Geschäftsleben - Fusion sorgt für weiteren Schub bei Einlagen, Bilanzsumme und im Kreditgeschäft VR Bank strotzt weiterhin vor Vitalität

Von 
Jürgen Gruler
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So vervollständigt sich das Geschäftsgebiet der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz an der Haardt. Blau unterlegt ist das jetzt schon vereinigte Gebiet, rot unterlegt der Bereich der Raiffeisenbank Freinsheim, für deren Fusion jetzt im Juni die Entscheidungen fallen sollen. Und grün wird der Bereich der VR Bank Mittelhaardt mit Sitz in Bad Dürkheim dargestellt, mit der jetzt erst mal intensiv kooperiert wird. © VR Bank Kur- und Rheinpfalz

Speyer/Schwetzingen/Hockenheim. Die Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz strotz weiterhin vor Gesundheit. Im ersten Jahr nach der Fusion mit den Kollegen aus Lambsheim ist die Bilanzsumme um 423 Millionen Euro auf jetzt 5,521 Milliarden gewachsen – ein Plus von 8,3 Prozent. Getrieben wird dies vom Kreditvolumen, das um 331 Millionen Euro auf jetzt 4,147 Milliarden (+ 8,7 %)gewachsen ist und von Kundeneinlagen, die um 185 Millionen Euro auf jetzt 4,051 Milliarden (+ 4,8 %) angestiegen sind. „Und dabei macht uns übrigens unser badisches Geschäftsgebiet in beiden Bereichen weiterhin sehr viel Freude. Wir gewinnen stetig Marktanteile hinzu und es ist ein prosperierender Wirtschaftsraum“, sagt Vorstandsvorsitzender Rudolf Müller am Freitagmittag bei der Jahrespressekonferenz am Hauptsitz in Speyer.

Daten und Fakten zur Vereinigten VR Bank Kur -und Rheinpfalz

  • Neben der Steigerung der Bilanzsumme um 8,3 Prozent und dem Anstieg der Einlagen um 4,8 Prozent, ist auch das Kreditvolumen gewachsen auf jetzt 4,149 Milliarden Euro (+ 8,7 Prozent). Das teilt sich auf in 2,169 Milliarden an Firmenkunden und 1,978 an Privatleute. Allein 2020 hat die Bank 4071 neue Kreditanträge bewilligt mit einem Volumen von 1,182 Milliarden Euro (+18,6 Prozent). Der Schwerpunkt dabei lag bei Geschäftskunden mit 765 Millionen Euro.
  • Der Wertpapierbestand in den Kundendepots wächst deutlich und es gibt mehr als doppelt so viele Geschäftsvorgänge. Ein Zeichen dafür, dass die Kunden Aktion und Fonds deutlich aufgeschlossener gegenüberstehen. Der Bestand an verwalteten Wertpapieren stieg um 214 Millionen Euro auf jetzt 1,7 Millarden. Allein 2020 wurde bei 65 155 Abrechnungen ein Umsatz von 757 Millionen Euro gemacht, 2019 waren es nur 355 Millionen Euro.
  • Die Immobilienabteilung profitiert von der anhaltenden Nachfrage. 299 Geschäftsabschlüsse mit einem Umsatz von 107 Millionen Euro wurden getätigt – 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Zur Belohnung gibt’s neue Räume. Die Immo-Leute ziehen in die frühere Apotheke an der Ecke Bahnhofstraße/Obere Langgasse um, wo sie auch unabhängig von den Bankzeiten Kunden empfangen können.
  • Für 2020 erwartet die Vereinigte VR Bank einen Jahresüberschuss in Höhe von wierum zwischen 9 und 9,5 Millionen Euro. Dennoch wird man weniger Dividende ausschütten „müssen“. Die Bankenaufsicht habe schon 2019 mehrere Augen zugedrückt und nur wegen der guten Geschäftslage eine Dividende in Höhe von 4,5 Prozent erlaubt. Immerhin sind das 1,3 Millionen Euro. Das hatte man bei der Fusion mit Lambsheim auch den Genossenschaftlern versprochen. Diesmal will man, wenn es die Aufsicht erlaubt, wenigstens ein Zwei vor dem Komma haben.
  • Gebaut wird auch: Auf dem Gelände der Zentrale entsteht entlang der Oberen Langgasse ein Verwaltungstrakt für 70 Mitarbeiter mit Veranstaltungsräumen im Obergeschoss und spektakulärem Speyer-Rundblick. 
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Mit dabei war sein Stellvertreter Dirk Borgartz, aus Corona-Gründen blieben die anderen Vorstandskollegen in ihren Bereichen. Apropos: „So ein Jahr wie 2020 haben wir noch nie erlebt. Erst die Talfahrt während des Shutdowns, dann die Erholung nach Wiederöffnung, dann sogar eine Art Euphorie durch die Meldungen mit dem Impfstoff und nun der neuerliche Einbruch. Solche Wellenbewegungen haben wir noch nie erlebt“, sagt Müller. Besonders die Kunden aus den Bereichen Gastronomie, Tourismus, Einzelhandel, Freizeit und viele Soloselbstständige leiden. „Aber wir werden alles dafür tun, unnötige Insolvenzen zu vermeiden“, verspricht er. Es gelte, proaktiv schnelle, flexible Lösungen mit den Kunden zu finden. Die VR Bank habe 2020 mehr als 350 KfW-Anträge mit einer Summe von 75 Millionen Euro gestellt. Bisher registriere man nur einen sehr geringen Anteil an Kreditausfällen, so Müller. Aber man schaue mit Respekt auf die nächsten Monate. Bei einer Gesamtkreditsumme von 100 Millionen Euro habe man Zins und Tilgung ausgesetzt.

So eine Krise wirkt sich natürlich auf das Kundenverhalten aus. Ganz direkt, weil gut 40 Prozent weniger Kunden in die Filialen kommen, aber auch auf den Bargeldverkehr, weil 25 Prozent weniger Bargeldumsatz an den Automaten gemacht wird und so gleich zwei Trends verstärkt werden, die schon in den Jahren zuvor sichtbar waren. Dennoch werde man nur drei marginale Änderungen im Filialnetz vornehmen. Die badische Seite ist davon gar nicht betroffen. Geschlossen werden kleine Zweigstellen in Mechtersheim, Beindersheim und Birkenheide – der Abstand zur nächsten Filiale betrage weniger als einen Kilometer.

Aktien und Fonds liegen im Trend

Aber auch das Anlegerverhalten ändert sich in der Krise, sagt Dirk Borgartz: „Wir haben fast 1600 neue Depots für Kunden eröffnet. Es zeigt sich, dass viele, die noch geglaubt haben, die Zinspolitik ändere sich, nun sicher sind, dass dies noch auf Jahre nicht passiere. Zudem wollen sie von den Aktienmärkten profitieren“, so Borgartz. „Da merken sie aber, dass es gerade in diesen Zeiten ein gutes Hintergrundwissen braucht und das können die Experten der VR Bank bieten“, so Borgartz weiter. Fast 400 Millionen Euro verwalten die Anlageberater für ihre Kunden. Und stolz sind die Volksbanker vor allem auf die eigenen Produkte, mit denen man vor vielen Jahr Vorreiter am Markt war und die auch 2020 wieder toll performten. Der VR Premium Fonds Securitas mit seiner zurückhaltenden Anlageart mit vier Prozent, der ausgewogene Ambitio mit sechs Prozent und der mutige Progressio mit immerhin 7,4 Prozent Wertsteigerung – insgesamt liegen hier fast 270 Millionen Euro in den eigenen Fonds. Bei der Geldanlage gebe es noch einen weiteren Trend, den zur Nachhaltigkeit. Hätten größere Kunden wie die Kirchen schon immer nach der Art der Geldanlage gefragt, so komme das nun auch verstärkt im Privatkundenbereich auf. Die VR Bank hat sich deshalb zertifizieren lassen, noch bevor eine EU-Richtlinie dafür verabschiedet ist. Keine Waffengeschäfte, keine Kohlekraftwerke – so ließe sich die Strategie auf einen plastischen kurzen Nenner bringen. Rudolf Müller sieht da ein Steuerungsinstrument der Regierungen, denn künftig werde die Bank, die nicht nachhaltige Projekte finanziere, dafür mehr Eigenkapital einstellen müssen, das sorge dann dafür, dass Banken da gar nicht mehr rangehen werden, so Müller.

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Noch ein Trend ist in der Corona-Zeit zu spüren: „Unsere Wachstumsraten im Kreditgeschäft resultieren vor allem aus Immobilienfinanzierungen. 80 bis 85 Prozent der Kredite liegen in diesem Bereich. Ein Gutteil aus der Wohnungswirtschaft, die sich stark engagiere und zunehmend sozialen Wohnungsbau betreibe. Die Nachfrage nach Immobilien sei hoch. Themen wie Homeoffice befeuerten das noch. Und die Frage, wo lege ich das Geld an, das ich derzeit kaum ausgeben kann.

Bleibt am Ende die Frage nach den Fusionen. Mit der Raiffeisenbank Freinsheim und ihren 150 Millionen Euro Bilanzsumme wird gerade das Geschäftsgebiet arrondiert. Und mit der VR Bank Mittelhaardt ist die Kooperation „sehr gut angelaufen“, sagt Borgartz. Eine weitere Hochzeit ist also nicht ausgeschlossen. Schon jetzt ist man die größte Volksbank der Metropolregion und die zweitgrößte in Rheinland-Pfalz.

Chefredaktion Jürgen Gruler ist Chefredakteur der Schwetzinger Zeitung.