AdUnit Billboard
Nachgefragt

Was ist eigentlich mit dem Kino in Schwetzingen los?

Der Kampf um die "Kinokultur" ist für Jochen Englert mehr, als reines Geschäftsinteresse. Der Inhaber der Luxor-Kinos berichtet, wie es um das Schwetzinger Filmhaus steht.

Von 
Stefan Kern
Lesedauer: 
Das Luxor-Kino in Schwetzingen ist schon seit einiger Zeit geschlossen. So soll es aber nicht bleiben. © Lenhardt

Schwetzingen. Der Mann ist ein Cineast durch und durch. Seit seinem 13. Lebensjahr ist der heute 50 Jahre alte Jochen Englert in der Welt der Filmhäuser zu Hause. Kino sei ein Raum für die großen und kleinen Geschichten und sind Teil der gesellschaftlichen Selbstvergewisserung. Mit den Geschichten, die wir uns erzählten, zeigen wir, wer wir sind. Und so ist der Kampf um die Kinokultur für Englert, der heute unter dem Namen Luxor fünf Kinohäuser, darunter das in Schwetzingen betreibt, weit mehr als ein Geschäftsinteresse.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Es gehe um die Art und Weise, wie wir uns Geschichten erzählen und in der Folge auch darum, wie wir miteinander umgehen. Kino ist etwas Wichtiges für Englert und so kommt es für ihn nicht infrage, das Schwetzinger Luxor-Kino aufzugeben. Es sei zwar zurzeit geschlossen, „aber ich bin fest entschlossen, es wieder zu öffnen“.

Schwierige Personalsituation

Leider, und das geht ihm sichtlich nah, stünden hier diverse Brocken im Wege. Zuvorderst die Personalsituation. „Verlässliche Mitarbeiter zu finden, ist wirklich schwierig.“ Vier oder fünf Mitarbeiter bräuchte er für einen verlässlichen Betrieb des kurfürstlichen Kinos. Auch wenn der Job im Kino natürlich kein Hexenwerk sei. Die Anforderungen stiegen, weil die Besucher – höflich formuliert – anspruchsvoller werden würden. Dass der Müll aus dem Saal vom Personal eingesammelt wird, sei mittlerweile Standard. Und dem ständigen Vorwurf, es sei alles zu teuer, müsse, egal, wie unhöflich er vorgetragen werde, stets höflich begegnet werden.

Mehr zum Thema

Luxor-Filmtheater

Etwa 60 Gäste dürfen im großen Saal Platz nehmen

Veröffentlicht
Von
Janina Hardung
Mehr erfahren
Gemeinderat

Konzept soll helfen, den Tourismus in Schwetzingen anzukurbeln

Veröffentlicht
Von
Lukas Heylmann
Mehr erfahren
Classic-Gala in Schwetzingen (mit Fotostecken)

Wenn Erinnerungen wieder greifbar werden

Veröffentlicht
Von
Katja Bauroth
Mehr erfahren

Politische Unwägbarkeiten

Zu diesem Personalbrocken gesellt sich dann noch die Politik hinzu, die in seinen Augen gerade für sehr viel Unruhe sorgt. Welche Corona-Maßnahmen im Herbst wirklich kommen, weiß niemand so genau – der Gesundheitsminister des Bundes hat die Verantwortung ja an die Länder abgeschoben. „Vielleicht werden wir sogar wieder geschlossen.“ Und dann die Gasproblematik. Englert macht sich keine Illusionen darüber, dass sein Kino wahrscheinlich als Erstes den Gashahn zugedreht bekommt. Dass die Menschen, etwas dicker angezogen, trotzdem kommen, glaubt er in diesem Fall nicht. „Ich bekomme schon einen Shitstorm, wenn ich versuche, Energie zu sparen und die Kühlung etwas runterfahre.“ Erschwerend kommt noch hinzu, dass bis Dezember keine großen Filme kommen und die Betreiber nicht per se mit einem größeren Besucherandrang rechnen können.

So viele Unwägbarkeiten und Probleme machen das wirtschaftliche Fahrwasser doch eher trübe und Entscheidungen schwierig. „Am Ende muss ich absehen können, dass der Betrieb wirtschaftlich ist und ich meine Angestellten auch wirklich bezahlen kann, aber genau das kann ich aktuell nicht.“ Was er braucht, sind klare Ansagen von der Politik. Leider erlebe er derzeit eher das Gegenteil. Allzu oft werde aus Sorge hektisch und vor allem eher planlos im Gerangel zwischen Bund und Land irgendein Entscheid zusammengeschustert. Am Anfang der Pandemie sei das noch nachvollziehbar gewesen. Jetzt nicht mehr, dafür genügt ein Blick ins europäische Ausland, wo kein Land sonst so agiere und seine Unternehmen in so trübes Fahrwasser führe.

Kino

Luxor-Filmpalast in Heidelberg eröffnet

Veröffentlicht
Bilder in Galerie
9
Mehr erfahren

Noch kein Termin in Aussicht

Die vergangenen Jahre haben dem Kinounternehmer spürbar zugesetzt. Dabei gehe es nicht nur um die Politik, auch gesellschaftlich sei viel in Unordnung. Den Dingen ihren Wert zuzugestehen und sorgsam mit ihnen umzugehen, gerade wenn sie nicht im eigenen Besitz sind, das vermisst er. Aber das bedeutet nicht, dass er aufgibt. Das Kino in Schwetzingen wird wieder geöffnet. Gerade würden die Polster der Sitze erneuert, wobei auch hier Lieferprobleme die Arbeiten aktuell verzögerten. Die Technik sei auf dem Stand der Zeit und sicher gebe es in Zukunft auch wieder mehr Leute, die Lust haben und fähig sind, in einem Kino zu arbeiten. Nur einen Termin für die Öffnung kann er bis dato nicht geben. Dafür sei das wirtschaftliche Umfeld einfach zu wackelig.

Und das bedauert Englert, denn ein geschlossenes Kino scheint für ihn immer auch eine persönliche Niederlage zu sein, die er längerfristig nicht bereit ist hinzunehmen. Dafür sei das Geschichtenerzählen im Kino einfach zu wichtig.

Freier Autor Stefan Kern ist ein freier Mitarbeiter der Schwetzinger Zeitung.

Mehr zum Thema

Thema des Tages Kino noch immer zu

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Wirtschaftspolitik DIHK: Regierung zu zögerlich bei Energiepreisen

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Politik „Die Menschen werden auch ständig verunsichert“

Veröffentlicht
Mehr erfahren
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1