„Veganuary“ - Katharina Wagner erzählt, warum sie sich für einen pflanzenbasierten Lebensstil entschieden hat / Volontärin macht den Selbstversuch Vom Käse-Junkie zur Veganerin

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Catharina Zelt
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Volontärin Catharina Zelt und Katharina Wagner halten die fertigen Muffins in den Händen. Sie sind ganz ohne tierische Produkte gebacken. © Zelt

Vegan ist der Ernährungstrend schlechthin. Vegane Restaurants und Cafés boomen, vegetarische Kochbücher sind Bestseller und das pflanzliche Angebot im Supermarkt wird immer vielfältiger. Laut aktuellen Studien leben in Deutschland rund acht Millionen Menschen vegetarisch, verzichten also auf Fleisch und Fisch. Das sind etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Rein vegan – also ganz ohne tierische Produkte wie Eier, Milch und Käse – ernähren sich über eine Millionen Menschen.

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Der „Veganuary“ (aus dem Englischen von „vegan“ und „january“) ermutigt jährlich Menschen dazu, einen Monat lang vegan zu leben. Seit Beginn der Veranstaltung im Januar 2014 hat sich die Beteiligung jedes Jahr mehr als verdoppelt. Ich bin neugierig geworden und habe beschlossen, am „Veganuary“ teilzunehmen.

Die ersten Tage fallen mir leicht. Nach den Weihnachtsfeiertagen voll deftiger Gerichte ist der vegane Lebensstil eine willkommene Abwechslung. Ich esse mehr Gemüse und Obst, weniger Süßigkeiten und entdecke, dass mir die vegane Käsealternative auf Mandelbasis sogar um einiges besser schmeckt als das Original. Zugegeben: Ein richtiger Käse-Junkie war ich sowieso noch nie.

Eingeschränktes Angebot

Die ersten Probleme treten in der Mittagspause bei der Arbeit auf, denn die Essensauswahl ist nun doch etwas beschränkt. Beim Dönerladen fällt meine Wahl auf Falafel im Brot – allerdings ohne die leckere Joghurtsoße und die Gurken in Rahm. Beim Bäcker ist das Angebot ähnlich klein: Trockene Brötchen und Brezeln sind das einzige, das hier vegan ist. Beim Einkaufen achte ich jetzt verstärkt auf die Zutatenliste, kaufe mehr Gemüse und Linsen, denn die enthalten viele Proteine. Generell setze ich mich intensiver mit meiner Ernährung außereinander und achte auf Nähr- sowie Inhaltsstoffe. Und ich stelle fest, wie viele Produkte zufällig vegan sind: Einige Gummibärchen, Kekse, Chips und sogar „Mon Chérie“. Auf Süßigkeiten verzichten muss man als Veganer also nicht.

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Als knapp die Hälfte des „Veganuarys“ hinter mir liegt, treffe ich mich mit Katharina Wagner zum Kochen. Die Schwetzingerin ist seit fast fünf Jahren Veganerin und zeigt mir, wie ich aus einfachen Zutaten eine schnelle Linsenbolognese und Karotten-Nuss-Muffins zaubern kann. Sie erzählt mir, dass sie eigentlich ganz anders aufgewachsen ist. „Meine Eltern kommen beide aus der ehemaligen Sowjetunion. In der russischen Küche wird viel mit tierischen Produkten gekocht“, erklärt die 20-Jährige. Früher sei sie ein richtiger Käse-Junkie gewesen und habe viel Fertigprodukte gegessen.

Für den veganen Lebensstil hat sie sich im Sommer 2016 entschieden, weil sie sich gesünder ernähren wollte: Mehr Gemüse, weniger Ungesundes. „Das hat funktioniert. Ich koche jetzt mehr selbst und esse Gemüse, das ich vorher niemals angerührt hätte.“ Der vegane Lebensstil ist aber nicht gleich eine Garantie, gesünder zu leben: Kuchen, Burger und Pizza gibt es auch ohne tierische Produkte. Weniger ungesund sind sie deshalb allerdings nicht. Einige Nährstoffe wie beispielsweise Vitamin B12 sind bei einer veganen Ernährung zudem potenziell kritisch und sollten gegebenenfalls zugeführt werden. Hier ist es ratsam, beim Arzt ein großes Blutbild machen zu lassen.

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Wir schneiden Karotten, Zwiebeln, Tomaten und Knoblauch klein, waschen und kochen die Linsen. „Die Auswahl an veganen Produkten ist in den vergangenen Jahren riesig geworden. Mittlerweile gibt es für fast alles eine vegane Alternative“, erzählt Katharina. Ersatzprodukte kaufe sie aber trotzdem nur selten. Sie greife lieber auf Gemüse und Getreide zurück, koche Suppen und richte Salate an. Mittlerweile ist sie nicht mehr nur aus gesundheitlichen Gründen vegan. „Für tierische Produkte werden deutlich mehr Ressourcen verbraucht als für pflanzliche: Futter muss angebaut, Wasser verbraucht und Fläche für den Anbau der Nahrung und die Unterbringung der Tiere genutzt werden. Aus 15 Kilogramm Getreide wird zum Beispiel nur ein Kilogramm Fleisch“, erklärt die Schwetzingerin.

Wasserverbrauch sehr hoch

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Ich schaue mir den Wasserverbrauch von einigen Lebensmitteln genauer an und stelle fest: Für ein Kilogramm Rindfleisch werden tatsächlich mehr als 15 000 Liter Wasser verbraucht. Wer auf die Umwelt achten möchte, sollte aber nicht nur von Fleisch lieber die Finger lassen: Für ein Kilogramm Röstkaffee benötigt man rund 21 000 Liter Wasser, für Kakao sogar rund 27 000 Liter. „Außerdem liegt mir das Tierwohl am Herzen“, sagt Katharina, während sie die gekochten Nudeln in ein Sieb gibt. „Ich finde es mittlerweile unnatürlich, die Muttermilch eines Tieres zu trinken.“ Kälber würden ihren Müttern entrissen, männliche Küken kämen lebendig in den Schredder. Ich muss schlucken. Natürlich weiß ich, dass für Milch und Eier Tiere ausgebeutet werden, aber wenn ein knuspriges Spiegelei auf meinem Teller liegt, verdränge ich meist, wo es herkommt. Die Linsenbolognese kann ich jedoch ganz ohne schlechtes Gewissen essen.

Unterwegs etwas Veganes zu finden, das sei manchmal schwer. „In einem griechischen Restaurant bleibt zum Beispiel meist nur der Bauernsalat ohne Käse“, erklärt die Studentin. Auch beim gemeinsamen Essen mit der Familie sei es manchmal schwierig. Ich merke: Wer vegan lebt, muss vorbereitet sein, vor allem unterwegs.

Keine körperliche Veränderung

Der Januar neigt sich langsam dem Ende zu und damit auch mein Experiment. Die temporäre Umstellung auf eine vegane Ernährung ist mir leichter gefallen, als ich gedacht hätte – vielleicht, weil ich mich davor schon vegetarisch ernährt habe, vielleicht aber auch, weil wir uns im Lockdown befinden und ich deswegen vor allem zu Hause bin. Körperlich merke ich keine Veränderungen – ich bin weder fitter, noch träger. Anstrengend ist es auf Dauer schon, ständig so penibel auf die Ernährung zu achten.

Aber der Monat hat auch Gutes gebracht: Ich habe viele neue Gerichte ausprobiert und möchte in Zukunft mehr davon in meinen Alltag integrieren – vor allem die Linsenbolognese hat es mir angetan.

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zg/caz
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