Gastronomie - Betreiber der Schwetzinger Lokale freuen sich nach langer Durststrecke wieder auf ihre Gäste / Vorbereitungen laufen auf Hochtouren / Bei vielen Restaurants sollte vorher reserviert werden Speisekarte mit QR-Code direkt aufs Handy

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J. Hardung, C. Zelt, A. Lin
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Bei der Pizzeria Quadrato wird der Innenraum langsam hergerichtet. Die Terrasse dürfen die Mitarbeiter erst am Sonntag fertig machen. © Hardung

Die Vorbereitungen sind in vollem Gange: Tische werden verschoben, der Abstand gemessen, Desinfektionsspender und Hinweisschilder aufgestellt und Markierungen auf den Boden geklebt. Überall ist etwas Ähnliches zu lesen: „Bitte Abstand halten“, „Schützen Sie sich und Ihre Mitmenschen“. Die Gastronomen dürfen ihre Speisegaststätten ab Montag, 18. Mai, wieder öffnen. Das Land Baden-Württemberg hat weitere Lockerungen genehmigt – und einen ganzen Katalog voller Vorgaben veröffentlicht (SZ berichtete in der Ausgabe vom 14. Mai). Die Stadt hat jetzt weitere Festlegungen getroffen (siehe Artikel unten).

Täglich was Neues – das gilt ab Montag in Schwetzinger Gaststätten

Die Verordnungen von Bund und Land in Sachen Corona-Schutz ändern sich täglich. Hinzu kommen noch all die Dinge, die nicht konkret geregelt sind. Da müssen die Städte dann selbst entscheiden, wie sie es handhaben. Ergänzend zu unserem Beitrag aus der Ausgabe vom Donnerstag, als einige Punkte noch nicht feststanden, informiert die Stadt Schwetzingen jetzt noch über folgende Festlegungen, die ab Montag, 18. Mai, bei der Öffnung der Gaststätten beachtet werden müssen:

Mund-Nase-Maske: Eine Maskenpflicht in der Gaststätte besteht nur für die Beschäftigten im Kontakt mit Gästen. Gäste müssen keine Maske tragen, auch nicht, wenn sie reingehen und zu ihrem Tisch begleitet werden oder wenn sie zur Toilette gehen. Aber die Stadtverwaltung empfiehlt dies dennoch, vor allem in Fällen, wenn auf den Wegen zu den Sitzplätzen oder zum WC aus baulichen Gründen der Abstand von 1,5 Meter schwer einzuhalten ist und Begegnungsverkehr stattfindet. Am Platz muss die Maske natürlich nicht getragen werden.

Reservierung: Die Formulierungen zur Reservierungspflicht in der Landesverordnung wurde in der Verwaltung nochmals diskutiert. Es bleibe nun dem Betreiber überlassen, eine allgemeine Reservierung vorzusehen, vor allem vor dem Hintergrund der weniger zur Verfügung stehenden Sitzplätze. In den ursprünglichen Überlegungen des Landes sei noch eine Reservierungspflicht geplant gewesen. Die bestehe nun in Baden-Württemberg aber doch nicht. Der Wirt entscheidet also, am besten vorher per Telefon oder Internet informieren.

Wer darf öffnen: Öffnen dürfen Speisewirtschaften. Dazu gehören auch Cafés und Eisdielen. Ausreichend sind die Erlaubnis zum Betrieb einer Speisewirtschaft oder eine entsprechende Gewerbeanzeige, sofern der Betrieb nicht erlaubnispflichtig ist. Damit dürfen ab Montag alle öffnen, also auch Dönerimbisse, Bäckereien mit Sitzgelegenheiten und Schank- und Speisewirtschaften, bei denen die Speisen eine untergeordnete Rolle spielen.

Nicht geöffnet: Die 22 reinen Schankwirtschaften in Schwetzingen, also Eckkneipen und Bars, müssen weiter geschlossen bleiben. jüg

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Vieles müssen die Wirte umsetzen und nicht jede Regelung finden die Betroffenen auch sinnvoll. „Das ist schon alles ziemlich viel, was wir beachten müssen. Die Gäste sollen sich anmelden, wir dürfen nicht so viele Tische stellen, um den Abstand einzuhalten. Und auf der Terrasse werden wir den Gästen sagen müssen, dass sie vielleicht nicht bis Ultimo sitzenbleiben können, damit so viele Menschen wie möglich einen Platz bekommen. Viele Kollegen werden das sicher nicht überleben“, sagt Quadrato-Geschäftsführer Carlo Scarpello. Bei ihm stand das Restaurant allerdings nie still, viele Menschen haben seinen Liefer- und Abholservice genutzt.

Vorrat wird aufgestockt

Bei der Bäckerei Utz, die nur den Café-Bereich in den vergangenen Wochen schließen musste, wird der Vorrat erst wieder aufgestockt: „Wir nehmen Reservierungen an, aber wenn man spontan einen Kaffee trinken will, ist das auch möglich. Die Hygienevorschriften hatten wir ja vorher schon, weil unser Brotverkauf trotzdem möglich war“, sagt Ulrike Utz von der Bäckerei.

Aber auch andere Schwierigkeiten kommen auf die Betreiber zu. „Wir müssen überlegen, wo wir die Bestuhlung lagern, die nun wegfällt. Aber wir freuen uns alle wieder, arbeiten zu dürfen. Besonders im Café auf den Kleinen Planken, wo wir die Bedienungen und das Küchenpersonal nicht beschäftigen konnten.“ Utz und ihre Mitarbeiterinnen sind jetzt auf Habachtstellung. „Wir haben auch Kontakt mit Kollegen aus anderen Bundesländern. Bei manchen boomt es und andere verkaufen nur zwei Frühstücke am Morgen. Unsere Vorräte sind jetzt bei null, deshalb bieten wir erstmal nicht das komplette Frühstücksangebot an. Wir wollen mal sehen, wie es überhaupt angenommen wird“, sagt sie.

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Das Kaffeehaus auf dem Schlossplatz öffnet seine Türen am Montag erst um 9 Uhr „und dann lassen wir es einfach mal offen, je nachdem, wie viele Gäste kommen“, erklärt Inhaber Bernd Lehnert. Einige Gäste haben schon reserviert, „aber spontane Gäste können sich auch einfach beim Service melden und werden dann zu einem Platz gebracht“.

Die Hygienevorgaben werden umgesetzt, für die Mitarbeiter könne es besonders im Sommer mit dem Mundschutz allerdings sehr anstrengend werden. „Die Servicekräfte müssen dann halt mehr Pausen machen“, sagt er. Die Hauptkarte – und auch eine leckere Spargelkarte werde jetzt komplett angeboten.

Pacht nicht ausgesetzt

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Die vergangenen Wochen waren nicht nur für Lehnert nervenaufreibend – die Einnahmen sind bei den meisten Gastronomen komplett weggefallen, trotzdem musste er weiterhin Pacht zahlen. „Es gibt die Möglichkeit, dass wir die Miete stunden können, das ist allerdings keine wirkliche Erleichterung“, das Geld muss trotzdem gezahlt werden. Er hätte sich mehr Entgegenkommen des Besitzers gewünscht. „Wir haben genügend Desinfektionsspender und reinigen mehrmals täglich Objekte, die häufig angefasst werden, wir wollen, dass sich die Gäste trotz der Situation wohlfühlen“, sagt er.

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Vor dem Brauhaus zum Ritter ist bereits ein rotes Absperrband aufgespannt. Hier fehlt eigentlich nur noch der rote Teppich, denn ein bisschen sieht der Eingang aus, als würde drinnen bald eine Gala beginnen. Fast so aufregend ist der Start nach fast neun Wochen Pause für das Ehepaar Beatrice Schott-Armbruster und Thomas Armbruster. „Wir freuen uns unglaublich auf unsere Gäste, ich habe in den vergangenen Wochen gemerkt – Ruhestand ist noch nichts für mich“, sagt er.

Nicht nur die Hygienevorgaben haben die beiden schon umgesetzt, „ich habe auch mit unserer Lüftungsfirma telefoniert. Die Viren dürften bei uns keine Chance haben“, die Luft werde in jedem Raum stetig erneuert. „Wahrscheinlich wird die größte Herausforderung, dass wir die Einschränkungen erklären müssen und auch für die richtige Umsetzung verantwortlich sind. Wir haben da schon mit Kollegen von der anderen Rheinseite gesprochen, nicht jeder Gast ist da wirklich einsichtig“, sagt Schott-Armbruster.

Bei den Hygienemaßnahmen macht sich das Ehepaar keine Sorgen. „Wir sind bestens vorbereitet. Dann stellt sie die Aufsteller mit den Hygienevorgaben auf und auch auf dem Boden werden Klebefolien zur Abstandsregelung befestigt.“ Damit nicht jeder Gast eine Speisekarte anfassen muss, kam Armbruster eine zündende Idee: „Am Eingang wird es einen QR-Code geben, den die Gäste mit einem Smartphone scannen können und so dann die Speisekarte direkt auf ihrem Handy sehen.“ Außerdem muss nicht zwingend reserviert werden: „Aber am Montag wird es schon ziemlich voll werden“, befürchtet er. Nicht nur der Innenraum wird vorbereitet – auch der Braumeister hat seine Arbeit wieder aufgenommen. „Jetzt wird schon wieder kräftig daran gearbeitet, dass es am Montag dann frisches Bier gibt“, erklärt Schott-Armbruster.

Den Spagat schaffen

„Wir fahren jetzt erstmal auf Sicht. Wir bereiten alles vor, aber wenn es wieder losgeht, können wir nur reagieren. Wir hoffen einfach, dass wir den Gästen erklären können, dass das keine Schikanen sind, sondern Auflagen, die wir erfüllen müssen.“ Um auch die Mitarbeiter zu schützen, arbeiten sie im Brauhaus in zwei Teams, die sich nicht begegnen. „Also jeweils zwei für den Barbereich und im Service. Falls sich jemand ansteckt, kann die andere Gruppe trotzdem weiterarbeiten“, sagt sie.

Michael Lacher vom Schlossrestaurant kann sich über die Wiedereröffnung nur bedingt freuen: „Für uns ist das alles eine Vollkatastrophe. Nur 800 Menschen dürfen überhaupt in den Schlossgarten rein. Heißt, selbst wenn Gäste bei uns reservieren, wissen wir nicht, ob sie zu uns kommen dürfen.“ Sein Restaurant lebt normalerweise auch von den Veranstaltungen, die nun alle abgesagt sind. „Kein Theater, keine Führungen, auch Weihnachtsfeiern wurden schon abgesagt. Außerdem haben wir viele ältere Gäste, die kommen natürlich jetzt auch nicht“, sagt er. Trotz der Einschränkungen will Lacher versuchsweise von Montag bis Mittwoch oder sogar Donnerstag von 12 bis 17 Uhr kleine Snacks und dann am Wochenende eine kleine Karte anbieten. „Eigentlich sollte ich zu lassen, aber weil wir ja auch Fachpersonal beschäftigen, will ich es versuchen – und dann je nach Resonanz reagieren.“

Danuta Wrobel vom Bistro Point in der Ederer-Passage hat in den vergangenen Wochen vom Straßenverkauf gelebt. Sie gießt gerade ihre Blumen auf der Terrasse, die Tische stehen noch kreuz und quer. Der Besen lehnt einsatzbereit an der Wand. „Ich will niemanden verärgern, davor habe ich die meiste Angst“, erklärt sie mit nachdenklichem Blick. „Durch die Abstandsregelung können wir nicht mehr so viele Gäste bewirten wie sonst. Außerdem müssen sie vorher reservieren, weil ihre Tische meist voll sind.“ Sie versuche auf der einen Seite alle Auflagen und Vorschriften zu erfüllen – um die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen – und auf der anderen Seite trotzdem den Gästen entgegenkommen. „Ich hoffe, dass alle zufrieden sind“, sagt Danuta Wrobel.

Mit Sinn und Verstand

„Es sind auf jeden Fall außergewöhnliche Zeiten“, sagt Tommy R. Möbius vom gleichnamigen Restaurant. Als Inhaber trage er die Verantwortung für die Mitarbeiter, die er schützen wolle. Trotzdem fühle er sich gut aufgestellt. „Die Gäste müssen bei uns vorher reservieren. Unseren Mittagstisch bieten wir weiterhin in ausgeweiteter Form an“, erklärt er. Er verfolge die Neuerungen stetig und werde immer mit Sinn und Verstand handeln.

Auch beim Havana in der Mannheimer Straße werden fleißig Tische umgestellt. Immer nur zwei Personen können hier zusammen sitzen. „Wir werden ganz normal geöffnet haben und auch die gleiche Karte wie immer anbieten“, erklärt Reza Khorsand. Er habe die Miete erlassen bekommen, trotzdem sei es eine harte Zeit für alle Gastronomen.

„Wir sind vorbereitet“, sagt Michael Münch vom „Blauen Loch“ , während er noch die Tische im Biergarten zurechtrückt. Nur noch ein Drittel der normalen Kapazität steht zur Verfügung. Er freut sich, dass es wieder losgeht. Aber es bleibt Ungewissheit: „Ich weiß nicht, ob Gäste kommen und ob es sich lohnt, sagt der Gastronom. Froh ist er darüber, dass die Reservierungspflicht jetzt doch gelockert wurde. „Das ist doch nicht zwingend notwendig, wenn man ein gescheites System hat.“ Münch hat eine Art Ampelsystem vorgesehen, anhand dessen jeder Gast sehen kann, ob und wo etwas frei ist. Sogar eine Einbahnstraßenregelung ist geklärt: Eingang am Hoftor, Ausgang durchs Lokal.

Auch Ali Ghawami vom „Walzwerk“ am Schlossplatz, ist skeptisch, was ab Montag passieren wird. „Wir fahren auf Sicht“ – das will heißen, dass man sich täglich auf Änderungen – auch negativer Art – einstellen müsse. Die weggefallene Reservierungspflicht begrüßt er: „Wenn man doch ein vernünftiges Maß anlegt, dann wäre das der Sache nicht dienlich gewesen.“ Er würde sich übrigens freuen, wenn der Gemeinderat zu der Entscheidung käme, für das ganze Jahr auf die Terrassengebühr zu verzichten. „Das würde uns allen helfen.“

Diese Probleme hat Tolga Tanyeri zwar nicht, weil er im „Fässl“ keine Terrasse hat. Aber das vergrößert ja seine Sorgen: Denn in der kleinen Wirtschaft in der Mannheimer Straße ist der Platz überschaubar. „Ich weiß immer noch nicht genau, wie viele Leute ich ins Lokal lassen darf“, erzählte er am Donnerstag. „15 bis maximal 20 Gäste“, schätzt er. Wegen der zu kurzen Vorlaufzeit wird er auch erst am Dienstag aufmachen, dann den Betrieb vorerst alleine schmeißen und deshalb die Küche auf Snacks reduzieren. Denn sonst bräuchte er eine Bedienung, was sich bei der Auslastung nicht rentiert. Eines stimmt ihn hoffnungsfroh: „Ich freue mich, meine Gäste wiederzusehen.“

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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