden, schließlich habe er im Gegensatz zu mittelalterlichen Autoren den Fokus auf den Menschen, seine innere Zerrissenheit und Charakterschwächen gelenkt. Um die europäische Identität zu definieren, zitierte Andreas Sturm die Zeilen aus Peter Pranges Buch „Werte. Von Plato bis Pop“, welche auch schon Angela Merkel 2007 bei ihrer Antrittsrede als Ratspräsidentin verwendete. Laut Prange zeichne sich Europa nicht durch einzelne Werte aus, sondern durch das Zusammenspiel scheinbar widersprechender Werte, die produktive Spannungen erzeugen, wie beispielsweise „Toleranz und Prinzipientreue, Idealismus und Realismus, Freiheit und Verantwortung, Mensch und Recht, Glaube und Vernunft“.

Wie Shakespeare diese Gegensätze in seinen Werken verband, zeigte der 35-jährige Buchautor anhand von der Multiperspektivität in Dramen wie Hamlet oder Romeo und Julia. Sturm: „Shakespeare versah seine Dramen mit dem Wasserzeichen des europäischen Geistes.“

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Ikone für eine Generation

Gleichzeitig sei Shakespeare eine Ikone für eine ganze Generation von Dichtern und Intellektuellen in der Romantik gewesen, die Shakespeare als Naturgenie verehrten und zum Symbol für künstlerische Freiheit ausriefen und diesen Freiheitsbegriff auch politisch verstanden. Sturm: „Shakespeare hätte zu dieser Zeit auch als Autor des Establishments in Verruf geraten können, doch durch die Verehrung der jungen Künstler manifestierte er sich in allen europäischen Ländern.“

Johann Wolfgang von Goethe kultivierte die Shakespeare-Verehrung in Deutschland und wurde selbst stark vom englischen Dramatiker beeinflusst. „Es war Gerhard Stratthaus’ Markenzeichen seine Reden mit einem Goethe-Zitat zu schmücken“, begrüßte Sturm den ehemaligen Schwetzinger OB und Finanzminister in den Reihen der Zuhörerschaft.

Mit Blick auf die Politik und den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs führte Sturm aus: „Shakespeare und Europa ist seit dem Brexit kein Gegensatz. Die Pro-Brexit-Bewegung hat zwar Werbung mit Shakespeare-Zitaten gemacht, doch es war der englische Bühnenautor, der mit Dramen wie ,Hamlet‘, ,Romeo und Julia‘, ,Othello‘ oder ,Ein Sommernachtstraum‘ die Brücke zwischen Antike und Moderne geschlagen hat, er hat den Kontinent literarisch und kulturell wie kein anderer geprägt.“

Sturm stellte noch Adaptionen vor, durch die Shakespeare in anderer Gestalt erscheint, von Blockbustern im Kino wie Leonardo di Caprios „Romeo + Julia“ oder Verdis Othello-Oper.

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Für Sturm sind Shakespeares Dramen Spiegelbild der europäischen Seele, die zeigen, dass Unterschiede auch wertvolle Spannungen und eine besondere Produktivität hervorbringen können. Sturm: „Aus diesem Grund ist Europa auch ein immer fortdauerndes Zukunftsprojekt.“ zg

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