Hochzeiten - Manuela und Michael Cataldo lassen sich trotz Corona-Einschränkungen trauen / „Intimer Moment im Standesamt“ / Vorschriften werden immer weiter gelockert Statt Feier auf Landgut Pizza mit den Kindern

Von 
Janina Hardung
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Es soll der schönste Tag im Leben werden, monatelang akribisch geplant – und dann kam Corona. Für viele Paare, die in diesem Frühjahr den Bund der Ehe schließen wollen, war die Nachricht des Lockdowns und all der Beschränkungen eine Katastrophe. Viele Hochzeiten wurden abgesagt oder verschoben. Für Manuela und Michael Cataldo war trotzdem sehr schnell klar: Sie wollen trotzdem heiraten.

Auf das Brautpaar: Manuela und Michael Cataldo stoßen nach der standesamtlichen Hochzeit gemeinsam an. Die Masken werden zum Trinken dann natürlich abge-nommen, aber das Erinnerungsfoto ist schon etwas Besonderes. © Jan Hillnhütter
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Am 2. Mai stehen sie also um 11 Uhr im Schwetzinger Rathaus – nur die beiden – und die Standesbeamtin Nicole Blem. „Noch nicht mal unsere Kinder durften bei der Trauung dabei sein“, erzählt Manuela Cataldo bei einem Videotelefonat mit dieser Zeitung. Ihre Eltern sind extra angereist und auch mit einer Handvoll Freunden haben sie auf Abstand kurz angestoßen.

Zoom-Party mit den Trauzeugen

„Es war ein sehr intimer Moment. Aber im Standesamt hatte ich sowieso nur Augen für meinen Mann, da hätte ich wahrscheinlich auch die Gäste ausgeblendet“, sagt die 42-Jährige. Danach gab es für die beiden und ihre Kinder zu Hause Essen vom Europäischen Hof. „Da gab’s ein tolles Menü und es war etwas Besonderes“, sagt sie.

Den Hochzeitstanz haben sie dann aufgenommen und Freunden und Familie geschickt – und um 17 Uhr gab’s eine digitale Zoom-Party mit den Trauzeugen. „Abends haben wir uns dann zusammen Pizza bestellt – ganz unspektakulär, aber es war super!“

„Werden alles nachholen“

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Geplant war der Tag natürlich ganz anders. „Kurz vor dem Lockdown habe ich mein Kleid vom Schneider abgeholt“, erzählt Manuela Cataldo. In der Planungszeit sei es ein schleichender Prozess gewesen. Die Trauung sollte in der Kapelle im Schlossgarten stattfinden, eine klassische alte Limousine hätte das Paar dann abgeholt und zum Landgut nach Lingental gebracht, wo nicht nur die etwa 45 Gäste sie erwartet hätten – auch die Dekoration sei auf diesen Tag ausgelegt gewesen. „Wir haben alles mit dem Datum bedruckt, das nehmen wir aber dann auch wieder, wenn wir die Feier nachholen“, erklärt sie.

Michael Cataldo stimmt ihr nickend zu. „Wir haben uns geärgert, als klar war, dass es nicht so stattfinden kann, wie gedacht. Aber wir waren uns immer einer Meinung und auch bei der Frage, ob wir heiraten oder nicht, stand die Entscheidung relativ schnell fest.“ Auch die Freunde des Paares haben schnell reagiert. Aus den geplanten Junggesellenabschieden wurde kurzerhand ein feucht fröhlicher virtueller. „Das haben wir dann auch nicht separat gemacht, sondern mit allen gemeinsam. Und es war super!“, erzählt das Paar.

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Über Pfingsten sollte es für die Beiden dann auf die Malediven gehen. „Das haben wir auch abgesagt, aber dafür geht es jetzt an die Ostsee, wir versuchen einfach, aus allem das Beste zu machen“, sagt Michael Cataldo. „Und wir werden alles nachholen. Die Feier, die Hochzeitsreise, alles“, sagt seine Frau.

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Kurz vor der Krise hatte sie sich noch überlegt, wer ihr vor dem Weg zur Kapelle im Schlossgarten das Kleid richtet. Dieses Problem hat sich dann von selbst gelöst.

Viele Paare sagen ab

Auf Nachfrage bei der Stadt haben sich trotz der enormen Einschränkungen im März insgesamt drei Paare standesamtlich getraut, im April acht und im Mai sogar neun. „In dieser Zeit fanden Trauungen sehr eingeschränkt nur mit dem Brautpaar und der Standesbeamtin statt. Seit dem 15. Mai können bei Trauungen in unserem Trausaal auch wieder acht Gäste dabei sein“, erklärt Pressesprecherin Andrea Baisch.

Bis zum Montag, 15. Juni, stand die Schlosskapelle für standesamtliche Trauungen nicht zur Verfügung. Einige Paare haben sich dann stattdessen entschlossen, im Trausaal zu heiraten. Mittlerweile haben sich sieben Paare dazu entschlossen, die Trauung in 2020 komplett abzusagen. Einige von diesen haben allerdings gleich einen neuen Termin in 2021 verbindlich reserviert.

„Es gibt aber auch noch einige Paare, die einen Termin in den nächsten Wochen verbindlich reserviert haben, und die noch abwarten möchten. Eine Entscheidung ist natürlich auch davon abhängig, ob wieder mit Gästen und wenn ja, mit wie vielen gefeiert werden darf“, sagt sie.

Aktuell wartet die Stadt auf die neue Rechtsverordnung. Darin soll geregelt werden, ob Veranstaltungen unter bestimmten Bedingungen – die wir noch nicht kennen – mit bis zu 100 Personen wieder erlaubt werden. „Dann werden wir auch entscheiden, ob standesamtliche Trauungen auch wieder in der Schlosskapelle möglich sind“, erklärt Baisch.

Redaktion Redakteurin für Print und Online in Schwetzingen.