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Meinung

Teilhabe ist das Mindeste

Lukas Heylmann ist für ermäßigten Parkeintritt für bedürftige Menschen.

Von 
Lukas Heylmann
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Im ersten Moment klingt die Erklärung der Schlossverwaltung logisch: Tafelausweise werden von Vereinen ausgestellt und gelten deshalb nicht als Nachweis von Bedürftigkeit, um bei einer Landeseinrichtung ermäßigten Eintritt zu erhalten. Fakt ist aber auch – für diesen Ausweis brauchen Betroffene offizielle Dokumente wie Arbeitslosen-, Renten- oder Wohngeldbescheide. Niemand, der nicht bedürftig ist, kommt ohne Weiteres an einen Tafelausweis. Wenn die Verwaltung nun einen solchen nicht als Grundlage für Ermäßigungen gelten lassen will, warum dann nicht die Dokumente, die nötig sind, um einen zu bekommen? So entsteht der Eindruck, dass hier wie so oft der Bürokratie statt den Menschen der Vorzug gegeben wird.

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Dabei haben die Verantwortlichen selbst erst kürzlich ein Beispiel dafür geliefert, wie es auch anders geht: Seit Mitte März haben ukrainische Flüchtlinge kostenlosen Zutritt zu den Monumenten der Staatlichen Schlösser und Gärten, als Nachweis genügt ein ukrainischer Pass. Das ist in seiner unkomplizierten Schnelligkeit lobenswert und zeigt auf, dass kulturelle und soziale Teilhabe für Menschen in misslichen Lagen – selbst für welche, die das unsägliche Leid des Krieges erlebt haben – ein entscheidender Teil des Lebens ist. Ein Besuch im Schlossgarten wird niemandes Probleme lösen, aber er darf auch niemandem aus finanziellen Gründen komplett unmöglich gemacht werden.

Die Frage ist jetzt: Wieso wird keine unbürokratische oder selbst eine bürokratische, aufwendige Lösung für Menschen möglich gemacht, die hierzulande am Existenzminimum leben. Zumal nicht mal ein kostenloser Eintritt notwendig wäre, eine Aufnahme in den Kreis derer, denen ein ermäßigter Preis zusteht, wäre schon ein klares Zeichen der Wertschätzung. So bleibt aber der fahle Geschmack, dass die – uneingeschränkt anerkennenswerte – Entscheidung, ukrainischen Geflüchteten kostenlosen Eintritt zu gewähren, aus Prestigegründen getroffen wurde. Es sollte nun für die Staatlichen Schlösser und Gärten das Mindeste sein, auch Menschen mit nachweislich wenig Geld eine einfachere Teilhabe an ihren Angeboten zu ermöglichen.

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Lukas Heylmann
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