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Gedenken

Synagogenräume in Schwetzingen

Von 
zg
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Schwetzingen. Der israelitischen Gemeinde Schwetzingen war es aufgrund der geringen Mitgliederzahl nie möglich, ein eigenes Synagogengebäude zu errichten. Man behalf sich mit der Anmietung von verschiedenen Synagogenräumen in Privathäusern oder im Schloss. Das schreibt die Stadt Schwetzingen in einer Pressemitteilung.

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Im 18. Jahrhundert wurden gemeinsam mit Juden aus Ketsch Gottesdienste in Häusern von jüdischen Gemeindemitgliedern sowohl in Schwetzingen als auch in Ketsch abgehalten. Zu Beginn des 19. Jahrhundert überlies der wohlhabende Schutzjude Kaufmann David Raphael Traumann und nach ihm sein Sohn Anselm Raphael der Gemeinde ein Zimmer in ihrem Haus als Synagogenraum. Die Räumlichkeiten waren allerdings für die wachsende Zahl der Gemeindemitglieder zu klein. Als das Haus verkauft wurde, beantragten am 14. Dezember 1807 fünf Schwetzinger Juden beim Großherzoglichen Bezirksamt Schwetzingen Unterstützung für den Bau einer eigenen Synagoge. Dem Vorhaben wurde zugestimmt, zumal die israelitische Gemeinde bereits ein Grundstück für 500 Gulden gekauft hatte und die Nachbargemeinden Bauholz zur Verfügung stellten.

Auch Großherzog Karl Friedrich begrüßte den Synagogenbau, forderte allerdings Einblick in die Pläne, da „Schwetzingen ein Residenzort sei, wo auf ein anständiges Äußeres des Gebäudes vorzüglich Rücksicht zu nehmen sein werde“. Das Bauvorhaben scheiterte vermutlich aus finanziellen Gründen. So wurden die Gottesdienste weiter in Privathäusern abgehalten.

1864 erwarb die israelitische Gemeinde einen Teil eines Hauses im Kirchgässchen, heute Invalidengasse 6 und richtete dort einen ersten Synagogenraum mit Schule ein. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Invalidengasse (bis August 1934) „Synagogenstraße“ genannt.

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Da sich der Gebetssaal in der Invalidengasse für die wachsende Anzahl von Gemeindemitgliedern mit der Zeit als zu klein erwies, richtete die Gemeinde 1893 ein Spendenkonto ein, um für einen Synagogenneubau zu sammeln. Doch bis 1897 kam nur eine geringe Spendensumme zusammen. Als an Rosch ha-Schanah (jüdisches Neujahrsfest) eine Frau beim Gottesdienst aufgrund der Hitze und Raumenge ohnmächtig wurde, wurde erneut ein größerer Raum bzw. eine neue Synagoge von den Gemeindemitgliedern gefordert.

Auf der Suche nach einem Übergangsraum bekam die jüdische Gemeinde 1897 vom Großherzoglichen Oberhof­marschallamt in Karlsruhe den ersten Vorsaal des Südlichen Zirkels für ein Jahr ohne Mietzins zur Verfügung gestellt. Der israelitische Frauen- und der Männerverein übernahmen die Kosten für die Ausstattung der Räume je zur Hälfte. Simon Eichstetter durfte im Januar 1898 den Synagogenraum (zweiter Synagogenraum) feierlich einweihen.

Am 11. Juli 1901 forderte die Schlossverwaltung den Synagogenrat auf, in den nördlichen Zirkelbau umzuziehen, der davor als Militär-Vereins-Saal genutzt wurde. Der Grund war, dass der bisherige Gebetssaal nur durch den Haupteingang des Schlossgartens erreicht werden konnte, was zu den Gottesdienstzeiten von fremden Personen dazu missbraucht wurde, um unerlaubt in den Schlossgarten zu gelangen.

Der nördliche Zirkelsaal hatte einen Zugang von der Zeyherstraße. Für diesen dritten Synagogenraum wurde ein Mietvertrag abgeschlossen (s. Mietvertrag). Jährlich waren dafür 200 RM zuzüglich 10 RM für ein davor liegendes Gartenstück zu entrichten.

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Bis 1914 konnte dieser Raum genutzt werden. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde in den Zirkelräumen des Schlosses ein Lazarett eingerichtet und die Gemeinde musste weichen. Der jüdische Zigarrenfabrikant Moses Monatt stellte einen Raum (vierter Synagogenraum) in seiner neuerrichteten Zigarrenfabrik Hess & Monatt in der Friedrichstraße 39 zur Verfügung. 1917 konnte die Gemeinde in den Zirkelsaal zurückkehren. Es wurde aber weiterhin für einen Synagogenneubau gesammelt.

1933 veranlasste die NSDAP die Räumung des Synagogenraums. Die SA beanspruchte den Raum für sich. Der jüdische Lehrer Heinrich Bloch konnte gemeinsam mit einem christlichen Jungen gerade noch die Kultgegenstände aus dem Raum retten. Die gesamte Einrichtung musste jedoch zurückgelassen werden.

Als kurzfristigen Übergang bekam die jüdische Gemeinde als fünften Synagogenraum die Kirche der Alt-Katholiken (Schlosskapelle) zugewiesen. Ende Juli 1933 musste auch dieser Raum geräumt werden.

Über die Hohen Feiertage im Herbst 1933 stellte Siegfried Kaufmann sein Haus in der Heidelberger Straße 33 (sechster Synagogenraum) für Gottesdienste zur Verfügung. Zum Laubhüttenfest 1933 musste wieder umgezogen werden, nämlich in die zwei Zimmer im Haus des Kaufmanns Pinkas Gottlieb in der Dreikönigstraße 25 (siebter Synagogenraum). Dort konnte die Gemeinde bis 1936 Gottesdienste feiern.

Nachdem Pinkas Gottlieb 1936 sein Haus verkauft hatte, bezog man den „letzten“ Synagogenraum, das Haus der Familie Springer  in der Heidelberger Straße 12, erster Stock.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen SA-Männer gewaltsam in den Synagogenraum in der Heidelberger Straße ein. Das Klavier wurde zertrümmert, die Torarolle, Gebetbücher und andere Kultgegenstände wurden beschädigt, zerstört, durch das Fenster auf die Straße geworfen und zur Straßenkreuzung Heidelberger Straße/ Mühlenstraße getragen, dort aufgeschichtet und angezündet. Die Torarolle ging dabei in Flammen auf. Der Rest der angebrannten Torarolle und einige Gebetbücher wurden von Unbekannten gerettet, später im Haus Invalidengasse 6 im Dachboden vergraben und erst 1995 bei Umbauarbeiten wieder entdeckt, heute sind sie im Museum ausgestellt.

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