Hebel-Gymnasium - Professor Andreas Löschel referiert über Nachhaltigkeit in der Wirtschaft Wann der Markt versagt

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bs
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Trifft der Mensch als „Homo oeconomicus“ seine Entscheidungen nur nach dem Kriterium, seinen Nutzen zu maximieren? Gilt heute noch die These von Adam Smith, dass individuelle Profitoptimierung auch automatisch zum bestmöglichen Wohlstand für alle führt? Andreas Löschel, Professor für Mikroökonomik an der Universität Münster, stellte diese Gedanken an den Anfang seines informativen Vortrags zum Thema „Nachhaltigkeit in der Wirtschaft“, den er im Seminarkurs des Hebel-Gymnasiums hielt.

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In dem Kurs unter der Leitung von Dr. Henning Hupe arbeiten die diesjährigen Elftklässler an dem Thema „Nachhaltigkeit“. Die Schüler recherchieren hier beispielsweise an Fragen zu nachhaltiger Ernährung, Landwirtschaft, Mode oder ÖPNV. Der Schwetzinger Andreas Löschel lieferte in seinem Online-Referat viele spannende Denkanstöße, die die Schüler für ihre eigene Untersuchung nutzen können.

Professor Löschel gehört zu den einfluss-reichsten Ökonomen Deutschlands. Er sprach im Seminarkurs über Nachhaltig-keit in der Wirtschaft. © Schreiner

Der „Homo oeconomicus“ hilft, viele Beobachtungen zu erklären. Individuen handeln aber dann doch nicht nur nach ihrer Gewinnmaximierung. Experimentelle Verhaltensspiele zeigen, dass auch zum Beispiel Fairness und Gerechtigkeit bei Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen. Menschen sind auch Altruisten, sorgen sich um andere und kümmern sich um die Umwelt. Oft treffen Menschen auch schlechte Entscheidungen, beispielsweise wenn sie zwischen einem preiswerten, aber stromfressenden und einem teureren, aber energiesparenden Kühlschrank zu wählen haben. „Doch Menschen neigen dann oft dazu, heutige Kosten überzubewerten und zukünftige Energieeinsparungen zu unterschätzen. Gekauft wird dann ein Energiefresser“, erklärte Prof. Löschel, der übrigens laut FAZ zu den 50 einflussreichsten Ökonomen Deutschlands zählt.

„Der Markt richtet es“ – auch diese (zu) einfache Prämisse stimmt nicht immer. Der Markt versagt, wenn die Kosten für die Umwelt nicht im Preis abgebildet sind. Dann sind staatliche Eingriffe wie eine CO2-Steuer ökonomisch gerechtfertigt. „Aber es ist wirklich schwierig, diese Umweltschäden, die auch immer Kosten für die Gemeinschaft sind, genau zu quantifizieren.“, gibt der prominente Wirtschaftswissenschaftler zu bedenken. Einfache Lösungen gibt es nicht.

Spieltheorie hilft

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Erkenntnisse aus der Spieltheorie helfen in sozialen Dilemma-Situationen zwischen Menschen aber auch zwischen Staaten, bei denen Vorteile für Einzelne nicht der Gruppe dienen: „Trete immer kooperativ an den Partner heran – solange der andere auch kooperativ ist. Das ist für beide das Beste. Nur wenn der andere nicht kooperativ ist, kann man kurz abweichen und sanktionieren“, empfiehlt Prof. Löschel. Nicht nur für die Klimaproblematik gilt: „Der Schlüssel ist die Zusammenarbeit. Und man muss auch einmal das bisher Undenkbare ausprobieren und einfach machen. Die Menschen brauchen Beispiele und Vorbilder.“ bs