Gesundheitswesen - CDU-Landtagskandidat Andreas Sturm und Fraktionsvorsitzender Professor Wolfgang Reinhardt informieren sich in der Nord-Apotheke über Bürokratie Überregulierung belastet Apotheken

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zg
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CDU-Landtagskandidat Andreas Sturm (v. l.) staunte mit Professor Dr. Wolfgang Reinhart über den Einsatz von Dr. Jürgen Sommer von der Nord-Apotheke. © Zelt

Schwetzingen. Zu Corona-Zeiten ist die wichtige Arbeit von Apotheken wieder mehr im Fokus. Nachdem Apotheker Dr. Jürgen Sommer in einer Onlineveranstaltung von Andreas Sturm die Belastung deutscher Apotheken durch Überregulierung angesprochen hatte, vereinbarte der CDU-Landtagskandidat einen Besuch mit dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion Professor Wolfgang Reingart.

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Dr. Sommer stellte dar, welchen bürokratischen Aufwand er regelmäßig zu bewältigen habe. Die umfassenden Dokumentationspflichten, die Datenschutzgrundverordnung, die Kassennachschau, die Präqualifizierung, in immer kürzeren Abständen, sind einige Beispiele, heißt es dazu in einer Pressemitteilung von Andreas Sturm. Es gibt auch Stilblüten, die für Kopfschütteln sorgen: Weil Apotheken beim statistischen Landesamt im Einzelhandel eingruppiert sind, muss beispielsweise die Mineralölabgabe gemeldet werden. Mittlerweile fressen solche bürokratischen Auswüchse einen großen Teil der Arbeitszeit. Professor Reinhart riet dem Apotheker eine Meldung an Dr. Gisela Meister-Scheufelen, Vorsitzende des Normenkontrollrats Baden-Württemberg, in der Vergangenheit haben solche Anfragen tatsächlich zur Reduktion von Bürokratie beigetragen. „Es ist außer Frage, dass viele Bereiche dereguliert werden müssen, glücklicherweise sind durch die Arbeit des Normenkontrollrates einige Abläufe schlanker und flexibler geworden“, so Reinhart.

Ältere nicht ausgrenzen

Mit Sorge blickt Dr. Sommer auf die Entwicklung des deutschen Apothekenwesens, in den vergangenen zehn Jahren habe sich die Anzahl der Apotheken in Baden-Württemberg um 300 auf 2400 verringert. „Eine Apotheke vor Ort mit Beratung und einem funktionierenden Notdienst ist ein wesentlicher Bestandteil unserer medizinischen Grundversorgung“, plädierte der Apotheker. Auch in unserer Region sei das spürbar, Mannheim habe 25 Prozent weniger Apotheken als noch vor zehn Jahren. Während die Einnahmen der Krankenkassen in den letzten Jahren stark angestiegen sind, liege der Anstieg der Vergütung der Apotheken weit darunter, sogar unter dem Anstieg der Mitarbeiterlöhne und der Inflation. Der Staat müsse für einen fairen Wettbewerb sorgen, bei dem Versandapotheken nicht bevorteilt werden. Die Beschaffung von Medikamenten muss für jeden machbar sein und darf ältere Menschen nicht ausgrenzen, wie dies mit E-Rezepten oder Rezepten mit QR-Codes geschehen könnte. Was die Digitalisierung anbelangt, so ist die Schwetzinger Nord-Apotheke weit vorangeschritten: Die altmodischen Apothekenregale gibt es nicht mehr, längst ist alles vollautomatisiert, so dass mehr Zeit für die Beratung der Kunden bleibt.

Beim Thema Corona-Situation zeigte sich, dass Erwartungen an den Impfstoff geweckt wurden, die in der kurzen Zeit kaum erfüllt werden können und die die große wissenschaftliche Errungenschaft verkennen. Die Verfügbarkeit und der Preis von FFP 2-Masken war ebenfalls Thema, denn niemand darf finanziell ausgegrenzt werden.

Medikamententafel vorgestellt

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Dr. Sommer stellte zudem die „Schwetzinger Medikamententafel“ vor: Dabei können Kunden des Tafelladens in acht Apotheken im Bereich Schwetzingen rezeptfreie Arzneimittel, die zwar auf Rezept verordnet wurden, aber von der gesetzlichen Krankenkasse nicht bezahlt werden, unter Vorlage ihres Berechtigungsscheins einlösen. Apotheken geben die Medikamenten dann zum Selbstkostenpreis aus. Damit würden sozial Bedürftige bis zur Hälfte des Preises sparen. Für Professor Reinhart ist eine solche Aktion gelebte soziale Verantwortung, die er lobte und die Vorbild sein könnte.

Andreas Sturm versprach, sich für die Abschaffung von unnötigen Auflagen und Regulierungen einzusetzen, die die wirkliche Arbeit der Apotheken behindere.