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Aktionstag zur Woche der Wiederbelebung - GRN-Chefarzt Dr. Christian Bopp macht Mut, zu handeln und damit zu helfen

Wenige Handgriffe retten Leben

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Chefarzt und Privatdozent Dr. Christian Bopp gibt Tipps zum Thema Reanimation. © GRN

„Es kann so schnell gehen: Eine Person bricht bewusstlos zusammen und bleibt regungslos auf dem Boden liegen. Vor einer Sekunde war noch alles normal, jetzt zählt jede Sekunde. Eine Situation, die schnell für Überforderung und Panik sorgt. Dass man dabei nicht viel falsch machen kann“, verdeutlichte Dr. Christian Bopp, Chefarzt für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin der GRN-Klinik Schwetzingen, bei einer Aktion in der Schwetzinger Fußgängerzone.

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„Der größte Fehler in solchen Situationen ist es, nichts zu machen“, sagt der Chefarzt und begründet seine Motivation für diese Aktion: „Wir wollen den Menschen die Angst nehmen.“ Der Facharzt für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin beteiligte sich zusammen mit dem DRK-Ortsverband Schwetzingen zum sechsten Mal an der bundesweiten Woche der Wiederbelebung. Dr. Bopp organisiert den jährlich im September stattfindenden Aktionstag bereits seit 2015, im vergangenen Jahr gab es eine Corona-bedingte Zwangspause.

So kann jeder helfen

Prüfen: Person ansprechen, Atmung prüfen – Person ist bewusstlos, atmet nicht oder nicht normal.

Hilfe rufen: Den Notruf 112 kontaktieren oder andere Personen zur Hilfe rufen und bitten, den Notruf abzusetzen.

Herzdruckmassage durchführen: Nur drücken kann schon helfen! Dafür senkrecht auf Mitte der Brust sechs Zentimeter tief drücken. Frequenz: 100-mal pro Minute. Übrigens: Um diese Frequenz umzusetzen, helfen Musiktitel, die entsprechend 100 bpm – also beats pro minute (Schläge pro Minute) haben. Dazu gehören zum Beispiel „Atemlos“ von Helene Fischer, der „Biene-Maja“-Titelsong von Karel Gott, „Dancing Queen“ von Abba, „Crazy in Love“ von Beyoncé und auch „Bad Romance“ von Lady Gaga.

Atemspende: Drücken und beatmen ist effizienter. Nach 30-mal drücken Nase des Bewusstlosen mit Fingern verschließen, zweimal Luft in den Mund blasen, bis sich der Brustkorb hebt.

Herzdruckmassage fortsetzen: Den beschriebenen Prozess abwechselnd fortsetzen, bis Patient atmet oder Hilfe eintrifft – 30-mal drücken, zweimal beatmen.

An einem Infostand klärte er mit DRK-Helfern die Passanten über das Thema auf, verteilte Flyer und machte klar: Die Reanimation ist nicht kompliziert, kann aber in Notfällen über Leben und Tod entscheiden. Grundsätzlich gilt: Zuerst prüfen und rufen, dann drücken. Damit ist gemeint, dass die Person in Not erst angesprochen und auf ihre Reaktion sowie Atmung überprüft werden soll. Nach dem Notruf unter der 112 folgt die Herzdruckmassage.

Erste Hilfe auffrischen

Wie diese funktioniert, machten Bopp und die DRK-Helfer den Passanten anhand von Übungspuppen deutlich. Zunächst muss der Brustkorb der notleidenden Person freigemacht werden. Dann werden die Handballen übereinander auf die Mitte der Brust gelegt und die Finger verschränkt, mit den Schultern über dem Druckpunkt. Etwa fünf bis sechs Zentimeter soll das Brustbein nach unten gedrückt werden, in einem Rhythmus von 100- bis 120-mal pro Minute. Hilfreich für den Takt sind Evergreens wie „Stayin’ alive“ von den Bee Gees oder „Another one bites the dust“ von Queen.

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„Die Mund-zu-Mund-Beatmung, für viele eine Hemmschwelle, ist in den ersten zehn bis 15 Minuten nicht zwingend notwendig. Bis dahin reicht allein die Herzdruckmassage“, erklärte Bopp. Dabei gilt das Motto „Je früher, desto besser“: Die Überlebenschance verdoppelt bis verdreifacht sich, wenn eine sofortige Herzdruckmassage durchgeführt wird. Geschieht dies bei einem Herzstillstand nicht innerhalb von fünf Minuten, ist ein Überleben, vor allem mit gutem neurologischen Befund, immer unwahrscheinlicher.

Oberbürgermeister und Schirmherr Dr. René Pöltl unterstrich die Bedeutung des Themas und warb für die Kampagne. „Es ist wichtig, der Bevölkerung zu vermitteln, dass nur wenige Handgriffe Leben retten können“, betonte er und machte auch auf die zahlreichen Defibrillatoren-Standorte im Stadtgebiet aufmerksam. Diese seien an besonders neuralgischen Orten wie der „Alla hopp!“-Anlage oder dem Lutherhaus am Platz Kleine Planken zu finden. Eben dort, wo viele Menschen unterwegs sind und schnell etwas passieren kann.

Auch für Dr. Hans-Jürgen Scholz, DRK- und Ärztenetz-Vorsitzender, hat der Aktionstag eine besondere Bedeutung. Er beobachte häufig bei den Erste-Hilfe-Kursen eine Hemmschwelle, die es abzubauen gelte. „Viele Menschen hatten diesen Kurs zum letzten Mal, als sie ihren Führerschein gemacht haben. Je stärker das Wissen verbreitet ist, desto besser ist es für die Gesellschaft und für jeden Einzelnen“, findet Scholz.

In den Schulen aktiv

Für GRN-Chefarzt Dr. Christian Bopp war der Aktionstag in der Fußgängerzone nicht der einzige Einsatz in der Woche der Wiederbelebung. Zusammen mit weiteren Helfern war er in den Tagen zuvor an drei Kooperationsschulen in Schwetzingen: dem Privatgymnasium, der Schimper-Gemeinschaftsschule und dem Wirtschaftsgymnasium der Carl-Theodor-Schule. „Seit 2015 beteiligen wir uns an der Kampagne und haben schon über 1500 Schüler über die Reanimation aufgeklärt.“ Für den Chefarzt der GRN-Klinik Schwetzingen ist das Projekt eine Herzensangelegenheit für die er sich auch im kommenden Jahr einsetzen möchte.

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