Zweckverband Bezirk Schwetzingen - Mitgliedsgemeinden erinnern in kleiner Feierstunde an den Bau des Klärwerks / Umweltschutz bleibt große Herausforderung Sie ziehen seit 50 Jahren an einem Strang

Von 
Volker Widdrat
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Eine Geburtstagstorte zum 50-jährigen Bestehen des Zweckverbands Bezirk Schwetzingen mit dem Klärwerk als Abbildung: Geschäftsführer Matthias Steffan (v. l.), die Bürgermeister Nils Drescher (Plankstadt), Jens Geiß (Oftersheim) und Dr. Ralf Göck (Brühl), Markus Ziegler (Regierungspräsidium), Verbandsvorsitzender Dr. René Pöltl, der ehemalige Betriebschef Martin Räpple, Bürgermeister Jürgen Kappenstein (Ketsch) und Betriebsleiter Thomas Grabbe. © Popanda

Region. Am 24. Juni 1969 gründeten die Gemeinden Brühl, Ketsch, Oftersheim, Plankstadt und die Stadt Schwetzingen gemeinsam den Zweckverband Bezirk Schwetzingen. Gemäß dem Motto „gemeinsam Großes schaffen“ wurde das Klärwerk auf der Gemarkung Ketsch geplant und in den Folgejahren gebaut. Am Montagmittag feierte der Zweckverband sein 50-jähriges Bestehen.

Glückwünsche an den Zweckverband

„Der Zweckverband ist ein Erfolgsmodell der interkommunalen Zusammenarbeit, in der eine wichtige Aufgabe unserer Zeit seine Regelung findet.“ Bürgermeister Nils Drescher, Plankstadt

„Die Kläranlage des Zweckverbands Bezirk Schwetzingen ist ein zuverlässiger Bestandteil der Abwasserbeseitigung für unsere Bürger.“ Bürgermeister Jens Geiß, Oftersheim

„Der Zweckverband Bezirk Schwetzingen ist ein Musterbeispiel für gelungene interkommunale Zusammenarbeit und hat sich bestens bewährt.“ Bürgermeister Dr. Ralf Göck, Brühl

„Die Kläranblage leistet einen unersetzlichen Beitrag in den Verbandsgemeinden, die stolz sind auf diese Einrichtung und ihre Zuverlässigkeit.“ Bürgermeister Jürgen Kappenstein, Ketsch vw

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Verbandsvorsitzender Dr. René Pöltl begrüßte auf dem Gelände der Kläranlage an der Brühler Landstraße die Bürgermeister der tragenden Kommunen, zahlreiche Gemeinderäte, Vertreter von Partnerfirmen sowie die Beschäftigten. Ein besonderer Gruß galt dem Betriebsleiter Thomas Grabbe und seinem Stellvertreter Ralf Weber sowie der „Klärwerk-Legende“ Martin Räpple, der 31 Jahre lang als Chef die Geschicke der Verbandskläranlage bestimmt hatte. Die Abwasserreinigung sei in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder optimiert und an die gesetzlichen Forderungen angepasst worden, sagte Pöltl. Insgesamt habe man 50 Millionen Euro investiert. In der ganzen Zeit habe es nie eine ernsthafte Störung gegeben, dankte er den Mitarbeitern.

Die Abwasserreinigung sei eine Aufgabe im Dauerbetrieb, die viel Fach- und Sachkenntnis erfordere: „Wir können als Hauptverantwortliche gut schlafen, weil hier alles optimal geregelt wird.“ Pöltl dankte Verbandsgeschäftsführer Matthias Steffan und wies auf die neue Broschüre des Zweckverbands für das Klärwerk hin. Das neue Logo dazu hat Grafiker Klaus-Peter Deimann entworfen. Pöltl lobte das kompetente Betriebspersonal. Auch in naher Zukunft würden weitere Anpassungen notwendig sein. Man stehe vor großen Herausforderungen. Der Zweckverband werde das wichtige Thema Umwelt konsequent angehen, um einen weiteren Beitrag für die Bürger zu leisten.

Hygienisierung im Fokus

Betriebsleiter Thomas Grabbe skizzierte die Entwicklung der Kläranlage, in der 1977 die Abwasserreinigung und 1978 die thermische Schlammbehandlung in Betrieb genommen wurde. Ab 1999 lief die Umsetzung der dritten Reinigungsstufe mit dem Umbau zur weiterführenden Stickstoff-Elimination und biologischen Phosphor-Elimination. 2010 wurde die Teilsanierung der Sand- und Fettfangbecken in Angriff genommen, 2014 die Sanierung der Faulturmköpfe und des Treppenturms. 2016 folgte die Einweihung des neuen Blockheizkraftwerks. 2017 wurde die Sanierung der Rechenanlage fertiggestellt. Eine Machbarkeitsstudie von 2018 beschäftigt sich mit der geplanten vierten Reinigungsstufe, welche zur Elimination von allgegenwärtigen Spurenstoffen wie Medikamentenrückständen, Röntgenkontrastmittel, Tensiden und Mikroplastik führt.

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Auch das Thema Hygienisierung rücke immer mehr in den Fokus, da die Gefahr der multiresistenten Keime rapide zunehme, meinte Grabbe. „Wir tun was für die Umwelt und das ist die Zukunft“, dankte er Geschäftspartnern, Behörden und Beschäftigten für die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen.

Das Abwasser der Stadt Schwetzingen und der Gemeinden Oftersheim und Plankstadt gelangt über einen Sammelkanal in das Zulaufhebewerk der Kläranlage. In der Rechenanlage wird dann auch das Abwasser der Gemeinden Brühl und Ketsch eingeleitet, das gemäß den gesetzlichen Vorgaben einen Reinigungsprozess durchläuft. Es ist jedoch kein Trinkwasser, aber von so guter Qualität, dass es von der Umwelt bedenkenlos aufgenommen werden kann. Über den Auslauf der Kläranlage in den Althrein bei Ketsch wird es wieder ein Teil des natürlichen Wasserkreislaufs.

„Hohes Niveau“

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Markus Ziegler vom Regierungspräsidium Karlsruhe übermittelte die Glückwünsche zum Jubiläum. Die beteiligten Kommunen hätten damals mit der Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen. Viele andere Regionen in Baden-Württemberg beneideten den Zweckverband um die moderne Kläranlage. „Abwasserbeseitigung ist eine Daueraufgabe, die hohe Anforderungen an den Betrieb eines Klärwerks stellt“, meinte der Referatsleiter „Industrie/Kommunen Schwerpunkt Abwasser“.

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Aktuell sei man am Beginn der Umsetzung der vierten Reinigungsstufe. Das Land sei bestrebt, diese Maßnahme im Wege der Freiwilligkeit voranzutreiben. Derzeit seien konkrete Denkprozesse im Gange, damit weitere Reinigungsstufen künftig verbindlich werden könnten, führte Ziegler aus und verwies auf die Möglichkeit der finanziellen Förderung durch das Land: „Wir haben ein hohes Niveau bei der Abwasserreinigung erreicht, lassen Sie uns diesen erfolgreichen Weg weitergehen.“

Freie Autorenschaft Volker Widdrat ist freier Mitarbeiter.