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Ecomobil-Gala in Schwetzingen (mit Fotostrecke)

Von Heizlösungen und Fahrspaß - selbst für Hunde

Heizen mit einem autarken Photovoltaik-Klimagerät, erneuerbarer Kraftstoff aus Frittierfett und ein E-Scooter, der sogar Hunden Spaß macht: Das alles gab es bei der Ecomobil-Gala in Schwetzingen zu erleben.

Von 
Stefan Kern und Katja Bauroth
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Matthias Theilmann (rechts) informiert Jan, Stephanie, Erwin und Paula Tenhumberg über den Skoda Enyaq, einen Elektro-SUV. Die Familie nutzt das kostenlose Angebot der Ecomobil-Gala in Schwetzingen gerne, um sich umfassend zu informieren. © Lenhardt

Schwetzingen. Der Sommer scheint Eindruck gemacht zu haben. Zumindest auf dem Schlossplatz bei der 7. Ecomobil-Gala in Schwetzingen traf man am Wochenende auf eine durchaus beachtliche Zahl nachdenklicher Menschen. Für Stephanie und Erwin Tenhumberg ist klar, dass sich etwas ändern muss, und zwar jetzt. Und auch Erwin Haube erklärte, dass die Bilanz für die Mobilitätswende bis dato enttäuschend sei. In Sachen CO2-Einsparungen sei im Verkehrssektor wenig bis nichts passiert. Dafür trüge aber nicht nur die Regierung die Verantwortung, sondern „auch wir Bürger“.

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Es waren Worte, die dem Oberbürgermeister Dr. René Pöltl wie Balsam auf die Seele vorgekommen sein müssen. Zur Eröffnung der Ecomobil-Gala erklärte er im Beisein etlicher Gemeinderäte Deutschland zum Weltmeister im Problemesuchen. „Wir debattieren sie dann endlos und kommen keinen Schritt voran.“ Wie es anders geht, erlebte er gerade in Skandinavien. In Norwegen fahre eigentlich praktisch jeder mit einem Elektro-Wagen. Die Zulassungsquote für Elektrofahrzeuge betrug hier im ersten Quartal 2022 sagenhafte 82 Prozent. In Deutschland betrug diese Quote im ersten Halbjahr 2022 lediglich etwas über 13 Prozent. Es gehe darum, nicht nur das Minus zu sehen, das es ohne Frage gibt, sondern das Plus, das es eben auch gibt. Und dieses Plus wurde den Besuchern auf dem Schlossplatz sehr deutlich offeriert – und das weit über das E-Auto hinaus.

Stadt fördert „Balkonkraftwerke“

Dem Veranstalter Wolfgang Gauf und den beiden Rathaus-Mitarbeiterinnen aus dem Klimabüro, Catrin Nähr und Maike Berkenmeier, stellte der Oberbürgermeister denn auch ein außerordentliches Zeugnis aus. Die Gala sei eine gelungene Plattform, um der Mobilitätswende Schwung zu verleihen. Hier könne diese erlebt werden. Und genau das sei, so der baden-württembergische Verkehrsminister und Schirmherr der Veranstaltung, Winfried Herrmann, in einem Grußwort per Video, der Königsweg zu einer gelingenden Mobilitätswende.

Am Stand von blue-oak berät am späten Samstagvormittag Martin Heckmann zu den autarken PV-Klima-Geräten, an welche Solarmodule direkt angeschlossen werden können. Damit ist netzunabhängiges Heizen und Kühlen möglich. Links: das Sebring-Vanguard Citicar, ein Elektroauto aus den 1970er Jahren. Es bildet eine schöne Symbiose zu den Oldtimern der Classic-Gala im Schlosspark. © Bauroth

Die Instrumente dafür, das erschien offensichtlich, habe Deutschland in der Hand. Für Markus Joder von dem Mannheimer Unternehmen blue-oak scheint es mittlerweile nur noch ein Umsetzungsproblem zu sein. „Wir müssten einfach nur mehr machen.“ Im Angebot hat blue-oak Lösungen für Photovoltaik, Ladestationen, Akkuspeicher und Wärmepumpen. Wie wichtig das alles sein kann, zeigt sich in dem Feld der Balkonmodule. Natürlich schaffen die „nur“ 400 bis 600 Kilowattstunden (kWh) im Jahr. Man spricht denn auch eher von einer Stromzählerbremse. Bei 60 Cent die Kilowattstunde kämen aber immerhin Einsparungen von 240 bis 360 Euro im Jahr zusammen. Und die Strompreise werden in Zukunft ja eher steigen. Die „Balkonkraftwerke“, wie die Mini-Photovoltaik-Anlagen auch genannt werden, sind gefragter denn je. Das hängt unter anderem mit bestehenden Fördermöglichkeiten zusammen, die es auch in Schwetzingen gibt. Bis zu 300 Euro Zuschuss können hierfür fließen, die Informationen dazu erteilt das städtische Klimabüro. „Heizen und kühlen ohne Netzstrom“ steht zudem auf einen weiteren Flyer von blue-oak, der die Aufmerksamkeit vieler Gäste auf sich lenkte. Das autarke Klimasplitgerät wird dabei mit PV-Modulen direkt gekoppelt. Es kann unabhängig vom Netzstrom betrieben oder für selbigen ein Leistungslimit eingestellt werden – in Anbetracht der Energiepreisentwicklung eine spannende Heizmöglichkeit für den Hausgebrauch genauso wie für Büros, erklärte dazu Martin Heckmann, Maschinenbauingenieur und einer der Geschäftsführer von blue-oak Mannheim.

Auch ganz jenseits des ökonomischen mache jede nachhaltig geschaffene Kilowattstunde für die Umwelt Sinn. Und das gelte gleichsam für jedes Elektroauto auf den Straßen des Landes. Die Infrastruktur sei noch lange nicht am Ziel, jedoch, so die Experten von Electrify BW, meist besser als es viele erwarteten. Die Mitarbeiter von deer e-Carsharing, einem Anbieter aus Calw für die eher ländliche Region, sprechen von einer wachsenden Akzeptanz und am Stadtmobilstand hört man von laufend wachsenden Zahlen. Es ist noch nicht das ganz große Rad, aber Elektroautos und Carsharing sind längst kein Nischenthema mehr. Das ist nicht zuletzt auch ein Erfolg von solchen Messen wie der Ecomobil-Gala. Sie bringen Spannendes rund aus einem großen Sektor zusammen.

E-Scooter mit Hundekörbchen

Dazu zählen zum Beispiel auch kleinere Dinge wie E-Scooter. In Schwetzingen machen die der Firma Moovi Eindruck. Vor allem der elektrische Tretroller mit dem Lastenaufsatz für Bierkästen erregte Aufmerksamkeit und eine Menge schmunzelnder Gesichter. Der Transport von Lasten bis zu 30 Kilo ist damit möglich. Das gefederte und klappbare Vehikel, das bequem in eine Tasche gepackt und (auch auf dem Rücken) getragen werden kann (neun Kilo schwer), ist bis zu 20 Stundenkilometer schnell und hat eine Reichweite bis zu 30 Kilometern. Das Besondere sind neben dem Gepäckträger für Bierkästen die Ausführungen mit Einkaufskorb und einem Hundekörbchen, in dem der Vierbeiner sicher sitzt. Günther Klaiber möchte in den Urlaub, zeigte er an seinem Stand die Vorteile des E-Scooters auf. Er hatte aber auch noch etwas anderes dabei: „Riechen Sie mal“, animierte er Interessierte, an einem Fläschchen zu schnuppern. „Das ist erneuerbarer Diesel, aus Frittierfett von McDonald’s gewonnen.“ Diese von dem Unternehmen Neste auf den Weg gebrachte Lösung setzt zum Beispiel die Deutsche Bahn ein. Auch bei Volkswagen wird mit diesem Klimakraftstoff praktiziert.

Günter Klaiber stellt die E-Scooter von Moovi vor, mit denen Lasten transportiert werden können. Und: Er hat erneuerbaren Diesel dabei – gewonnen aus Frittierfett. © Norbert Lenhardt

Kleines Highlight, wenn auch ganz ohne Elektromotor, waren die Carbon-Laufräder für Erwachsene der Firma Sollso. Claus E. Dürke ist da ein absoluter Überzeugungstäter. Für Ältere werde das Fahrrad manchmal zum Risiko und da würde sich dieses leichte Laufrad geradezu aufdrängen. Der Firmenspruch lautet denn auch: „Hast du Beschwerden beim Laufen, musst du dir ein Sollso-Laufrad kaufen“. Auch das, so Oberbürgermeister Pöltl beim Rundgang mit der Presse, sei nachhaltig gedachte Mobilität.

Bewussteres Reisen

Abgerundet wurde das Angebot mit dem Fahrradverleiher VRN-Nextbike und verschiedenen Autohäusern mit Elektroautos im Angebot. Hier traf diese Zeitung denn auch auf die eingangs erwähnte Familie Tenhumberg. Das Thema Mobilität treibt die vierköpfige Familie ziemlich um. Sie ist schon meist mit Bus, Bahn, Fahrrad oder zu Fuß unterwegs. Aber für mache Strecken etwa in den Schwarzwald zum Wandern oder an die Ostsee braucht sie dann doch ein Auto. Da sollte es jetzt ein Stromer sein – wenn auch vorerst als Zwischenlösung. „In meinen Träumen sind die Mobilitätsangebote von Carsharing über öffentlichen Nah- und Fernverkehr bis zu Leihfahrrädern aller Art so vielfältig, dass sich das mit dem eigenen Auto ganz erledigt hat.“ Ganz so weit sind da das Land und auch die Familie selbst noch nicht. Doch wenn man die Ecomobil-Gala Schwetzingen sieht, lässt sich doch Zuversicht gewinnen, dass dazu nicht mehr so viel fehlt.

Schwetzingen

Schwetzingen: Impressionen der 7. ECOmobil-Gala

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Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.

Ressortleitung Katja Bauroth ist Redaktionsleiterin der Schwetzinger Zeitung/Hockenheimer Tageszeitung.

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